Wird im Juni BDEW-Präsidentin: Entega-Chefin Marie-Luise Wolff.

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Bild: © Entega

Studierenden ist das Gefühl abhanden gekommen, was sie in der Arbeitswelt erwartet. Das ist eine der zentralen Erkenntnisse des Karrierebarometers, für das das Unternehmen Jobteaser rund 3200 Studierende und Absolvent*innen befragt hat. Die Studienautor*innen machen hierfür vor allem den Wegfall zahlreicher Praktika und Werkstudierendenstellen verantwortlich. Insbesondere sehnen sie sich die "Young Talents" nach Orientierung und Sicherheit.

So hätten 86 Prozent keine wirkliche Vorstellung mehr von ihrer Zukunft vor Augen. Gleichzeitig sind die Befragten durchaus bereit, sich langfristig an einen Arbeitgeber zu binden. Ein Drittel der jungen Talente kann sich sogar vorstellen, ein Leben lang für nur einen Arbeitgeber zu arbeiten. Unternehmen seien in dieser Phase gefordert, dem Nachwuchs entsprechende Perspektiven zu bieten.

Die Befragten aus dem Karriere-Barometer sind mit Stellenbeschreibungen unzufrieden.Bild: © JobTeaser

Klare Vorstellung für berufliche Zukunft fehlt

Die große Konstante der Umfragen in den letzten beiden Jahren war demnach die Verunsicherung der jungen Talente. Für etwa ein Drittel (32 Prozent) finden Vorlesungen immer noch rein virtuell statt. So haben mittlerweile 86 Prozent der Studierenden und Absolvent*innen auch keine klare Vorstellung mehr von ihrer beruflichen Zukunft.

Im Vordergrund steht mittlerweile vor allem die konkrete Sorge um den beruflichen oder akademischen Werdegang. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) treibt dies um. Zu den am häufigsten genannten konkreten Bedenken zählen ein Mangel an Stellenangeboten (39 Prozent), die Finanzierung des eigenen Lebensunterhalts (37 Prozent), sowie die Angst, das aktuelle Studienjahr nicht beenden oder Prüfungen nicht bestehen zu können (27 Prozent).

Unbefristeter Vertrag ist wichtig

"Zum bereits vertrauten Wunsch dieser Generation, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben, hat sich im Laufe der Pandemie ein extrem großes Sicherheitsbedürfnis gesellt“, resümiert Felix Hansen, General Manager, Jobteaser. Die Plattform für Recruiting- und Karriereorientierung veröffentlicht die Studie seit Anfang 2020. Aktuell ist es der deutlichen Mehrheit (70 Prozent) demnach wichtig oder sehr wichtig, einen unbefristeten Vertrag angeboten zu bekommen.

Etwa ein Drittel der Befragten (32 Prozent) kann sich vorstellen unbegrenzt für nur einen Arbeitgeber tätig zu sein, ein weiteres Viertel kann sich das für einen Zeitraum von zehn Jahren vorstellen. Auch haben vermeintlich weiche Kriterien bei der Auswahl des Arbeitgebers eine geringere Bedeutung als die generellen Arbeitskonditionen (66 Prozent) oder das Gehalt (54 Prozent). Während das Kriterium Gehalt in seiner Bedeutung zugenommen habe, stehe die Work-Life Balance (47 Prozent) inzwischen dahinter zurück, bleibe aber durchaus sehr relevant.

Sinn darf nicht fehlen

Zudem haben die Talente offenbar sehr konkrete Erwartungen und Wünsche, was ihr berufliches Umfeld angeht. So möchten zwei Drittel (66 Prozent) in den nächsten zehn Jahren Führungsverantwortung übernehmen. Auch soll die eigene Arbeit sinnstiftend sein. So legt die überwiegende Mehrheit aller Befragten (83 Prozent) auch in Krisenzeiten Wert darauf, dass ihre Arbeit einen höheren Zweck verfolgt. Zudem ist es 92 Prozent wichtig oder sehr wichtig, dass sich ihr künftiger Arbeitgeber gegen Diskriminierung engagiert, 84 Prozent wünschen sich, dass dieser Wert auf Gleichberechtigung und Diversität legt.

72 Prozent wünschen sich zudem eine Tätigkeit, die mindestens teilweise im Homeoffice verrichtet werden kann. Nur noch 13 Prozent können sich vorstellen, ausschließlich oder überwiegend im Büro zu arbeiten.  71 Prozent führen hierfür den Zeitgewinn durch wegfallende Wege zum Arbeitsplatz an, 41 Prozent die Möglichkeit, parallel andere Dinge zu erledigen und 29 Prozent die Möglichkeit zum vertieften Arbeiten ("Deep Work").

Generation frühzeitig ansprechen

Diesen Wünschen und Vorstellungen eine passende Perspektive zu bieten, darin sieht Hansen, eine der wesentlichen Aufgaben für die Unternehmen: "Wer keinen Einblick mehr in die Praxis erhält, fragt sich natürlich, was ihn oder sie mit dem Eintritt in die Arbeitswelt überhaupt erwartet." Die gute Nachricht lautet seiner Meinung nach, dass sich der Nachwuchs tatsächlich kaum Sorgen machen muss, einen Einstiegsjob zu finden: Nach Auskunft der Absolvent*innen finden nur zwei Prozent aufgrund der Pandemie derzeit keine Stelle.

"Unternehmen und Verantwortliche haben mehr denn je die Gelegenheit, die eigenen Tore weit aufzumachen und zu zeigen, was für potenzielle Mitarbeiter*innen drin ist", so Felix Hansen. Wichtig sei, die junge Generation frühzeitig anzusprechen und abzuholen.

Authentisches und konkretes Bild vom Einstiegsjob

Dies soll am besten dort erfolgen, wo die Generation die Grundlage für ihre spätere berufliche Karriere legt: am Campus. Hier haben Unternehmen die Möglichkeit, sich frühzeitig mit Angeboten, Perspektiven und Werten ins Blickfeld der jungen Talente zu bringen.

Hier beginne das Employer Branding. Und hier gehe es – gerade in einer Zeit, in der vielen die klare Vorstellung von der Berufspraxis verlorengegangen sei – auch darum, ein authentisches und konkretes Bild von den Einstiegsjobs und Arbeitsumfeldern zu liefern. (jk)

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