Über eine CO2-Abgabe ließen sich laut einer neuen Studie die Kosten für die Energiewende einkommensgerechter verteilen.

Über eine CO2-Abgabe ließen sich laut einer neuen Studie die Kosten für die Energiewende einkommensgerechter verteilen.

Bild: © SZ-Designs/Adobe Stock

Das Erbebnis des ersten Global Renewable Outlooks der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) ist eindeutig: Wer viel investiert, kann auch viel ernten. Zwar ziehe der Umstieg auf eine emissionsärmere Wirtschaft Gesamtinvestitionen von bis zu 130 Billionen US-Dollar im Energiebereich nach sie – demgegenüber steht jedoch auch eine Steigerung des globalen BIP um satte 98 Billionen US-Dollar.

Auch für den Arbeitsmarkt würde sich das Investment lohnen. So würde sich die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren auf 42 Mrd. vervierfachen. Weiter sei mit 21 Mio. Beschäftigten im Bereich der Energieeffizienz zu rechen, sowie mit 15 Mio. zur Erreichung der Systemflexibilität.

 Grüner Wasserstoff als Chance

Vor allem in Zeiten der drohenden Rezession belegen diese Zahlen die Chance der Energiewende für einen nachhaltigen Anschub der Volkswirtschaft, wie Francesco La Camera, Generaldirektor der IRENA verdeutlicht: „Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Integration der Energiewende als fester Bestandteil der globalen wirtschaftlichen Erholung ermöglicht es Regierungen, vielfältige wirtschaftliche und soziale Ziele zu erreichen in ihrem Streben nach einer robusten Zukunft, in der niemand zurückbleibt.“

Die Analyse der internationalen Agentur befasst sich mit der Frage, wie die globalen CO2-Emissionen bis 2050 um mindestens 70 Prozent gesenkt werden können und zeigt Perspektiven auf, wie der Umstieg auf eine emissionsärmere Wirtschaft einen Weg in Richtung Netto-Null und Nullemissionen gelingen kann. Insbesondere grüner Wasserstoff und eine erweiterte Elektrifizierung von Endanwendungen könnten dazu beitragen, fossile Brennstoffe zu ersetzen und die Emissionen in der Schwerindustrie und in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren zu senken.

Gut 130 Billionen US-Dollar für vollstänige Klimaneutralität

Die Investitionen in kohlenstoffarme Technologien würden sich laut Outlook erheblich lohnen. Einsparungen um das Achtfache der Kosten seien möglich, wenn man die geringeren externen Umwelt- und Gesundheitskosten gegenrechnet. So wären Energieinvestitionen von 110 Billionen US-Dollar bis 2050 erforderlich, bei einer vollständigen Klimaneutralität kämen weitere 20 Billionen US-Dollar hinzu.

Der Outlook untersuchte auch die energie- und sozioökonomischen Energiewende-Modelle in 10 Regionen weltweit. Trotz unterschiedlicher Ansätze wird in allen Regionen ein höherer Anteil der Nutzung erneuerbarer Energien erwartet, wobei Südostasien, Lateinamerika, die Europäische Union und Subsahara-Afrika bis 2050 einen Anteil von 70 bis 80 Prozent an ihrem gesamten Energiemix erreichen dürften. In ähnlicher Weise würde die Elektrifizierung von Endanwendungen wie Wärme und Verkehr überall zunehmen und in Ostasien, Nordamerika und weiten Teilen Europas über 50 Prozent betragen.

Stärkere internationale Koordination

Alle Regionen würden auch eine erhebliche Steigerung ihres Wohlstands und einen Nettoarbeitsplatzgewinn im Energiesektor verzeichnen, trotz der Verluste bei fossilen Brennstoffen. Allerdings ist der gesamtwirtschaftliche, regionale Arbeitsplatzgewinn ungleichmäßig verteilt. Während das regionale BIP-Wachstum beträchtliche Unterschiede aufweisen würde, könnten die meisten Regionen Gewinne erwarten.

Damit es zu einer gerechteren Kosten-Nutzen-Verteilung kommt, müssten Entscheider auf internationaler Ebene aber auch regional und lokal stärker zusammenarbeiten. Zudem müssten die am stärksten gefährdeten Länder finanziell unterstützt werden, emfpiehlt der Outlook. (ls)

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