Das lange Warten auf die Förderbescheide hat ein Ende: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat gemeinsam mit mehreren Wirtschaftsministern der Länder die Förderbescheide für 22 Wasserstoffprojekte übergeben. Ein weiteres Vorhaben kann mit einem vorzeitigen Maßnahmenbeginn starten.
Die 23 Projekte gehören zur dritten sogenannten Hy2Infra-Welle des IPCEI Wasserstoff (Important Projects of Common European Interest), die am 15. Februar 2024 durch die EU-Kommission beihilferechtlich genehmigt wurde. Der Bund und die jeweiligen Bundesländer stellen für die Projekte insgesamt 4,6 Milliarden Euro bereit, davon kommen 30 Prozent vom jeweiligen Land.
Fast 8 Mrd. Euro Investitionen
Der Großteil der Fördermittel kommt aus dem Klima- und Transformationsfonds, erläuterte Habeck auf Nachfrage. Ein Teil werde aus dem Deutschen Aufbau- und Resilienzplan (DARP) unterstützt, der aus Mitteln der Aufbau- und Resilienzfazilität der Europäischen Union NextGenerationEU finanziert wird. Die Unternehmen selbst investieren zusätzlich 3,3 Milliarden Euro. Inklusive der Förderung durch Bund und Länder beträgt das Gesamtinvestitionsvolumen bis 2030 somit etwa 7,9 Milliarden Euro.
Habeck sprach auch angesichts dieser Summen von einem „bedeutenden Tag, um die Wasserstoffwirtschaft weiter voranzubringen“. Wasserstoff, allen voran die Infrastruktur, sei wichtig, um die Industrie und den Energiesektor zu dekarbonisieren und die Klimaziele zu erreichen.
Keine Dauerlösung
Die IPCEI-Programme seien in der Förderung „voluminös“, sagte Habeck auf Nachfrage. Es sei klar, dass eine solche Art der Förderung keine Dauerlösung sein könne. „Aber wir müssen beim Wasserstoff das Henne-Ei-Problem lösen“, erläuterte der Minister. Das rechtfertige die hohe Fördersumme.
Die geförderten Projekte umfassen die gesamte Wertschöpfungskette des Wasserstoffs: die Produktion von grünem Wasserstoff durch Elektrolyseure mit bis zu 1,4 GW Wasserstofferzeugungskapazität, aber auch innovative Speicherlösungen für Wasserstoff, für eine effiziente und sichere Lagerung von bis zu 370 GWh. Aufgebaut werden soll auch eine leitungsgebundene Infrastruktur von bis zu 2000 km Länge, um den Transport und die Verfügbarkeit von Wasserstoff zu gewährleisten. Gefördert wird zudem die Nutzung von flüssigen organischen Wasserstoffträgern (sogenannte „LOHC“: liquid organic hydrogen carriers) für den Transport von etwa 1800 Tonnen Wasserstoff pro Jahr.
Hamburg profitiert doppelt
Die Hansestadt Hamburg darf sich gleich doppelt freuen. Die Hamburger Energiewerke (HEnW) und ihr Projektpartner Luxcara erhalten Fördermittel für das Projekt Hamburg Green Hydrogen Hub (HGHH). Gemeinsam errichten sie auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Moorburg einen 100-MW-Elektrolyseur für grünen Wasserstoff. Der städtische Netzbetreiber Gasnetz Hamburg erhält Mittel für den Bau der ersten 40 Kilometer des Wasserstoff-Verteilnetzwerks HH-WIN. Für beide Projekte gewähren der Bund und die Freie und Hansestadt Hamburg eine Förderung von insgesamt über 250 Millionen Euro.
Gasnetz Hamburg kann nun ab Sommer mit den Bauarbeiten für die zentrale Infrastruktur der Hamburger Wasserstoffwirtschaft beginnen. Die IPCEI-Förderung sieht für das Netz einen Realisierungszeitraum bis 2027 vor. Das HGHH-Konsortium kann ebenfalls die nächsten Schritte gehen und Großkomponenten für den 100-MW-Elektrolyseur noch in diesem Jahr beauftragen, um bereits 2025 mit dem Bau zu beginnen.
Wartezeit genutzt
Christian Heine betonte dann auch im Gespräch mit ZfK-Redakteur Andreas Baumer, wie großartig es sei, den Förderbescheid endlich in den Händen zu halten. Es habe zwar lange gedauert, man habe die Wartezeit aber sinnvoll genutzt. Der Aufsichtsrat habe die Investitionsentscheidungen bereits unter dem Vorbehalt des Förderbescheids freigegeben. „Jetzt können wir loslegen.“
Die Umrüstung des Standorts Moorburg sieht Heine im Plan. „Wir gehen immer noch davon aus, dass wir 2026 mit dem Probebetrieb beginnen können.“ Der kommerzielle Betrieb soll dann 2027 starten. „Wir sind schon jetzt dabei zu schauen, wie wir weitere Skalierungsoptionen am Kraftwerksstandort realisieren können.“ Statt 100 MW seien bis zu 800 MW denkbar.
EWE mit mehreren Vorhaben
Für EWE war der Vorstandsvorsitzende Stefan Dohler in Berlin vor Ort. Er nahm für die vier EWE-Vorhaben im Rahmen des großtechnischen Wasserstoff-Projektes „Clean Hydrogen Coastline“ die Förderbescheide entgegen. Ähnlich wie im Fall von Hamburg hatten die EWE-Gremien die finale Investitionsentscheidung unter Vorbehalt der Förderbescheide bereits vor kurzem getroffen. Auf Nachfrage sagte Dohler im Gespräch mit ZfK-Redakteur Andreas Baumer, dass EWE beim Wasserstoff einen langen Weg gegangen sei. Bereits 2018 habe man das Thema angepackt, 2021 habe man die Projektskizze eingereicht. „Dass es dann noch einmal drei Jahre gedauert hat, ist schade, aber wir stehen nun endlich an dem Punkt, dass wir loslegen können“, sagte Dohler. Dafür sei es auch „höchste Zeit“.
Geht es nach dem EWE-Chef müsste die EU beim Wasserstoff dringend nachsteuern, um für mehr Tempo zu sorgen. Projekte die noch ganz am Anfang stehen, würden unnötig belastet, indem Kriterien angelegt werden, die für „ausgereifte“ Projekte passend seien.
Ganze Wertschöpfungskette
Für das Clean-Hydrogen-Coastline-Projekt plant EWE nach aktuellem Stand mit Investitionen in Höhe von mehr als 800 Millionen Euro. EWE will in Emden eine 320-Megawatt-Elektrolyseanlage bauen. Zusätzlich entsteht in der Hansestadt Bremen eine 50-Megawatt-Elektrolyseanlage zur grünen Wasserstofferzeugung. Im dritten Teilprojekt bindet EWE die Wasserstoffinfrastruktur an seinen Kavernenspeicher in Huntorf an. Dafür wird einer von sieben großen, unterirdischen Hohlräumen, die derzeit für die Erdgasspeicherung genutzt werden, umgerüstet und obertägige Anlagen errichtet, um Wasserstoff zu speichern. Das vierte Teilprojekt hat das Ziel, die Gasinfrastruktur für Wasserstoff im Nordwesten zu optimieren. Durch den Bau und die Umstellung von mehreren Pipeline-Abschnitten stellt EWE den Anschluss an das zukünftige europaweite Wasserstofftransportnetz her.
Ende 2027 soll der erste Wasserstoff produziert werden. „Wir hätten das ein oder zwei Jahre früher machen können, wenn der Bescheid schneller gekommen wäre“, erläutert Dohler. (amo)



