Das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) verpflichtet zum Erwerb nationaler Emissionszertifikate (nEZ), um Deutschlands Kohlendioxid-Emissionen umfassend zu verringern. Zum Erwerb von nEZ verpflichtet ist allerdings nicht, wer emittiert, sondern wer den fossilen Brennstoff selbst in den Umlauf bringt.
Dieser Ansatz ist auch als "Upstream"-Ansatz bekannt. Grundsätzlich soll das nEHS das bereits bestehende europäische Emissionshandelssystem (EU ETS-1) auf nationaler Ebene ergänzen, nicht aber ersetzen – wer als Emittent bereits unter das ETS-1 fällt, kann den Brennstoff von der nEZ-Pflicht befreien lassen oder sich die finanzielle Doppelbelastung zurückerstatten lassen.
Zwischen 2021 und 2025 wurden nEZ zu festgelegten Preisen in unbegrenzter Menge verkauft – effektiv eine Kohlendioxid-Steuer. Seit 2026 gibt es jedoch zusätzlich eine Auktion ohne Festpreis mit einem Deckel bei 192 Millionen Tonnen. Es werden also jede Woche 10,67 Millionen nEZ zum Einheitspreis versteigert, wobei die Gebotshöhe zwischen 55 Euro je nEZ und 65 Euro je nEZ liegen muss.
Hierzu gibt es jedoch zwei Ausnahmen: Wenn der ermittelte Einheitspreis 65 Euro je nEZ erreicht ist und die zu diesem Preis abgegebene Gebotsmenge zwischen 10,67 Millionen und 21,34 Millionen nEZ liegt, kriegen alle Gebote größer oder gleich diesem Einheitspreis ihren entsprechenden Zuschlag – effektiv können wöchentlich also bis zu 21,34 Millionen nEZ versteigert werden.
Steigt die Gebotsmenge zum Einheitspreis über diese 21,34 Millionen nEZ hinaus, werden die entsprechenden Zuschläge pro rata, also anteilig, gekürzt, um bei den 21,34 Millionen zu bleiben.
Auktion statt Festpreis
Wird die Gesamtversteigerungsmenge von 192 Millionen nEZ in den Auktionen versteigert, gibt es noch eine zweite Verkaufsphase Ende des Jahres. Hier liegt der Festpreis diesmal bei 68 Euro/nEZ bei einer unbegrenzt verfügbaren Menge. Effektiv ist es also wieder eine Kohlendioxid-Steuer, nur etwas teurer und im kürzeren Erwerbszeitraum. Am 1. Juli haben die wöchentlichen Auktionen begonnen.
In jeder Auktion haben 98 Prozent der Bietenden ein Gebot zu 65 Euro je nEZ abgegeben.
Die Anzahl der Bietenden ist nahezu konstant, und in jeder Auktion haben 98 Prozent der Bietenden ein Gebot zu 65 Euro je nEZ abgegeben. Was sich hier also abzeichnet, ist ein Trend der stetig wachsenden Gebotsmenge pro Gebot, nicht einfach mehr Gebote. Für eine mögliche Erklärung dieser Dynamik müssen wir uns die Informationslage und Anreize der Bietenden vor Augen führen.
Warum fast alle bei 65 Euro bieten
Für eine Überschlagsrechnung nehmen wir einmal an, dass die über das nEHS bilanzierten Emissionen von 2026 denen von 2024 entsprechen, was plus/minus ein paar Prozent der Fall zu sein scheint. Alle Bietenden haben festgestellt: Um den Zuschlag zu bekommen, muss ich bei 65 Euro je nEZ bieten.
Aufgrund der entstehenden Pro-rata-Kürzung der individuellen Gebotsmenge erziele ich als individueller Bieter also eine möglichst große zugeteilte Menge, wenn meine individuelle Gebotsmenge einfach einen größeren relativen Anteil an allen erfolgreichen Geboten darstellt. Dieser individuelle Anreiz besteht jedoch bei allen Bietenden, was in Summe zu strategisch aufgeblähten Gesamtgebotsmengen führt.
Bietende können ebenfalls vernünftigerweise erwarten, überschüssige nEZ nach der Auktion wieder zu verkaufen: Die Auktionen decken nur 192 Millionen von etwa 300 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen ab, welche über das nEHS bilanziert werden müssen. Wenn ich bei der Auktion also zu viel erworben habe, findet sich nach den Auktionen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Abnehmer für meinen individuellen Überschuss.