Franziska Giffey (l., SPD), Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, spricht im Heizkraftwerk Klingenberg während der Bilanz-Pressekonferenz der BEW neben BEW-Geschäftsführer Christian Feuerherd.

Franziska Giffey (l., SPD), Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, spricht im Heizkraftwerk Klingenberg während der Bilanz-Pressekonferenz der BEW neben BEW-Geschäftsführer Christian Feuerherd.

Bild: © Soeren Stache/dpa

Berlin hat seine Wärmpläne überarbeitet. Zwei Jahre nach der Rekommunalisierung legt die Berliner Energie und Wärme (BEW) ihre Vorhaben für die Dekarbonisierung der Fernwärme bis 2045 vor. Die Kernelemente: Wasserstoff kommt später und es wird zunächst weniger Biomasse eingesetzt, dafür gibt es mehr Power-to-Heat-Anlagen und Rechenzentrenabwärme. Das neue Programm wurde im Rahmen der Bilanzpressekonferenz vorgestellt.

Im alten Dekarbonisierungsfahrplan war die Nutzung von Wasserstoff noch ab dem Jahr 2035 angedacht. "Unsere Erwartungen von vor drei Jahren war, dass wir Wasserstoff verfügbar und auch zu vertretbaren Preisen sehen werden", sagt Christian Feuerherd, Vorsitzender der Geschäftsführung der BEW, "das sehen wir heute leider noch nicht." Nun wird Wasserstoff voraussichtlich ab 2040 eine Rolle spielen.

Eigentlich hätte die Aktualisierung der Pläne erst in zwei Jahren angestanden, aber wohl auch wegen der öffentlichen Kritik insbesondere für den Einsatz von Biomasse (geplant mit Altholz) entschied Berlin sich früher zu handeln. Statt mit 17 Prozent Biomasse im Jahr 2030 plant man nun mit sechs Prozent, langfristig hält man sich aber an den Plan, 15 Prozent der Wärme mit Biomasse zu erzeugen.

Der Kohleausstieg bis 2030 bleibt gesetzt; bis dahin wird die BEW auch die CO₂-Minderung um 80 Prozent gegenüber 1990 sowie eine Quote an erneuerbaren Energien von 40 Prozent erreichen, den Einsatz von Biomasse mit Blick auf den alten Dekarbonisierungsfahrplan weiter reduzieren und Power-to-Heat stärker in das System integrieren. Bis 2035 setzt das Unternehmen ergänzend auf einen diverseren und damit flexibleren Wärmemix mit mehr Elektrifizierung, lokalen Abwärmequellen sowie den Einsatz von Geothermie und Speichern; die EE-Quote soll dann auf 50 Prozent steigen.

"Tempo und Ausgestaltung weiterer Schritte hängen auch von Voraussetzungen ab, die heute noch nicht abschließend feststehen – etwa bei Infrastruktur, Regulierung, Genehmigungen und der Verfügbarkeit weiterer erneuerbarer Wärmequellen", so Feuerherd. "Darauf geben die Entwicklungspfade im Fahrplan eine realistische Antwort."

Für die Zeit ab 2035 beschreibt der Fahrplan drei mögliche Entwicklungspfade, die sich in der Gewichtung von lokalen Wärmequellen, Strom und grünem Wasserstoff unterscheiden. Je nachdem wie die Elektrifizierung voranschreitet, kann die Menge an benötigtem Wasserstoff gesenkt werden. Mit Biomasse soll in allen Szenarien 15 Prozent der Wärme erzeugt werden.

Aufsichtsratsvorsitzende lobt BEW

Aufsichtsratsvorsitzende und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) betonte bei der Bilanzpressekonferenz die Bedeutung der BEW, kein anderes landeseigenes Unternehmen leiste so viel für die Energiewende in Berlin: "Ohne klimaneutrale Wärmeversorgung gibt es kein klimaneutrales Berlin." Die Stadt stärkt im Rahmen ihres Klimapaktes das Eigenkapital der BEW mit 550 Millionen Euro bis 2030. Zudem lobte Giffey die BEW für ihr gutes wirtschaftliches Ergebnis: Der Jahresüberschuss betrug 80,2 Millionen Euro (Vorjahr: 15,8 Millionen Euro). Hinzu kommt eine hohe Eigenkapitalquote von 56,5 Prozent.

Die Senatorin hielt auch den Kritikern der Transformationspläne entgegen: "Dass es schneller gehen soll, ist leicht gesagt, jeder der die Standorte der BEW besichtigt, sieht welche Anstrengungen tagtäglich für die Energiewende gestemmt werden."

Ein Arbeiter geht im Heizkraftwerk Klingenberg zwischen den Rohren eine Treppe hinunter.Bild: © Soeren Stache/dpa

Umbau bei laufendem Betrieb

Wie groß die Herausforderung für die BEW sind, zeigt sich am Kraftwerksstandort Klingenberg. Seit hundert Jahren wird dort Energie für die Berlinerinnen und Berliner gewonnen. Seit 2017 wird keine Kohle mehr eingesetzt und auch die aktuelle Erdgas-KWK soll in Zukunft ausgedient haben. Daher wird hier während des aktuellen Betriebs alte Infrastruktur zurückgebaut und neue aufgebaut. Ursprünglich sollte hier eine neue Biomasseanlage entstehen, im neuen Fahrplan ist das nicht vorgesehen.

Die derzeit am Standort Klingenberg vorhandenen gasbetriebenen Dampferzeuger sowie die Dampfturbine werden im Zuge des Standortumbaus stillgelegt und teilweise durch neue effizientere Erdgas-HWEs mit circa 330 Megawattstunden thermischer Leistung (MWth) ersetzt. Diese sollen bereits für eine spätere Umstellung auf eine Wasserstoffnutzung vorbereitet sein. Darüber hinaus soll am Standort Klingenberg die unvermeidbare Abwärme aus einem potenziell angesiedelten Rechenzentrum nutzbar gemacht und so weitere 50 MWth eines lokalen Wärmepotenzials erschlossen werden. Flankiert werden diese Maßnahmen durch die Errichtung einer Power-to-Heat-Anlage mit 40 MWth.

Nach dem Fahrplan wird in Klingenberg zudem eine Festbrennstoff-KWK-Anlage mit einer Leistung von circa 110 MWth errichtet. Als Brennstoff wird nach aktueller Planung ein Ersatzbrennstoff zum Einsatz kommen. Für maximale Effizienz ist auch der Einsatz von Rauchgaswärmepumpen vorgesehen.

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