Auch die Stadt Schweinfurt arbeitet intensiv an der kommunalen Wärmeplanung, sie soll spätestens Mitte 2028 abgeschlossen sein. Bei der Frage des Rückbaus der Gasnetze gibt sich Stadtwerke-Geschäftsführer Kästner zurückhaltend. Der Hintergrund ist, dass in der rund 55.000 Einwohner zählenden bayerischen Stadt wichtige Industriebetriebe ansässig sind, die aufgrund ihrer Produktionsprozesse noch auf absehbare Zeit auf gasförmige Energieträger angewiesen sein werden.
Schweinfurt will bis zum Jahr 2035 Klimaneutralität erreichen. Ist dieses Ziel realistisch?
Die Stadtwerke Schweinfurt setzen ein Klimaschutzprogramm mit einem Maßnahmenbündel um, das im Zeitraum 2021 bis 2030 zu einem gesicherten Rückgang der CO2-Emissionen von rund 50 Prozent führt.
Die Maßnahmen umfassen die Elektrifizierung des ÖPNV und des eigenen Fuhrparks, die Ausweitung der erneuerbaren Eigenerzeugung, die Umstellung aller Privatkunden auf Grünstrom sowie den Ausbau und die Nachverdichtung der Fernwärme.
Die schwierigen Schritte zur vollständigen Klimaneutralität liegen noch vor uns. Ob und wie ein konkretes Klimaneutralitätsziel 2035 erreicht wird, hängt wesentlich von der Finanzierungsfähigkeit, der Wettbewerbsfähigkeit unserer Gaskunden und den gesetzlichen Grundlagen ab, die derzeit in Berlin neu verhandelt werden. Diese Zielvorgabe wird sich zwangsläufig auch auf die Stadtwerke Schweinfurt auswirken.
Wie sieht ihre Planung für den Fernwärmeausbau aus?
Schweinfurt hat ein relatives kleines Stadtgebiet, das in vielen Teilen von älterem Geschosswohnungsbau geprägt ist. Die Fernwärme wird derzeit primär durch ein Gemeinschaftskraftwerk erzeugt, das sowohl den Bedarf der Industrie als auch der Stadtwerke abdeckt. Der Primärenergiefaktor des Versorgungsnetzes der Fernwärme in Schweinfurt liegt bereits heute bei sehr guten 0,22 – durch einen Umbau des Gemeinschaftskraftwerks wird dieser Faktor in Zukunft noch weiter verbessert.
Die Voraussetzungen für die Nutzung und den weiteren Ausbau der klimafreundlichen Fernwärmeversorgung in Schweinfurt sind daher gut. Die weitere Planung für den Fernwärmeausbau richtet sich konkret nach der kommunalen Wärmeplanung, die bis spätestens Mitte 2028 abgeschlossen sein wird.
Gasnetze werden dort erhalten und weiterentwickelt, wo sie sinnvoll in eine klimaneutrale Versorgung integriert werden können.
Schweinfurt verfügt noch über viel energieintensive Industrie. Was bedeutet das für ihre Planungen zu den Stilllegungen der Gasnetze?
Ein wesentlicher Bodenschatz in Deutschland ist das mit einem hohen Aufwand errichtete Gasnetz, welches in Summe länger als das deutsche Straßennetz ist und sowohl Industrie als auch über 20 Millionen Kunden sicher versorgt. Die energieintensive Industrie in Schweinfurt ist für bestimmte Prozesse weiterhin auf gasförmige Energieträger angewiesen.
Vor diesem Hintergrund planen wir keinen pauschalen Rückbau der Gasinfrastruktur. Unser Gashochdruckring ist für Wasserstoff vorbereitet, flankiert durch Projekte wie eine Wasserstofftankstelle und einen geplanten Großelektrolyseur. Gleichzeitig differenzieren wir klar: In der Industrie bleibt Gas, perspektivisch Wasserstoff, ein zentraler Energieträger. Im Bereich der Wärmeversorgung werden wir unsere Planungen konsequent an der kommunalen Wärmeplanung ausrichten. Gasnetze werden daher dort erhalten und weiterentwickelt, wo sie sinnvoll in eine klimaneutrale Versorgung integriert werden können.
Die Stadtwerke Schweinfurt investieren kräftig in den Breitbandausbau. Wie zukunftsträchtig und rentabel ist das Geschäftsfeld wirklich?
Die Welt wird zunehmend digitaler und Breitbandinfrastruktur ist das Rückgrat für die Digitalisierung. Nach dem geltenden Telekommunikationsgesetz besteht die Möglichkeit, dass Anbieter bereits bestehende Infrastruktur überbauen können. Wir sehen, dass der Überbau in "wirtschaftlich interessanten Gebieten“ erfolgt und andere Gebiete außen vor bleiben. Im Ergebnis sinkt durch einen Überbau der Ertrag aller Anbieter und die erforderlichen Investitionen in weniger interessante Gebiete erfolgen nicht.
Die Stadt Schweinfurt und die Stadtwerke sind überzeugt, dass Breitbandinfrastruktur – wie früher der Zubau von Wasser-, Strom- und Gasinfrastruktur – eine hohe Standortrelevanz hat. Durch die Stadtwerke erfolgt daher ein eigenwirtschaftlicher Glasfaserausbau (FTTH) des gesamten Stadtgebiets, der bis 2031 abgeschlossen ist.
Dieses Projekt ist nur durch eine möglichst hohe Auslastung der Glasfasernetze der Stadtwerke darstellbar, weshalb mit der Telekom eine langfristige Partnerschaft eingegangen wurde. Die erwarteten Renditen sind aufgrund der hohen Wettbewerbsintensität und der signifikanten Investitionskosten in diesem Geschäftsfeld kurz- bis mittelfristig überschaubar.
Konkret nutzen wir künstliche Intelligenz im operativen Betrieb, etwa im Bäderbereich mit dem System ›SharKI‹ zur Unterstützung von Steuerungs- und Überwachungsprozessen.
Sie haben gemeinsam mit vier Kommunen Gesellschaften für Erneuerbaren-Projekte gegründet. Wie sieht die Investitionsplanung konkret aus und wie kommen die Vorhaben voran?
Mit den gemeinsamen Gesellschaften können die Akzeptanz von Erneuerbaren-Projekten in der Region gesteigert und Synergien bei den Anschlüssen realisiert werden. Derzeit befinden wir uns selbst und über Partner in der Flächensicherung, eine Aufgabe, die man aufgrund der Vielzahl der Beteiligten und unterschiedlichen Interessen mit einem "Marathon" vergleichen kann. Windkraftprojekte in Vorranggebieten weisen eine hohe Dynamik auf. Mit einem weiteren Partner sind wir beim Bau eines Batteriespeichers auf der Zielgeraden, der Anfang des kommenden Jahres in den Regelbetrieb gehen soll.
Die Digitalisierung und der Einsatz von künstlicher Intelligenz gewinnen auch in der Energiewirtschaft zunehmend an Bedeutung. Welche Rolle spielen diese Themen bei den Stadtwerken Schweinfurt?
Die Digitalisierung ist eine zentrale Voraussetzung, um die Energie-, Wärme- und Verkehrswende effizient und wirtschaftlich umzusetzen. Wir setzen bereits gezielt digitale Lösungen in unseren Netzen, Prozessen und in der Kundeninteraktion ein.
Konkret nutzen wir künstliche Intelligenz im operativen Betrieb, etwa im Bäderbereich mit dem System ›SharKI‹ zur Unterstützung von Steuerungs- und Überwachungsprozessen. Wir setzen zudem auf automatisierte Dokumentenverarbeitung und digitalisieren auch die Zählerstanderfassung, um Prozesse effizienter zu gestalten, manuelle Aufwände zu reduzieren und die Datenqualität zu verbessern.
Ziel ist es, unsere Infrastruktur und Prozesse systematisch weiterzuentwickeln, Effizienzpotenziale zu heben und damit die Servicequalität für unsere Kundinnen und Kunden nachhaltig zu steigern.

