Spielerisch sollen Kunden und Mitarbeiter mit der White-Label-Lösung zu mehr Bewegung und Nachhaltigkeit verleitet werden.

Spielerisch sollen Kunden und Mitarbeiter mit der White-Label-Lösung zu mehr Bewegung und Nachhaltigkeit verleitet werden.

Bild: © Blacksquared

Gerade für Stadtwerke lohne sich die App "Changers CO2", sagte Blacksquared-Geschäftsführer Markus Schulz der ZfK. So können Stadtwerke zu einer CO2-Challenge aufrufen, in der die kommunale Verwaltung, die Unternehmen, deren Mitarbeiter, der städtische Einzelhandel und alle Bürger aufgefordert werden, Treibhausgase zu sparen. Die App lasse sich komplett an die vom Unternehmen vorgegebenen Inhalte samt Corporate Identity anpassen. Zudem haben Unternehmen keinen Einblick in das Nutzer-Konto ihrer Mitarbeiter und Kunden. Die Werte der an der Challenge teilnehmenden User gingen kumuliert an das Unternehmen. Der Server befinde sich in einem Hochsicherheits- und Hochleistungsrechenzentrum in München. "Die Daten sind dort nach dem deutschen Datenschutzgesetz sicher gespeichert, die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt per SSL", betont der Geschäftsführer.

Wie es funktioniert 

Die Teilnehmer verdienen sich Bonuspunkte: Für jeden zurückgelegten Kilometer zu Fuß und mit dem Rad fließt ein sogenannter "ReCoin" (Renewable Energy Coin) auf ihr Konto. So sei etwa ein Bonuspunkt für alle fünf Kilometer beim Benutzen des ÖPNV denkbar. Das gilt auch für die Bereiche Energiesparen und Nachhaltigkeit.

Etwa wenn beim Einkaufen auf eine Plastiktüte verzichtet wird oder zu Hause Energie reduziert wird. Die Stadtwerke können die Aktivitäten außerdem mit Texten, Bildern und Videos illustrieren: beispielsweise durch Einspar-Tipps vom Wechsel in den Ökostromtarif bis zur richtigen Wahl von stromsparenden Geräten.

Erfassung

Die Streckenmessung geschieht über verschiedene Systeme, darunter Apple Health und Google Fit mittels Schrittzähler und GPS-Daten. Auch Apps von Drittanbietern wie Garmin, Fitbit, Misfit und Polar sind möglich. Wer sämtliche Wegstrecken – auch die motorisiert zurückgelegten – erfassen möchte, kann eine von Changers dazu implementierte künstliche Intelligenz nutzen, die die Strecken bereits in Radfahren, ÖPNV, Auto, Zug und Flugzeug unterscheidet. Hier kommen verschiedene Sensoren, GPS, aber auch das Triangulations-Verfahren zur Bestimmung von Positionen zum Einsatz.

"100-prozentige Genauigkeit gibt es zwar nicht, aber wir liegen derzeit bei 95 bis 97 Prozent", erklärt Schulz. Wer es darauf anlege, könne natürlich auch betrügen. Allerdings lassen sich solche Auswirkungen durch Restriktionen reduzieren. Gutscheine zum Beispiel können je User in einer Zeiteinheit nur zu einer vorher definierten Menge erworben werden. Stromangaben werden dort, wo kein Smart Meter eingebaut sei, manuell mittels Eingabe oder durch ein Foto vom Zählerstand übermittelt.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Richtig spannend für die Kunden wird die App mit der Teilnahme an Team-Wettbewerben, die zum Beispiel unterteilt in Stadtteile oder Unternehmensabteilungen, aber auch frei wählbar, stattfinden. Eine Bestenliste zeige dann etwa die zu Fuß und mit dem Fahrrad zurückgelegten Kilometer an und ein weiteres Ranking die kumulierten CO2-Bilanzen der Teams und der Gesamt-Challenge.

"Die Optionen einer wirksamen Kundenbindung sind weit gestreut", sagt Schulz. Die gesammelten Bonuspunkte könnten in Produkte und Serviceleistungen der Stadtwerke eingetauscht werden. "Warum nicht in den Ökotarif wechseln und für 500 Radkilometer noch 200 kWh grünen Strom gutgeschrieben bekommen?", nennt der Blacksquared-Geschäftsführer ein Beispiel. Auch hätten inzwischen viele Kommunalversorger einen Energiespar-Shop, der den Eintausch noch einfacher machen würde: So könnten etwa LED-Lampen 30 Prozent günstiger oder die Wärmebild-Aufnahme gar umsonst in Verbindung mit den Bonuspunkten angeboten werden.

Kosten

Denkbar sei ebenso eine Kooperation mit dem lokalen Handwerk und Einzelhandel. Diese könnten die Bonuspunkte der Kunden für Rabatte akzeptieren und gegenüber den Stadtwerken Ver- und Entsorgeleistungen in Anrechnung bringen. Weitere Optionen, die sich anbieten, sind Gutscheine für Theater, Museen, Schwimmbäder oder Bio-Müllsäcke für Bürger.

Die Lizenzen werden in Stufen nach Teilnehmerzahl berechnet: Bei 1000 Teilnehmern sind es 879 Euro, also 0,87 Euro je User monatlich, ab 2500 Teilnehmern liegen die Kosten bei 0,69 Euro je User. Optional gebe es Pauschalen. Darin enthalten sind Inhalte, alle Anpassungen sowie das Hosting der Apps und der Website.

Referenzen

Die App kann bereits auf zahlreiche namhafte und völlig unterschiedliche Kunden verweisen, darunter die Deutsche Bahn, Innogy, RWE, Axel Springer oder H&M. Beim Einkaufsdiscounter Lidl haben sich nach eigenen Aussagen etwa ein Drittel der Mitarbeiter angemeldet. Allerdings habe man auch gelernt, dass man bei den Angeboten am Ball bleiben müsse, um die Kollegen stets von neuem in Bewegung zu bringen. Die Unternehmensberatung E&Y lobt die Möglichkeit, etwas Gutes für die Umwelt tun und gleichzeitig die Gesundheit zu fördern. Die App motiviere, weil die Mitarbeiter mit der Wahl umweltbewusster Verkehrsmittel Bäume pflanzen können. Aufmerksam auf die Lösung habe man über das Intranet gemacht. (sg)

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