In den Morgenstunden endet in vielen Netzgebieten die Niedrigtarifphase für Modul-3-Nutzer.

In den Morgenstunden endet in vielen Netzgebieten die Niedrigtarifphase für Modul-3-Nutzer.

Bild: © Christian Schwier/Adobestock

Wer im Netzgebiet der Hamburger Energienetze einen Heimspeicher oder eine Wallbox hat und sich für Modul 3 – also zeitvariable Netzentgelte – entscheidet, kann im nächsten Jahr stark profitieren. Zwischen 0.30 Uhr und 7 Uhr morgens, wenn die meisten schlafen und der Stromverbrauch niedrig ist, berechnet der kommunale Netzbetreiber einen Netto-Arbeitspreis von vier Cent pro Kilowattstunde (kWh), während klassische Haushalte fast elf Cent zahlen müssen. Der Rabatt gilt für das ganze Jahr.

Vergleichsweise teuer wird es für Modul-3-Nutzer dann, wenn sie zwischen 17.15 und 21 Uhr Netzstrom verbrauchen. Dann werden fast 15 Cent pro kWh fällig. Denn wenn die Sonne im Sommer untergeht und Solaranlagen nicht mehr ins Netz speisen, wenn gleichzeitig der Verbrauch steigt, sollen Modul-3-Nutzer lieber Strom nehmen, den sie zu Hause oder im Elektroauto gespeichert haben.

10 von 20 Netzbetreibern bieten für alle Quartale drei Tarife an

Seit April 2025 müssen Deutschlands Verteilnetzbetreiber zeitvariable Netzentgelte anbieten. Das bedeutet: Sie müssen Viertelstunden mit Hoch-, Normal- und Niedrigtarifen bepreisen. Sie können den Zeitplan von Quartal zu Quartal unterschiedlich gestalten. Eine weitere Ausdifferenzierung ist nicht vorgesehen.

Die ZFK hat zeitvariable Netzentgelte von 20 großen Netzbetreibern bundesweit ausgewertet. Die Hälfte der Netzbetreiber bietet für alle vier Quartale alle drei Tarifstufen an.

Neun Netzbetreiber, darunter fast alle großen Flächennetzbetreiber aus dem windreichen Norddeutschland, bieten nur für das erste und vierte Quartal drei Tarifstufen an. Für die übrigen Quartale gilt durchgängig der Normaltarif.

Bei Bayernwerk Netz, dem größten Flächennetzbetreiber in Bayern, ist es andersherum. Dort wird in den Quartalen zwei und drei zwischen drei Tarifen differenziert. Ansonsten gilt der Normaltarif.

Bayernwerk Netz: Mittagsstrom fast zum Nulltarif

Bayernwerk Netz ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wohin Netzbetreiber flexible Verbraucher lenken wollen. Im Sommer fällt für Modul-3-Nutzer zwischen 10 und 15 Uhr fast gar kein Arbeitspreis an (0,55 Cent pro kWh). Zwischen 18 und 21 Uhr wird es dagegen vergleichsweise teuer (8,74 Cent pro kWh). Der Normaltarif, der für die restlichen Tageszeiten gilt, liegt bei Bayernwerk Netz bei rund fünfeinhalb Cent pro kWh.

Überraschend ist die Bepreisung bei Bayernwerk Netz eher nicht. Gerade im Sommer wird viel Solarstrom in süddeutsche Flächennetze eingespeist. Zeitvariable Netzentgelte sollen dazu beitragen, dass dieser Strom verstärkt in Batteriespeicher fließt. Auch der bayerisch-schwäbische Netzbetreiber LEW Verteilnetz, der Nürnberger Netzbetreiber N-Ergie und der baden-württembergische Netzbetreiber Netze BW gewähren deshalb rund um die Mittagsstunden üppige Rabatte.

Typischerweise erheben Netzbetreiber Niedrigtarife in der Nacht und am frühen Morgen. Der Hochtarif fällt häufig auf den späten Nachmittag und in den frühen Abend.

Lesen Sie auch: Zeitvariable Netzentgelte: BNetzA droht zwei weiteren Netzbetreibern mit Zwangsgeld

SWM Infrastruktur: Hochtarifphase von 6.30 bis 21 Uhr

Etwas aus der Reihe fällt der Münchner Netzbetreiber SWM Infrastruktur. Die Hochtarifphase erstreckt sich hier von 6.30 bis 21 Uhr. Von niedrigen Arbeitspreisen profitieren Verbraucher hier zwischen 23 und 6.30 Uhr. Der Preisunterschied zwischen Hoch- und Normaltarif beträgt in München zudem nur gut einen Cent pro kWh. Der Durchschnitt aller untersuchten Verteilnetzbetreiber ist bei drei Cent pro kWh.

Kurz fallen die Hoch- und Niedrigtarifphasen bei Netz Leipzig aus. Einen Netzentgeltrabatt erhalten Netznutzer lediglich zwischen 2.45 und 3.45 Uhr morgens. Der Hochtarif gilt nur abends zwischen 17.30 und 19.30 Uhr. Netz Leipzig zählt zu den Netzbetreibern, die die drei Tarifstufen nur im ersten und vierten Quartal anbieten. Die Spreizung zwischen Normal- und Hochtarif fällt in Leipzig mit 0,59 Cent pro kWh unter allen untersuchten Netzgebieten auch am geringsten aus.

Der geringste Preisunterschied zwischen Niedrig- und Normaltarif ist im Netzgebiet der Kölner Rheinnetz zu finden. Die Spreizung beträgt aber auch hier fast drei Cent pro kWh. Zudem ist nur der Normaltarif der EWE Netz noch niedriger als der der Rheinnetz.

Hinweis: Bei allen Centbeträgen pro Kilowattstunde handelt es sich um Arbeitspreise ohne Mehrwertsteuer.

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