Zum Beethoven-Energiepaket der Stadtwerke Bonn gehört auch das Beethoven-Gas. Dieses wird durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten CO2-neutral gestellt (Symbolbild).

Zum Beethoven-Energiepaket der Stadtwerke Bonn gehört auch das Beethoven-Gas. Dieses wird durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten CO2-neutral gestellt (Symbolbild).

Bild: © lassedesignen/AdobeStock

Die Erderhitzung hat die Natur nach dem neuen Bericht des Weltklimarats (IPCC) bereits gefährlich verändert, und Milliarden Menschen leiden immer stärker darunter. 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen seien durch ihre Lebensumstände bereits besonders stark vom Klimawandel gefährdet, berichtete die IPCC-Arbeitsgruppe am Montag zu den Folgen des Klimawandels. Hier lesen Sie mehr zum Bericht.
 

"Die Auswirkungen, die wir heute sehen, treten viel schneller auf und sind zerstörerischer und weitreichender als vor 20 Jahren erwartet", so der Weltklimarat. Mehr Menschen, die in ihrer Heimat kein Auskommen mehr haben, würden zur Migration gezwungen. Die Regierungen täten noch lange nicht genug, um die schlimmsten Gefahren abzuwenden. "Wir haben ein schrumpfendes Zeitfenster", warnte der Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe, der deutsche Meeresbiologe Hans-Otto Pörtner. Er gibt der Bundesregierung für die Klimapolitik teils schlechte Noten: "Für die Ambitionen kriegt sie eine Drei und für die Umsetzung eine Vier minus bisher", sagte er der dpa. "Die Wissenschaft sagt das Richtige, aber die Politik hat Schwierigkeiten, das Richtige zu tun, und schnell genug zu tun", so Pörtner.

Gesunde Ökosysteme und eine reiche Artenvielfalt sind die Grundlage

Noch nähmen Ökosysteme mehr Treibhausgase auf als sie selbst verursachten, heißt es in den IPCC-Dokumenten. Das ändere sich aber, wenn Urwald abgeholzt oder Torfmoorgebiete trockengelegt werden oder der arktische Permafrost schmilzt. "Dieser und andere Trends können noch umgekehrt werden, wenn Ökosysteme instandgesetzt, wieder aufgebaut und gestärkt und nachhaltig bewirtschaftet werden", schreiben die Wissenschaftler. "Gesunde Ökosysteme und eine reiche Artenvielfalt sind die Grundlage für das Überleben der Menschheit."

Altbekannte Lösungen endlich durchsetzen

"Wir sind in einer Notsituation und auf dem Weg in eine Katastrophe", warnte Inger Andersen, Exekutivdirektorin des UN-Umweltprogramms UNEP. «Die Menschheit hat die Natur jahrhundertelang wie ihren schlimmsten Feind behandelt. Tatsächlich kann die Natur unser Retter sein, aber wir müssen sie zuerst retten.» Der Klimarat verlangt fundamentale gesellschaftliche Veränderungen. Die Energie müsse sauber, die Wegwerfmentalität beseitigt werden. Städte und Landwirtschaft müssten nachhaltig und die Mobilität verändert werden: mehr Rad- statt Autofahren, mehr Zugfahren statt Fliegen.

VKU: "Es braucht mehr Grün- und Blau ins Grau"

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) äußert sich auf ZfK-Nachfrage wie folgt zum IPCC-Klimabericht: „Klimaschutz und Klimaanpassung müssen endlich zusammengedacht und gemeinsam angegangen werden." Es brauche mehr Grün- und Blau ins Grau, sprich mehr innerstädtische Grün- und Wasserflächen, die Wetterextreme wie Starkregen und Hitze abmildern. Grün- und Wasserflächen können Regenwasser gezielt aufnehmen und (zwischen-)speichern, was sowohl bei Starkregen und bei Trockenheit helfe.
 
Ferner heißt es von dem Verband: "Die aktuellen Klimaanpassungsprogramme von Bund und Ländern sind ein richtiger Schritt, reichen aber langfristig für die Finanzierung der anstehenden Herausforderungen nicht aus. Wie im Koalitionsvertrag angekündigt, sollten Bund und Länder umgehend ein Sonderprogramm Klimavorsorge aufbauen, um Kommunen und kommunale Unternehmen bei der Umsetzung der Vorsorgemaßnahmen besser finanziell zu unterstützen." Die Ausgestaltung des Programms sollte am besten über die Schaffung einer Gemeinschaftsaufgabe Klimavorsorge mit einem eigenen Haushaltstitel erfolgen."

Unabhängigkeit von Rohstoffimporten

Bundesumweltministerin Steffi Lemke hat anlässlich des Berichtes ein entschlossenes Handeln im Kampf gegen die Erderwärmung angekündigt. Dazu gehöre auch eine konsequente Anpassung an Folgen des Klimawandels wie Starkregen, Hitzewellen und andere Extremwetterereignisse, erklärte die Ministerin am Montag. Eine vorsorgende Anpassungsstrategie werde klare Ziele vorgeben, kündigte Lemke an. Mit einem Sofortprogramm Klimaanpassung, das in der nächsten Zeit verabschiedet werden soll, will die Bundesregierung ihre Anstrengungen deutlich hochfahren.

Lemke betonte auch, dass Deutschland sich unabhängiger von Rohstoffimporten aus dem Ausland machen müsse. Davon hänge auch der Erfolg von Anpassungsmaßnahmen ab. "Die Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffimporten und Klimaschutz sind dringendere Aufgaben denn je. Nur wenn wir beides ernsthaft voranbringen, können wir auch die notwendige Anpassung an die Klimakrise bewältigen."

"Flammender Appell an die Bundesregierung"

Dazu sagt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe: "Der IPCC-Bericht ist nichts weniger als ein flammender Appell auch an die Bundesregierung, endlich sofort wirksame Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausemissionen zu ergreifen und die Klimaschutzziele so zu verschärfen, dass Deutschland damit das 1,5-Grad-Limit von Paris einhält." (dpa/gun)

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