Die Restrukturierung der wirtschaftlich angeschlagenen Beste Stadtwerke (Beste) trägt erste Früchte. Der Verbund von fünf kommunalen Unternehmen aus dem ostwestfälischen Landkreis Höxter hat im vergangenen Jahr einen Jahresüberschuss von 513000 Euro erwirtschaftet. In den Jahren 2014 bis 2016 hatte das Unternehmen Verluste in Höhe von insgesamt drei Mio. Euro geschrieben, vor allem im Netzbereich. Diese Negativentwicklung wurde erstmals im vergangenen Herbst öffentlich. Aufgrund des Verlustvortrages der Vorjahre war das Stammkapital aufgebraucht, der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag betrug Ende 2016 knapp zwei Mio. Euro.
Aufnahme weiterer Gesellschafter wird geprüft
Durch die geplanten Ergebnisse der Geschäftsjahre 2017 bis 2019 soll die handelsbilanzielle Überschuldung beseitigt und das Stammkapital wieder aufgebaut werden, hieß es im Geschäftsbericht für 2016. Einen ersten Schritt in die Richtung hat man mit dem positiven Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2017 getan. Um das Unternehmen weiter zu stabilisieren, wird sich die Beste außerdem zum 1. Januar kommenden Jahres von ihrem Netzgeschäft trennen und sich vollständig auf die Fortführung des erfolgreichen Vertriebsgeschäfts konzentrieren (die ZfK berichtete). Zusätzlich wird die Aufnahme regionaler Kooperationspartner als weitere Gesellschafter geprüft, wohl auch um die Eigenkapitalausstattung zu verbessern. Namen werden in der Pressemitteilung nicht genannt, Kandidaten könnten aber die in der Region tätigen Westfalen Weser Energie und Energie aus der Mitte (EAM) sein.
Die Beste sind noch bis zum Jahresende auf Basis eines Pachtmodells für den Betrieb der Strom- und Gasnetze der Stadtwerke Warburg, Borgentreich, Beverungen und Steinheim zuständig (die Stadtwerke Bad Driburg haben keine eigenen Netze). Diese Kommunalversorger hatten bisher ihre Netze an die Beste Stadtwerke verpachtet. Das Netzgeschäft soll künftig entweder von den Mutter-Stadtwerken oder von regionalen Kooperationspartnern betrieben werden, dies wird jede Gemeinde für sich entscheiden. Naheliegende externe Partner könnten auch hier die Westfalen Weser Energie und die EAM sein.
Mitarbeiter werden weiter beschäftigt
Die Neuausrichtung werde keinen Personalabbau nach sich ziehen, versichern die Beste Stadtwerke. Ziel sei es vielmehr, dass alle rund 120 festangestellten Mitarbeiter entweder bei der neu aufgestellten Beste, den Mutter-Stadtwerken oder bei Kooperationspartnern weiter beschäftigt werden. Auch für die rund 53000 Kunden werde sich nichts ändern.
Stefan Wagner-Schlee wird neuer Geschäftsführer
Die Neuaufstellung zieht auch eine deutliche Verkleinerung der Geschäftsführung nach sich. Statt von vier wird das Unternehmen künftig nur noch von einem Geschäftsführer geleitet. Anfang September wird Stefan Wagner-Schlee (49), zuvor unter anderem Vorstand der Stadtwerke Gera AG und Enovos Energie Deutschland, die Führung des Unternehmens übernehmen. Die Tätigkeit des Interim-Geschäftsführers und früheren Gasag-Chefs Stefan Grützmacher endet Anfang September, die der übrigen Geschäftsführer Rüdiger Hölscher, Leander Sasse und Udo Schelling spätestens Ende diesen Jahres.
"Die vergangenen 18 Monate waren eine bewegte Zeit für die Beste, ihre Mitarbeirterinnen und Mitarbeiter sowie die Gesellschafter eine bewegte Zeit", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende und Bürgermeister von Beverungen, Hubertus Grimm. Er sei froh, dass der wirtschaftliche Turnaround geglückt sei, ein tragfähiges Zukunftskonzept entwickelt wurde und man für die Neuaufstellung mit Stefan Wagner-Schlee einen anerkannten Kenner der Energiewirtschaft habe gewinnen können. "Ich bin sicher, dass diese Entscheidungen für unsere Kunden, die Region sowie die Mitarbeiter eine nachhaltige und erfolgreiche Zukunft bringen werden", so Grimm.
Fehlendes internes Kontrollsystem
Zu der wirtschaftlichen Schieflage des Unternehmens hatten unter anderem verschiedene Kostensteigerungen im Netzbereich beigetragen, die nicht durch die Erlösobergrenze gedeckt waren. Die Beste hatte zudem die meisten Mitarbeiter der Mutterstadtwerke übernommen. Diese wechselten dabei vom Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes in den Tarifvertrag der Versorger. Die Gehälter stiegen dadurch um vier bis acht Prozent. Hinzukamen laut dem Gechäftsbereicht 2016 das Fehlen einheitlicher Prozesse für die Verfolgung von Budgets und die Freigaben von Bestellungen sowie die Nichteinrichtung eines internen Kontrollsystems. (hoe)



