EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen

Bild: © Philipp von Ditfurth/dpa

Die Ankündigung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, das Design des europäischen Strommarkts reformieren zu wollen, hat die Aktien großer Energieversorger weiter unter Druck gesetzt. So verloren Papiere des größten deutschen Stromproduzenten RWE zwischendurch drei Prozent, während Eon-Aktien um ein Prozent nachließen. Die Anteile des Solar- und Windparkbetreibers Encavis büßte weitere vier Prozent ein.

Auch am Strommarkt setzte sich der Abwärtstrend fort. Das deutsche Stromprodukt für die Grundlastlieferung im nächsten Jahr brach an der Energiebörse EEX im Vortagesvergleich um satte 100 Euro pro MWh ein und notierte am Nachmittag bei 610 Euro pro MWh. Am Freitag lag der Wert noch knapp unter 1000 Euro pro MWh.

Entspannung in Frankreich

Auch am französischen Strommarkt entspannte sich die Lage weiter. Dort wurde das vergleichbare Produkt für 715 Euro pro MWh gehandelt. Am Freitag waren die Preise auf mehr als 1200 Euro pro MWh geschossen.

Parallel dazu fielen die Gaspreise am niederländischen Handelsplatz TTF. Sie notierten am Dienstagaben bei 254 Euro pro MWh – ein Minus von sieben Prozent gegenüber dem Vortag.

Merit-Order-System

Von der Leyen hatte am Montag das sogenannte Merit-Order-System infrage gestellt. Dieses entscheidet bislang am Strommarkt über die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke.

Kraftwerke, die billig Strom produzieren können, werden zuerst herangezogen, um die Nachfrage zu decken. Das sind zum Beispiel Windkraftanlagen. Am Ende richtet sich der Preis aber nach dem zuletzt geschalteten und somit teuersten Kraftwerk, um die Nachfrage zu decken – derzeit sind dies die Gaskraftwerke.

System "nicht mehr zweckmäßig"

Das System sollte ursprünglich einen Anreiz für Investitionen in erneuerbare Energien schaffen. "Die in die höhe schießenden Strompreise zeigen gerade aus verschiedenen Gründen die Grenzen unseres jetzigen Strommarktdesigns auf", sagte von der Leyen bei einer internationalen Konferenz in Slowenien.

Das System sei für andere Umstände entwickelt worden und nicht mehr zweckmäßig. "Deshalb arbeiten wir jetzt an einer Notfallmaßnahme und an einer Strukturreform des Strommarktes", sagte von der Leyen.

Debatte über Strommarkt-Design

"Die Strommärkte dürften auf absehbare Zeit volatil bleiben", prognostizierte Chefstratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank am Dienstag. Hierzu trage auch die zunehmende politische Diskussion über die Energiemärkte bei. Zwar gebe es an den Energiebörsen auch Gewinnmitnahmen, die auf die Preise drückten, weil die Märkte in den vergangenen Tagen "heiß gelaufen" seien. Tendenziell halte der Aufwärtsdruck aber an.

Noch ist unklar, wie das neue Strommarktdesign aussehen soll. Länder wie Spanien fordern bereits einen europaweiten Preisdeckel für Erdgas, wodurch in der Folge auch Strompreise sinken würden. Exportländer wie die Niederlande und Norwegen, das kein EU-Mitglied ist, dürften jedoch Vorbehalte dagegen haben.

Söder und Schwesig für Energiepreisbremse

Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) konnte sich zuletzt für eine grundlegende Reform erwärmen, um die Entwicklung der Endkundenpreise für Strom vom steigenden Gaspreis zu entkoppeln.

Für eine Energiepreisbremse auf Endkundenebene warben am Dienstag Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Deckelung des Grundbedarfs

Schwesig schlägt eine Deckelung auf 80 Prozent des Grundbedarfs vor. Diese könnten vom Staat subventioniert werden. Es sei damit auch ein Sparanreiz gegeben, weil die anderen 20 Prozent zum Marktpreis gekauft werden müssten.

Die Debatte solle über einen möglichst breit aufgestellten Energiegipfel geführt werden, bei dem alle relevanten gesellschaftlichen Kräfte mitreden sollten, sagte die SPD-Politikerin.

LNG-Terminal in Lubmin

Die beste Möglichkeit, die Preise zu beeinflussen, sei jedoch, genügend Energie zur Verfügung zu stellen, betonte Schwesig jedoch. Gemeinsam mit Söder hatte sie zuvor den Fortschritt bei dem in Lubmin geplanten Flüssigerdgas-Terminal begutachtet.

Bayern wolle Personal zur Verfügung stellen, um die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, kündigte der bayerische Amtskollege an. Über das Terminal soll in einer ersten Ausbaustufe jährlich über Schiffe angeliefertes Flüssiggas in bis zu 4,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas umgewandelt und ins deutsche Fernleitungsnetz eingespeist werden können. (aba/dpa)

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