Die Gesellschafterversammlung der Stadtwerke Saarbrücken, in der nur die Landeshauptstadt sitzt, hat den Vertrag des Sprechers der Geschäftsführung, Thomas Severin (59, links im Bild), überraschenderweise nicht verlängert. Er läuft damit Ende dieses Jahres aus. Dies berichtete die "Saarbrücker Zeitung" an Christi Himmelfahrt. Sie berief sich dabei auf ungenannte Personen mit angeblich tiefem Einblick in den Kommunalkonzern. Stadt und Stadtwerke lehnten am Montag gegenüber der ZfK eine Stellungnahme ab. Beide bestätigte lediglich das Auslaufen von Severins Vertrag Ende Dezember. Man kommentiere Interna darüber hinaus nicht.
Dagegen war der Vertrag von Severins kaufmännischem Kollegen Peter Edlinger (60, rechts im Bild) vorigen Dezember verlängert worden. Er ist auch Alleingeschäftsführer der Tochter Saarbahn. Die Lokalzeitung will über den Stil des kommunalen Alleingesellschafters wissen, dass man mit Severin nie über eine potenzielle Verlängerung gesprochen habe. Die Stadt bestreitet dies gegenüber der ZfK. Laut "Saarbrücker Zeitung habe man Severin auch keine Gründe genannt habe, die für oder gegen ihn sprechen, und ihm gegenüber auch keine anderen Personen ins Spiel gebracht.
Severin schaffte den Turn-around an der Saar
Dabei hat der promovierte Ingenieur Severin nicht weniger als die Sanierung des Stadtwerke-Konzerns hingebracht. Er übernahm die Verantwortung vor sieben Jahren, als die Unternehmensfamilie mit Verlusten in teilweise siebenstelliger Höhe ins zehnte Jahr ging. Zu Ende 2013 gelang ihm das strategisch-kaufmännische Husarenstück, das neue, defizitäre Gasturbinen-Heizkraftwerk Süd in Saarbrücken an den ansässigen Autozulieferer ZF zu verpachten. Bei der ZF machten die Stromkosten danach gewollt einen so großen Anteil an den Betriebskosten aus, dass sie die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zurückbekommt. Der Pachtvertrag wurde angeblich kürzlich bis 2025 verlängert.
Und die vier kleineren neueren Blockheizkraftwerke in der Landeshauptstadt wurden 2014 von Erdgas auf Biogas umgestellt und bekamen seither Geld aus der EEG-Umlage. Seit fünf Jahren schreibt der Kommunalkonzern in Folge schwarze Zahlen, teilweise ebenfalls in Millionenhöhe.
Außerdem ist Severin und Edlinger dieses Jahr gelungen, eine Ausschreibung des öffentlichen Nahverkehrs wunschgemäß nicht weiterverfolgen zu müssen, weil sich kein potenzieller Wettbewerber zur eigenen Saarbahn gemeldet hat, so der SR.
SPD-OB muss um Wiederwahl zittern
Die "Saarbrücker Zeitung" spekuliert darüber, dass das Auslaufen des Vertrags gar nicht so sehr mit Severin zu tun habe, sondern mit den Umwälzungen in der Saarbrücker Kommunalpolitik. OB Charlotte Britz (SPD), seit Herbst 2004 im Amt, erzielte vergangenen Sonntag bei der Wahl zum Rathauschef nur noch knapp 37 Prozent, nachdem sie 2011 noch mit fast 58 Prozent gesiegt hatte. Sie muss sich am Pfingstsonntag ihrem Herausforderer Uwe Conradt stellen. Der CDU-Kandidat war am Sonntag mit 29 Prozent auf Platz zwei gelandet. Frau Britz steht unter anderem den Aufsichtsräten der Kommunalholding VVS sowie der Saarbahn vor und ist Vizepräsidentin des Städtetages.
Bei den Stadtratswahlen erlitten SPD und Linkspartei, die seit knapp fünf Jahren zusammen mit den Grünen koalieren, Verluste, während sich die Grünen auf knapp 20 Prozent fast verdoppelten. Die CDU verlor zwar auch, nahm aber mit 26 Prozent der SPD die Position als größte Fraktion ab. Die Lokalzeitung fragt nun unter Berufung auf ungenannte "informierte Beobachter", ob "man" seit vorigem Dezember einen Versorgungsposten offen halten wollte. Die Stadt bestreitet gegenüber der ZfK, dass über die Chefposition bei den Stadtwerken erst nach der Kommunalwahl entschieden werden sollte und nicht wie üblich ein Jahr vor Auslaufen des Vertrags.
Reicht immer noch für Linkskoalition
Doch die ZfK-Analyse des vorläufigen Ergebnisses zum Kommunalparlament zeigt: SPD, Linke und Grüne haben 17, sechs und 13 Ratssitze. Macht zusammen 36. Das ist ein Sitz mehr als die bisherige Mehrheit an den insgesamt 63 Sitzen – sofern die Linkskoalition fortgesetzt werden soll. Theoretisch würde es auch für Schwarz-Rot reichen – aber das wäre bisher schon so gewesen, als Rot-Schwarz eben. Wo da das "größere Stühlerücken" im Rathaus bevorstehen soll, das die Lokalzeitung insinuiert, ist unklar, es wird auch nicht konkretisiert. (geo)



