Die Klitschko-Affäre und die Folgen: Im Februar vergangenen Jahres entschied der EWE- Aufsichtsrat, den damaligen EWE-Chef Matthias Brückmann mit sofortiger Wirkung zu entlassen.

Die Klitschko-Affäre und die Folgen: Im Februar vergangenen Jahres entschied der EWE- Aufsichtsrat, den damaligen EWE-Chef Matthias Brückmann mit sofortiger Wirkung zu entlassen.

Bild: © Carmen Jaspersen/dpa

Der vor knapp drei Jahren fristlos entlassene damalige Chef des Oldenburger Regionalversorgers EWE, Matthias Brückmann, ist vor über einem halben Jahr erneut Top-Manager in der Energiewirtschaft geworden: Seit vergangenem Juni führt Brückmann alleine die Geschäfte von Wircon. Das bestätigte ein Sprecher des global agierenden Photovoltaik(PV)-Parkentwicklers aus Waghäusel bei Karlsruhe am Dienstag der ZfK.

Für den Heidelberger Brückmann, der in Mannheim gemeldet ist, ist es nicht nur eine Rückkehr in eine Spitzenposition, sondern auch in die kurpfälzische Heimat. Doch Mitte Januar hat ihn die Staatsanwaltschaft Oldenburg unter anderem wegen der "Klitschko-Affäre" angeklagt.

Weg vom Wind, Fokus auf PV

Die Wircon-Gruppe gehört mehrheitlich der DH Assets des ehemaligen SAP-Gründers Dietmar Hopp (79), die 2014 das Deutschlandgeschäft der insolvent gegangenen Wirsol und die gleichnamige Marke übernommen hatte. Seit Weihnachten 2019 besitzt die Familie Hopp 100 Prozent, zitieren die "Badischen Neuesten Nachrichten (BNN)" Brückmann.

In einer strategischen Neuausrichtung hat sich Wircon aus der Windpark-Entwicklung zurückgezogen und die Parks Straubenhardt (Enzkreis, in Betrieb) und Lußhardt (Landkreis Karlsruhe, geplant) verkauft. Letzteres Projekt ging an die Altus AG, eine Karlsruher Tochter der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW). Die Gruppe konzentriert sich nun auf (große) PV-Freiflächenanlagen weltweit. Die Wirsol Aufdach GmbH mit ihrer Marke "Wirsol Roof Solutions" fokussiert sich auf Aufdachanlagen auf privaten wie gewerblichen Immobilien.

Verlegung nach Mannheim

Brückmann, der in diesem Monat 58 Jahre alt wird, ist seit Ende Januar als einziger Geschäftsführer der Wircon GmbH im Handelsregister eingetragen, dafür nicht mehr der Gründer der späteren Wirsol, Markus Wirth (42) – der jetzt geschäftsführender Gesellschafter der Wirsol Aufdach ist – und auch nicht mehr der frühere geschäftsführende Gesellschafter Peter Vest (57), ehemaliger Chef der EnBW-Tochter Yello.

Darüber hinaus wurde Brückmann in zahlreichen Firmen der Wircon-Gruppe Geschäftsführer: bei Wircon Projektholding Verwaltungs-GmbH, Wircon UK Solar Assets GmbH, Wircon Australia Holdings GmbH sowie bei den GmbHs Wircon Energie 1, 6, 7, 8, 10, 11, 12 und 16. Sie alle haben ihren juristischen Sitz von Waghäusel, wo die spätere Wirsol gegründet worden war und wo Wirth gemeldet ist, nach Mannheim verlegt; die Mitarbeiter der Wircon-Gruppe sollen folgen. Alle verbliebenen Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben, sagte Brückmann den "BNN". Die Wirsol Aufdach GmbH bleibt in Waghäusel.

Worum es in "Klitschko-Affäre" geht

Brückmann war im Februar 2017 nach vier Jahren als Vorstand der EWE, davon zwei als Vorsitzender fristlos entlassen worden. Ihm wurde vor allem die "Klitschko-Affäre" zur Last gelegt: eine angeblich nicht vom Aufsichtsrat genehmigte 235.000-Euro-Firmenspende vom Oktober 2016 an die Klitschko Foundation des ehemaligen Profi-Boxers Wladimir Klitschko für benachteiligte Kinder. Die ukrainische Stiftung hatte zwischenzeitlich eine Rückzahlung von 125.000 Euro veranlasst.

Unter anderem an diese Spende knüpft nun die Untreue-Anklage der Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen Brückmann und einen nicht näher benannten aktiven Vorstand der EWE. Ihnen wird darin zur Last gelegt, sie hätten die Spendenzahlung in dem Wissen angewiesen, dass dies vor allem gegen die Konzern-Richtlinie „Spenden“ verstoßen haben soll.

Vereinsfreunde und Opernball

Brückmann ist darüber hinaus wegen zweier weiterer Taten angeklagt, die die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität für Untreue hält: Zum einen soll er im Juni 2016 zwölf befreundete Mitglieder eines Vereins aus privatem Anlass zu einem dreitägigen Besuch mit Kost und Logis auf Kosten der EWE nach Oldenburg eingeladen haben. Der Schaden für die EWE soll knapp 12.000 Euro betragen.

Zum anderen soll er am 14. Januar 2017 mit privaten Gästen am Oldenburger Opernball teilgenommen haben. Er soll sich dadurch auf Kosten der EWE eigene Aufwendungen von gut 6000 Euro erspart haben. Nun muss die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Oldenburg darüber befinden, ob es einen Strafprozess gibt.

Brückmann wehrt sich vor einer Zivilkammer desselben Gerichts gegen seine Abberufung. Eine ZfK-Anfrage bei seinem Frankfurter Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz zum Stand der Dinge läuft seit Dienstag. (geo)

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