Für den energieintensiven Mittelstand steht das Thema hohe Energiekosten oben auf der Liste der Sorgen im operativen Geschäft – vor Fachkräftemangel, steigenden Lohnkosten, Bürokratie und schwacher Konjunktur. Zu diesem Ergebnis kommt der Energiemonitor Mittelstand der Innofact AG im Auftrag des Energieversorgungsunternehmens Trawa. Etwa zwei Drittel der über 300 Entscheiderinnen und Entscheider aus energieintensiven Branchen setzen die Energiekosten auf Platz eins oder zwei der größten Sorgen.
Verschärft werde die Problematik durch die Angst vor einer Wiederholung des Krisenjahres 2022, gaben die Befragten an. Dabei erfolgte die Datenerhebung noch vor der jüngsten geopolitischen Zuspitzung im Iran, merkt Trawa an, – deren mögliche Folgen für die Energiemärkte seien in den Ergebnissen daher nicht abgebildet.
Laut Energiemonitor reagieren energieintensive Unternehmen mit einer Anpassung ihrer Beschaffungsstrategie: "Der Mittelstand möchte seine Energieversorgung aktiv gestalten und ein Stück Kontrolle über seine Energiekosten zurückgewinnen", teilt Trawa mit. Das Berliner Unternehmen ist eine Marke der Future Energy Services GmbH und unter anderem auf Beschaffung, Vertragsmanagement und Verbrauchsanalysen spezialisiert.
Haltungswechsel angesichts der Krisen
Auf den Druck durch künftige Krisen reagieren die Befragten demnach nicht mit Abwarten, sondern mit Eigeninitiative. "Der eigentliche Befund dieser Studie ist ein Haltungswechsel: Der Mittelstand wartet nicht länger auf staatliche Entlastung, sondern nimmt seine Energiekosten selbst in die Hand", resümiert David Budde, Gründer und Geschäftsführer von Trawa.
Konkret wollen 69 Prozent der befragten Mittelstandsunternehmen ihren Strom künftig dynamisch oder teildynamisch beschaffen und sich damit vom reinen Festpreis lösen. Zum Vergleich: Heute beziehen drei Viertel der befragten Unternehmen ihren Strom ausschließlich zum Festpreis. Dabei zahlen sie über die gesamte Vertragslaufzeit einen fest vereinbarten Arbeitspreis pro Kilowattstunde und sichern sich so gegen Preisschwankungen ab.
Bei dynamischen und teildynamischen Verträgen folgt der Preis dagegen dem Verlauf an der Strombörse. Seit dort mehr Volatilität herrscht, fällt der Börsenpreis bei hohem Wind- und Solarangebot immer öfter ins Negative. So entsteht ein Sparpotenzial, das sich mit flexibler Energiebeschaffung nutzen lässt.
Mittelstand schlecht beraten?
Wer keinen Wechsel plant, begründet das laut Energiemonitor vor allem mit zu hohen Risiken und mangelnder Planbarkeit. Diese Angaben machten 78 Prozent der Befragten, die derzeit keinen dynamischen Tarif wollen. Etwa 56 Prozent begründen die Ablehnung mit der vermeintlichen Komplexität dynamischer Modelle und 52 Prozent mit fehlendem Personal.
Doch den "vielleicht wichtigsten Befund" aus Sicht von Trawa liefert ein anderer Wert: 52 Prozent dieser Unternehmen geben an, von ihrem Energieversorger nicht aktiv auf eine dynamische oder teildynamische Alternative hingewiesen worden zu sein. Das Festhalten am Festpreis sei demnach weniger eine bewusste Entscheidung als eine Folge fehlender Impulse.
Als weitere Reaktion auf die volatilen Marktpreise rüsten energieintensive Mittelständler auch technisch auf. 70 Prozent der Unternehmen setzen bereits Batteriespeicher ein oder planen, diskutieren oder prüfen deren Einsatz. Denn Batteriespeicher erlauben Eigenverbrauchsoptimierung, Lastspitzenmanagement und Strommarkthandel. Bei Unternehmen, die noch zögern, liegt dies an den hohen Anschaffungskosten: 71 Prozent nennen sie als wichtigsten Hinderungsgrund.
Parallel wächst das Bewusstsein für die nötigen Werkzeuge: Unter den Unternehmen mit dynamischer Beschaffung halten 95 Prozent eine Energie-Management-Software für notwendig, um Beschaffung und Verbrauch intelligent zu steuern.
Keine Hoffnung auf staatliche Hilfe
Obwohl die befragten Unternehmen allesamt zu energieintensiven Branchen zählen, ist weniger als die Hälfte für den von der Politik in Aussicht gestellten Industriestrompreis berechtigt. 48 Prozent fallen nach eigenen Angaben durch das Raster, weitere 11 Prozent wissen nicht, ob sie profitieren könnten. Die politisch versprochene Entlastung von 3,8 Milliarden Euro erreicht den Mittelstand also kaum – ein Grund mehr, die eigene Energiebeschaffung aktiv zu gestalten, resümiert Trawa.
So wolle der Mittelstand den Spielraum nutzen, statt auf Subventionen zu warten. Die Ergebnisse des Energiemonitor Mittelstand zeigen: Die Mehrheit will ihre Energiekosten aktiv steuern, trifft dabei aber auf Komplexität, fehlende Beratung und eine staatliche Entlastung, die sie kaum erreicht.



