Für die Wissenschaft ist das Verbrennen von Kohle der Klimakiller Nummer eins. Um die Klimaziele von Paris erreichen zu können, dürften ab sofort keine neuen Kohlekraftwerke ans Netz gehen, ermittelte Anfang Juli ein Team der University of California um den Forscher Steven J. Davis. Angesichts des verbleibenden CO2-Budgets der Menschheit von 420 Gigatonnen gebe es keinen Platz für zusätzliche fossile Infrastruktur. Vielmehr müssten bereits bestehende Kraftwerke schneller stillgelegt werden als bisher. Andernfalls werde sich die Erde weit über die angestrebten Marken von 1,5 oder 2,0 Grad Celsius hinaus erwärmen.
Kohle wird weltweit noch auf Jahrzehnte ein bedeutender Energieträger bleiben und das unabhängig davon, dass Deutschland 2038 aus der Kohleverstromung aussteigt. Die Fakten zeigen: Im vergangenen Jahr wurde laut BP-Energiestatistik weltweit Kohle verbrannt, die 3,77 Mrd. Tonnen Öl (tOE) entspricht. Der globale Verbrauch von Kohle stieg im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent und damit doppelt so schnell wie im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Noch schneller als der Verbrauch stieg die Produktion von Kohle, um 4,3 Prozent.
Größte Produzenten und Abnehmer liegen in Asien
Der mit Abstand größte Produzent und auch Konsument von Kohle ist China, wo mehr als die Hälfte aller Kohle verbraucht wird, gefolgt von Indien mit zwölf Prozent des Weltverbrauchs. Kohle ist der bevorzugte Brennstoff der aufstrebenden Länder Asiens. Drei Viertel der gesamten Kohle weltweit wird im asiatisch-pazifischen Raum verbrannt. Der Anteil Deutschland am Weltmarkt liegt mit 66,4 Mio. tOE bei rund 1,8 Prozent.
Beide Länder investieren kräftig in erneuerbare Energien und steigerten ihre Stromproduktion aus diesem Bereich um mehr als 25 Prozent. Um den wachsenden Strombedarf ihrer Wirtschaft und Bevölkerung zu decken, benötigen Indien und China auch mehr Kohle.
Energieverbrauch wird sich erhöhen
Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA), des Welt-Energierates (WEC) und der Energiekonzerne BP und Exxon Mobil kommen zu den Ergebnissen, dass sich der Energieverbrauch auf der Welt bis zum Jahr 2040 stark erhöhen wird, ungefähr um ein Drittel.
Die erneuerbaren Energien gewinnen kräftig Marktanteile, können aber nur einen Teil des Zuwachses abdecken. Die fossilen Energieträger, die gegenwärtig 85 Prozent der Weltenergie liefern, bleiben auf Jahrzehnte das Fundament der globalen Energieversorgung, mit einem Anteil von etwa drei Viertel im Jahr 2040.
Verbrauch der Kohle wird sich kaum verändern
Der Verbrauch der Kohle wird sich demnach weltweit in den nächsten 20 Jahren kaum verändern. Der Anteil der Kohle sinkt zwar nach den Vorhersagen von heute 27 auf 20 Prozent, aber das ist in absoluten Zahlen ungefähr das gleich wie heute. Der Verbrauch bleibt nach der BP-Prognose oberhalb von 3,5 Mrd. tOE. Andere Vorhersagen sehen ein geringe Plus oder Minus.
Der große Treiber der kommenden 20 Jahre wird Indien sein, das seinen Kohleverbrauch nach den Schätzungen mehr als verdoppelt. Der staatliche Konzern Coal India ist der größte weltweit. Das Unternehmen fördert 600 Mio. Tonnen Kohle im Jahr und betreibt mehr als 200 Kohleminen. China tritt beim Ausbau etwas auf die Bremse, investiert aber in rund 300 neue Kohlekraftwerke in anderen Ländern entlang der neuen Seidenstraße. Diese Kraftwerke werden 40 Jahre lang laufen und die CO2-Bilanz belasten. (dpa/bh)
