Die Gaskrise prägt zunehmend auch die Endkundentarife.

Die Gaskrise prägt zunehmend auch die Endkundentarife.

Bild: © Shipons Creative/Adobestock

Die Iran-Krise hält an. Die Gaspreise erreichen inzwischen ein Niveau wie zuletzt während der Energiekrise im Dezember 2022. Seit Monatsbeginn hat der TTF-Frontmonat deutlich zugelegt. Am 16. September notierte der Gaspreis bei rund 81 Euro je Megawattstunde – etwa 22 Prozent mehr als Ende August. Auch der für die deutsche Preisbildung relevante THE-Monatskontrakt tendierte deutlich fester.

Commodity Erdgas treibt Strompreis

Die hohen Gaspreise schlagen auch auf die kurzfristigen Strompreise durch. Gas kommt bei der Stromerzeugung zum Einsatz, wenn die erneuerbaren Energien nicht ausreichend liefern können. Erst Anfang der Woche erreichte der Strompreis für eine Viertelstunde einen Rekordwert von 740 Euro je Megawattstunde. "Den Trend, dass die Viertelstunde ab 19:45 Uhr eine Preisspitze am Strommarkt zeigt, beobachten wir bereits seit dem Sommer", erläuterte Andreas Schwenzer, Energieexperte bei Advyce & Company, auf ZFK-Anfrage.

Die Situation sei vergleichbar mit der an anderen Tagen mit hohen Abendpreisen: geringe Winderzeugung, tageszeitbedingter Rückgang der Solarstromerzeugung und eine Verbrauchsspitze am Abend. "Es ist eine Kombination mehrerer Faktoren. Der hohe Gaspreis treibt jedoch die absolute Höhe der Strompreise", sagte Schwenzer.

Endkundentarife reagieren

Inzwischen schlagen sich die hohen Marktpreise auch wieder in den Endkundentarifen nieder. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Gastarife deutlich gestiegen. Mehrere Versorger hatten zu Beginn des Iran-Konflikts noch betont, die Endkundentarife zunächst nicht anheben zu müssen.

Das hat sich inzwischen geändert. Der Regionalversorger N-Ergie hat beispielsweise angekündigt, den Arbeitspreis im Tarif "Erdgas Smart" um 16 Prozent zu erhöhen. Eine Auswertung der Vergleichsportale Check24 und Verivox zeigt: Neukunden mussten im September 2026 für Gas im Durchschnitt rund 35 Prozent mehr bezahlen als ein Jahr zuvor. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden entspricht das Mehrkosten von etwa 620 Euro im ersten Vertragsjahr.

Preisniveau seit Monaten hoch

Bei den Endkundentarifen mahnt Schwenzer zu einer differenzierten Betrachtung. Laufzeitverträge mit Preisgarantie würden üblicherweise zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses beschafft. In diesen Tarifen spiegele sich das aktuelle Großhandelspreisniveau daher weitgehend wider. "Bei anderen Produkten, insbesondere in der Grundversorgung, werden wir zum Jahreswechsel deutliche Erhöhungen sehen", erwartet der Energieexperte. In der Regel erfolge die Beschaffung gestaffelt. Das Preisniveau sei jedoch bereits seit vielen Monaten grundsätzlich hoch.

"Nicht alle Risiken eingepreist"

Viele Blicke richten sich derzeit auf die weitere Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten. Mit sinkenden Temperaturen steigt der Gasbedarf. Aus Sicht des Experten sind noch nicht alle Risiken eingepreist.

"Bei September-Spotpreisen von rund 80 Euro je Megawattstunde und einem ähnlichen Preisniveau für das erste Quartal 2027 würden wir nicht davon ausgehen, dass bereits sämtliche Risiken eingepreist sind", sagte Schwenzer. Andererseits notiere der Kontrakt für das zweite Quartal 2027 derzeit gut 20 Euro unter dem Preis für das erste Quartal.

"Aus dem Verlauf der Preise lässt sich ableiten, dass der Markt mittelfristig von einer Beruhigung der Preissituation ausgeht." Das bedeute jedoch auch, dass der kommerzielle Anreiz zur Einlagerung von Gas weiter gering sei.

Angesichts der zahlreichen signifikanten Unsicherheiten empfiehlt Schwenzer den Marktteilnehmern, bei ihrer Beschaffungsstrategie die Mengen- und Temperaturrisiken eng im Blick zu behalten. Diese sollten entweder durch Flexibilitäten oder durch eine ausreichende finanzielle Risikovorsorge abgesichert werden.

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