Juri Schwartz: "Flexible Netzanschlüsse verändern den Wert von Batteriespeichern."

Juri Schwartz: "Flexible Netzanschlüsse verändern den Wert von Batteriespeichern."

Bild: © Solar Promotion

Wir setzen die ZFK-Sommerserie 2026 zum Thema Direktvermarktung fort. In den kommenden Wochen folgen eine Reihe von Grafiken, Analysen und Interviews mit großen Direktvermarktern. Außerdem wird der ZFK-Überblick zur Direktvermarktung aktualisiert. Sie sind Direktvermarkter und wollen ebenfalls gelistet werden? Dann wenden Sie sich gern an den zuständigen Redakteur Artjom Maksimenko (a-maksimenko@zfk.de).

Batteriespeicher rücken in der Direktvermarktung vom Randthema ins Zentrum. Noch geht es nicht um die absoluten Megawatt-Zahlen – hier haben die Speicher im Vergleich zu Wind- und PV-Anlagen klar das Nachsehen. Doch wenn es um das Marktpotenzial und die wirtschaftliche Perspektive geht, rechnen die meisten Teilnehmer der ZFK-Umfrage mit weiterem Zubau und beschreiben die Speicher als Schlüssel für die Marktintegration von PV und Wind. Viele Vermarkter setzen inzwischen auf neue Vertrags- und Vermarktungsmodelle, um die Finanzierung großer Projekte zu ermöglichen.

Strategische Priorisierung

Dies zeigt auch die strategische Priorisierung der Batteriespeicher. "Batteriespeicher gewinnen für uns als Vermarkter und für das Energiesystem insgesamt weiter an Bedeutung. Sie stellen Flexibilität bereit, glätten Preisspitzen und unterstützen die effiziente Integration erneuerbarer Energien", teilte etwa der Direktvermarkter Quadra Energy mit, der mit 10.500 Megawatt das insgesamt größte Vermarktungsportfolio hat.

Speicher seien für das Unternehmen ein Systembaustein und Geschäftsfeld zugleich. Entsprechend liege der Fokus auf der "Optimierung von Batteriespeichern an allen relevanten Märkten, Day-Ahead, Intraday und Regelleistung" – nicht nur bei Stand-alone-Anlagen, sondern auch bei Kombinationen, etwa in Innovationsausschreibungen, so das Hamburger Unternehmen. Ein zentrales Motiv: Ohne zusätzliche Flexibilität könnte der Erneuerbarenausbau ins Stocken geraten.

Betreibern von großskaligen Batteriespeicheranlagen garantieren wir mithilfe von Tolling-Verträgen fixe Preise.

Next Kraftwerke

Auch der Direktvermarkter Next Kraftwerke aus Köln ordnet den Speicherboom klar als Konsequenz aus PV-Zubau und Negativpreisen ein: "Angesichts des rasanten Zubaus von PV-Anlagen und der Zunahme negativer Stunden wird deutlich, dass für das Funktionieren der Energiewende Flexibilität der entscheidende Faktor ist."

Das Unternehmen setzt nach eigenen Angaben auf Fixpreis-Modelle und Cross-Market-Optimierung: "Betreibern von großskaligen Batteriespeicheranlagen garantieren wir mithilfe von Tolling-Verträgen fixe Preise und verbessern so die Finanzierbarkeit eines Speicherprojekts über langfristig planbare Einnahmen. Im Gegenzug erhalten wir das Recht, den Speicher marktoptimiert zu bewirtschaften." Damit verschiebt sich die Direktvermarktung spürbar in Richtung strukturierter Produkte.

Agnes-Festlegung und FID

Der Boom hängt jedoch nicht nur an Strompreisspreads, sondern zunehmend an der Netzentgeltregulierung. Im Agnes-Prozess der Bundesnetzagentur bleibt die 20-jährige Netzentgeltbefreiung zwar grundsätzlich als Vertrauensschutz möglich – sie gilt aber nur noch für Projekte, die bis spätestens 4. August 2029 in Betrieb gehen und bei denen vor Inkrafttreten der Agnes-Festlegung eine finale Investitionsentscheidung (FID) vorliegt.

Der Zwischenstand legt zudem nahe, dass eine FID praktisch an harte Nachweise geknüpft ist: verbindliche Komponentenbestellungen in erheblicher Größenordnung und eine belastbare Netzanschlusszusage – damit steigt der Zeitdruck auf Projektierer deutlich.

Auch diese Verschärfung des Regulierungsrahmens spiegelt sich in den Antworten der Umfrageteilnehmer wider: Viele sehen zwar starkes Wachstumspotenzial, nennen aber Netzanschluss und Prozessketten als Bremsklotz. Wie ZFK bereits berichtete, warnen viele Marktakteure, dass es am Ende nur eine "Handvoll" Projekte rechtzeitig schaffen dürfte, die Befreiung noch zu sichern – besonders kleinere Player könnten ins Hintertreffen geraten.

Für den Markt heißt das: Wer die Fristen und FID-Kriterien verpasst, muss Netzentgelte von Beginn an einpreisen – mit spürbaren Auswirkungen auf Wirtschaftlichkeit und Finanzierung neuer Speicherprojekte.

Großes Potenzial für 2027-2028

Der Essener Direktvermarkter RWE Supply & Trading sieht vor allem in den Jahren 2027/2028 ein attraktives Fenster: "Insbesondere Batteriespeicher, deren Markteintritt für die Jahre 2027 oder 2028 geplant sind, bieten aufgrund der aktuellen Marktdynamik ein hohes Wertschöpfungspotenzial und können von einem attraktiven Optionswert profitieren", hieß es dazu im Kommentar zu der Umfrage. Die Optimierung erfolgt dabei über mehrere Märkte hinweg: Das Unternehmen verweist auf Aktivitäten in "sämtlichen relevanten Strommärkten", inklusive Regelleistungsmärkten wie FCR und aFRR.

Gleichzeitig bleibt der Ausbau keineswegs ein Selbstläufer. Mehrere Antworten betonen Genehmigungen, Netzanschlüsse und Verteilnetzbetreiber als Nadelöhr. So spricht Impuls Energy von "schleppender Umsetzung wegen Verteilnetzbetreibern", N-Ergie nennt "lange Wartezeiten bei Netzanschlusszusage". Iqony beschreibt eine hohe Projektdynamik – und macht zugleich deutlich, wie stark regulatorische Klarheit als Investitionssignal wirkt: "Die Batteriespeicher-Projektpipeline ist immens und nachdem nun vorerst etwas mehr Klarheit bezüglich der Netzentgelte für Batteriespeicher besteht, werden viele Projekte, die zuletzt auf ‘on hold’ waren, nun schnellstens weiter vorangetrieben."

Batteriespeicher entwickeln sich in der Direktvermarktung immer stärker zu einem Hebel, um mit volatiler Erzeugung und zunehmend granularen Märkten umzugehen. Zugleich sind sie ein eigenständiges Produkt, das neue Erlöslogiken wie Tolling, Fixpreise und Co-Location ermöglicht. Der Markt blickt damit weniger auf die Frage, ob Speicher kommen, sondern darauf, wie schnell Netze, Prozesse und Regulierung die Pipeline tatsächlich in den Betrieb überführen können.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper