Milliarden-Deal für Deutschlands Stromnetz: RWE sichert sich Amprion-Mehrheit.

Milliarden-Deal für Deutschlands Stromnetz: RWE sichert sich Amprion-Mehrheit.

Bild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Der RWE-Konzern hat mit fünf Gesellschaftern des Konsortiums M31 eine Vereinbarung zum Erwerb mittelbarer Anteile an Amprion getroffen. Nach Abschluss der Transaktion steige die Beteiligung von RWE an dem Übertragungsnetzbetreiber auf insgesamt 55 Prozent, teilte der Essener Konzern mit.

Der Kaufpreis für die zusätzlichen 35 Prozent beläuft sich demnach auf 3,6 Milliarden Euro. Amprion betreibt ein rund 11000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz, das Strom für etwa 29 Millionen Menschen sowie zahlreiche Industriestandorte von der Nordsee bis zu den Alpen transportiert.

Für RWE bedeutet die Aufstockung einen strategischen Ausbau des Portfolios. Neben erneuerbaren Energien und flexibler Erzeugung werde das regulierte Netzgeschäft künftig ein weiterer Schwerpunkt der Investitionen.

6,5 Milliarden Euro Investitionen

Der Ausbau der Stromnetze ist eine zentrale Voraussetzung für die Energiewende. Immer mehr Wind- und Solarenergie muss über große Entfernungen transportiert werden. RWE will deshalb über die Beteiligung an Amprion bis 2031 insgesamt rund 6,5 Milliarden Euro in die deutsche Netzinfrastruktur investieren.

Davon waren bereits etwa 2,5 Milliarden Euro für den bisherigen Anteil eingeplant. Durch die zusätzliche Beteiligung kommen weitere Investitionen von rund 4 Milliarden Euro hinzu.

RWE-Chef Markus Krebber sieht darin zusätzliche Wachstumschancen: "Wir erweitern das RWE-Portfolio um Netzinfrastrukturgeschäft." Die Investitionen in Netze ergänzten die bisherigen Pläne für erneuerbare Energien, Speicher und flexible Kraftwerke.

Kapitalmaßnahme soll Finanzierung sichern

Zur Finanzierung des Erwerbs plant RWE eine Eigenkapitalmaßnahme. Vorgesehen ist die Ausgabe neuer Aktien sowie der Verkauf eigener Aktien im Umfang von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals. Das Unternehmen erwartet daraus einen Bruttoerlös von rund 4 Milliarden Euro.

Die Aktien sollen institutionellen Investoren im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens angeboten werden. Bereits angekündigt haben Beteiligungen die Qatar Investment Authority sowie Norges Bank Investment Management. Beide wollen zusammen Aktien im Wert von rund einer Milliarde Euro erwerben.

RWE erklärt, dass die Transaktionen das Ergebnis je Aktie bereits ab dem ersten Tag steigern sollen. Das Ziel für 2031 werde entsprechend angehoben: Statt 4,40 Euro je Aktie peilt der Konzern nun 4,55 Euro an.

Amprion bleibt unabhängiger Netzbetreiber

Trotz der Mehrheitsbeteiligung bleibe Amprion ein eigenständiger Übertragungsnetzbetreiber. Das Unternehmen werde weiterhin unter eigener Marke und mit seinem bestehenden Management arbeiten. Die gesetzlich vorgeschriebene Entflechtung im Netzgeschäft bleibe bestehen.

Amprion-Chef Christoph Müller bewertet die Transaktion als wichtigen Schritt für die kommenden Investitionen: Sie sei ein Zeichen des Vertrauens in die Strategie und Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Globale Investitionspläne bleiben bestehen

RWE hält trotz der zusätzlichen Milliardeninvestition am bestehenden Wachstumskurs fest. Das Unternehmen bestätigte sein weltweites Investitionsprogramm von 35 Milliarden Euro netto bis 2031 für erneuerbare Energien, Batteriespeicher und flexible Erzeugungskapazitäten.

Auch die geplante Dividendenerhöhung bleibt bestehen. Für das Geschäftsjahr 2026 hält RWE an einer Dividende von 1,32 Euro je Aktie fest und bekräftigt das Ziel, die Ausschüttung künftig jährlich um zehn Prozent zu steigern.

Der Abschluss der Transaktionen wird für das dritte Quartal 2026 erwartet. Voraussetzung seien die üblichen Bedingungen, darunter etwa die erforderlichen behördlichen Genehmigungen.

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