Führungskräfte sollten sich auf selbstbewusstere Mitarbeiter einstellen, so die Forschungen von Authentic.

Führungskräfte sollten sich auf selbstbewusstere Mitarbeiter einstellen, so die Forschungen von Authentic.

Bild: © contrastwerkstatt/Adobestock

Wer als Arbeitgeber die Ansprüche der jungen Generation für überzogen hält, könnte sich in den kommenden Jahren die Augen reiben. Die Revolution vollzieht sich derzeit unter der Bezeichnung NextGenWork.

"Vier-Tage-Woche, Homeoffice und kollaboratives Arbeiten sind schon heute in aller Munde und in nicht wenigen Unternehmen Standard", weiß Gerald Wood. Er ist Mitgründer der Unternehmensberatung Authentic Consult, ehemaliger Gallup- und Metro-Manager. Derzeit forscht er zum Thema NextGenWork. "Da kommt etwas auf die Unternehmen zu", so seine Analyse. Flexibles Arbeiten, Remote-Work und Work-Life-Balance seien nur die Vorboten einer neuen Arbeitswelt und Arbeitskultur.

Autonome Entscheidung über Aufgaben

Nach der weitgehenden Umstellung auf digitale und KI-gestützte Kooperationstools werden die Beschäftigten in der Lage sein, im Rahmen sehr weit gesteckter Leitplanken autonom über ihre Tätigkeiten und Aufgaben zu entscheiden – für Wood ist das die nächste Stufe der Entwicklung.

"Die technischen Entwicklungen in Sachen KI und die individuellen Kompetenzen insbesondere junger Menschen werden so rasant zunehmen, dass die klassischen Wege der Beschaffung und Implementierung von Software in Unternehmen nicht mehr Schritt halten können", ist Wood überzeugt. In der Folge werden Mitarbeiter eigene KI-Tools mit zur Arbeit bringen und diese einsetzen. Hier ergeben sich neue Herausforderungen in Bezug auf IT-Sicherheit.

"Aber es wäre falsch, sich dagegen zu wehren", sagt Wood. Sonst drohen Kündigungen oder Demotivation – zum Schaden der Unternehmen.

Weniger Kontrolle, mehr Souveränität

Starre Vorgaben und Prozesse sowie bestimmte Automatismen werden laut Wood ins Wanken geraten: "Unternehmen werden lernen müssen, Ziele zu definieren und dann darauf zu vertrauen, dass die Mitarbeiter diese weitgehend selbständig erreichen", so der Experte.

Kontrolle, so Wood, werde im Detail ohnehin schwieriger werden, wenn die Menschen ihren Arbeitsort, ihre Arbeitszeiten und die Wahl der Arbeitsmittel selbst bestimmen. "Das Miteinander wird sich weitgehend in den digitalen Raum, vielleicht sogar ins Metaverse verlagern.

Die Souveränität des Einzelnen werde so zunehmen und die Art und Weise, wie jemand die vorgegebenen Ziele erreicht, werde ihm zunehmend selbst überlassen. Laut Wood werden gerade High-Performer von dieser neuen Art der Ergebniskultur profitieren. 

Ende des Hoheitsprinzips

Interessant ist dies vor allem auch für das Management: Diese neue Souveränität könnte zu mehr Mitsprache bei der Personal- und Einsatzplanung oder bei unternehmerischen Entscheidungen führen.

"Das Hoheits- und Vorgesetztenprinzip wird sich wandeln oder gar ganz verschwinden." KI, so Wood, werde Beschäftigte befähigen, tatsächlich und fundiert mitzubestimmen.

Die Mitarbeitenden erreichen ihre Ziele jedoch nur, wenn sie entsprechend ihrer Kompetenzen eingesetzt werden. Nach dem Prinzip "Bring your own job description" könnten Beschäftigte beispielsweise in Zukunft eine Tätigkeit wählen, die ihren Stärken entspricht. Das klassische Hierarchiedenken, Organigramme und abgegrenzte Aufgabenbereiche würden damit massiv in Frage gestellt.

Emotionale Bindung ist wichtiger denn je

Laut aktueller Gallup-Studie des Jahres 2023 sind nur vierzehn Prozent der Beschäftigten hoch emotional an ihren Job, ihr Team und ihren Arbeitgeber gebunden.

"Wenn Mitarbeiter hoch emotional gebunden sind, haben sie eine zehn bis zwanzig Prozent höhere Produktivität und fühlen sich bis zu 66 Prozent wohler in Job und Leben", erklärt Wood, der die Gallup-Studie im Jahr 2001 in Deutschland eingeführt hat. Für Unternehmen müsse dies ein Alarmsignal sein, die Unzufriedenheit nehme sonst zu.

Wood sieht in NextGenWork einen wichtigen Lösungsansatz: Nur, wenn Unternehmen offen sind für die Entfaltung ihrer Mitarbeiter, durch eigene IT-Tools, eigenverantwortliches Arbeiten bis hin zur eigenen Stellenbeschreibung, können sie im Kampf um die besten Köpfe bestehen. "NextGenWork wird kein Luxus hypermoderner Tech-Unternehmen sein, sondern Alltag in deutschen Unternehmen werden müssen. So tragisch dies mancher Chef finden wird", mahnt Wood. (bs)

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