Über die Hälfte der Stadtwerke kooperiert bereits – doch ein durchgängiges Zielbild fehlt oft.

Über die Hälfte der Stadtwerke kooperiert bereits – doch ein durchgängiges Zielbild fehlt oft.

Bild: © AdobeStock/Lustre Art Group

Unter Stadtwerken stecken Kooperationen oft noch in den Kinderschuhen und sind wenig in die Unternehmensstrategie integriert. Dieses Bild über den Stand von unternehmensübergreifender Zusammenarbeit zeichnet das Whitepaper "Resilienz durch Kooperationen" von Kreutzer Consulting und Grubengold. Die Beraterinnen und Berater haben 65 Organisationen befragt.

Eine zentrale Erkenntnis daraus ist laut Geschäftsführer Klaus Kreutzer: "Kooperationen werden genutzt, die meisten kommen aber von der Pilotierung nicht zu einer geregelten Umsetzung." Während über die Hälfte der Stadtwerke bereits mit Kooperationspartnern zusammenarbeitet, fehle jedoch oft ein Zielbild, das Kooperationen als festen Bestandteil der Unternehmensstrategie verankert. Kooperationen entwickeln sich laut dem Whitepaper jedoch von einer rein optionalen Chance zu einem essenziellen strategischen Instrument, um die Handlungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der Versorger abzusichern.

Kooperationen weit verankert, aber ...

Die Umfrage zeigt laut dem Paper zugleich, dass Kooperationen in vielen Häusern bereits im Ansatz verankert sind. 52 Prozent der Befragten geben an, dass Kooperationen mit anderen Stadtwerken in ihrem Unternehmen bereits "etabliert" sind, das gilt auch für 43 Prozent bei den Kooperationen mit spezialisierten privaten Dienstleistern.

Gleichzeitig zeigt ein Blick auf den strategischen Entwicklungsstand, dass viele Unternehmen noch mitten im Lern- und Aufbauprozess sind. 42 Prozent ordnen ihr Unternehmen im Bereich "Pilotprojekte" und "selektive Erfahrungen" ein und sehr oft gibt es noch keine unternehmensweite Kooperationsstrategie. Das heißt: praktische Erfahrungen sind vorhanden, aber häufig fehlen noch ein durchgängiges Zielbild, eine Roadmap und eine einheitliche Steuerungslogik inklusive Kooperationsstrategie. Hier sehen die Berater noch ein riesiges Wachtumsfeld: "Kooperationen entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie aus einer klaren strategischen Haltung heraus entstehen, nicht aus Reaktion."

Besonders relevant ist laut dem Whitepaper der Blick nach vorn. Vier von zehn Befragten geben an, dass die Zusammenarbeit mit anderen Stadtwerken in den kommenden drei Jahren "wahrscheinlich umgesetzt" wird oder bereits geplant ist. Noch etwas ausgeprägter ist die Offenheit für die Zusammenarbeit mit spezialisierten externen Dienstleistern.

IT bleibt Schlüsselthema

Hauptherausforderungen, welche Stadtwerke mit Kooperationen angehen, sind laut dem Paper die Wärmewende, IT- und Digitalisierungsthemen sowie die oftmals fehlende Skalierung neuer Geschäftsmodelle. Die größten Potenziale für Partnerschaften werden von den befragten Organisationen in standardisierbaren, skalierbaren Feldern gesehen. Spitzenreiter sind demanch IT, Plattformen und Cybersecurity, gefolgt von Abrechnung und Shared Services sowie der Energiebeschaffung.

"Bei allen Themen stellen sich Fragen nach der passenden Strategie sowie fast immer der Finanzierung", sagt Kreutzer. "Große Bremser sind Regulatorik und Anforderungen der Politik." Die Hälfte der Befragten gab an, dass kommunale Vorgaben den Handlungsraum deutlich erschweren. Fast genauso viele nannten auch das Vergaberecht und steuerliche Fragen als Bremsklotz. Viele Entscheider haben auch Schwierigkeiten, Partner auf Augenhöhe zu finden; zudem bremsen Sorgen vor Kontrollverlust und interne Widerstände den Prozess.

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