Knapp 600.000 neue stationäre Batteriespeicher wurden 2025 in Deutschland installiert – so viele wie nie zuvor. Doch der Boom verlagert sich: Während die Nachfrage nach Heimspeichern leicht zurückging, legte das Gewerbesegment um rund 30 Prozent zu, wie Zahlen der Solar- und Speicherverbände zeigen.
Im ersten Quartal 2026 beschleunigte sich das Wachstum weiter. Der Umsatz im Segment Industrie und Gewerbe könnte 2026 ein neues Rekordhoch erreichen. Der Markt dreht sich – weg vom Einfamilienhaus, hin zum Betrieb.
Steigende, volatile Energiepreise, neue Regulierung und der Wunsch nach Unabhängigkeit treiben die Nachfrage. "Geschäftskunden stellen zunehmend fest, dass die Strompreise von ihren Energieversorgern durch eine hohe Volatilität an Verlässlichkeit verlieren", sagt Magnus Pielke, Geschäftsführer des Oldenburger Speicherspezialisten Bestoraged, einer Tochter des kommunalen Energiekonzerns EWE.
Geschäftskunden würden in Gesprächen eine Frage stellen: "Wie kann ich mich unabhängiger und resilienter machen?" Pielke ist deshalb überzeugt: "Wir erleben gerade die zweite Energiekrise innerhalb kurzer Zeit."
Vom Eigenheim zur Fabrikhalle
Im Privatkundenbereich hat sich der Batteriespeicher längst als Standard etabliert. Stefan Jakob, Mitgründer und Geschäftsführer der Photovoltaik-Fachbetriebskette Enerix aus Regensburg, schätzt, dass bei Privatkunden inzwischen fast jede neue Photovoltaik-Anlage mit einem Speicher kombiniert wird.
Dazu kommt eine neue Käufergruppe. "Privatkunden, die nach den 20 Jahren aus der EEG-Förderung rausgehen, rüsten überwiegend Speicher nach und stellen auf Eigenverbrauch um", sagt Jakob.
Im Gewerbesegment ist die Lage differenzierter. "Gewerbe und Eigenheim unterscheiden sich nicht nur im Stromverbrauch, sondern auch im Flexibilitätspotenzial", sagt Jakob weiter. "Gewerbe hat durch höhere und steuerbare Lasten mehr Ansätze, Energiekosten durch Lastmanagement zu senken, als Eigenheime."
Gleichzeitig sei die Frage nach der Wirtschaftlichkeit anspruchsvoller. "Im Gewerbe kommt es auf die Verbrauchssituation an. Oft ist der höchste Stromverbrauch dann, wenn ohnehin der meiste PV-Strom da ist." In diesem Fall bringt ein Speicher für den Eigenverbrauch wenig – eine Einzelfallprüfung ist laut Jakob immer erforderlich.
Bei größeren Abnahmemengen wird die Wirtschaftlichkeitsrechnung noch herausfordernder. "Einen Speicher im Winter nachts zu beladen und tagsüber zu nutzen, kann auch Sinn machen. Aber ist ein Speicher in dieser Größe auch wirtschaftlich?", fragt Jakob. Auch von politischer Seite kommen gemischte Signale. "Industriestrompreise nehmen den Druck, PV und Batteriespeicher im Gewerbe zu installieren, natürlich raus."
Netzagentur verändert die Spielregeln
Genau hier setzt jedoch eine regulatorische Änderung an, die den Markt für Gewerbe- und Industriespeicher mittelfristig neu sortieren könnte. Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, zwei zentrale Netzentgeltprivilegierungen auslaufen zu lassen: die atypische Netznutzung und das Bandlastprivileg, beide geregelt in Paragraf 19 Absatz 2 der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV).
Mehr dazu auch hier: Strompreis: Welche Zusatzkosten auf Verbraucher zukommen könnten
Rund 400 Bandlastkunden und rund 4200 atypische Netznutzer profitierten 2024 von Entlastungen von insgesamt mehr als einer Milliarde Euro. Die Behörde hat eingeräumt, dass beide Instrumente in einem Stromsystem mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien Fehlanreize setzen. Ein verbindliches Nachfolgemodell steht bislang nicht fest.
Pielke von Bestoraged vermisst hier die politische Konsequenz. "Eine Regelung aufzukündigen, ohne eine neue ins Schaufenster zu stellen, erachte ich als schwierig. Ich kann mir vorstellen, dass es künftig zeitrelative Netzentgelte geben kann – aber nicht mit einem Jahr im Voraus. Die Zeitintervalle müssten dafür kürzer werden."
Pielke beobachtet, dass die Diskussion um einen Industriestrompreis die Investitionsbereitschaft bremst: Wer auf staatlich vergünstigten Netzstrom hofft, investiert weniger in Eigenversorgung. Erschwerend kommt hinzu, dass der diskutierte Industriestrompreis erst ab einem deutlich höheren Jahresverbrauch greifen soll als die bisherige intensive Netznutzung – ein Teil der bislang privilegierten Kunden würde künftig weder vom einen noch vom anderen Instrument profitieren.
Netzanschluss als Wert unterschätzt
Jenseits der Kostenoptimierung rückt aber auch ein weiteres Argument in den Vordergrund: die Versorgungssicherheit. Pielke beobachtet, dass Industriekunden zunehmend auch den Wert ihres Netzanschlusses neu bewerten. "So manch ein Industriekunde hat noch einen freien Netzanschluss – das hat einen Wert. Auf der grünen Wiese steht kaum noch ein Netzanschluss zur Verfügung."
Deshalb überlegten viele Kunden, wie sie diese freien Anschlüsse nutzen könnten. Batteriespeicher können dabei helfen, Lastspitzen zu kappen und Netzkapazitäten effizienter zu nutzen – auch als Einstieg in die Vermarktung eigener Flexibilität.
Ein weiteres Problem bleibt: Die Regulierung hält derzeit mit der dynamischen Entwicklung von Batteriespeichern nicht Schritt, wodurch Betreiber sie oftmals nicht optimal für das Stromnetz einsetzen können. "Großbatteriespeicher verhalten sich heute vielfach nicht jederzeit netzdienlich, weil sie sich rein am Strompreis orientieren", sagt Pielke.
Die Folge: Statt Schwankungen im Netz auszugleichen, verstärken sie diese mitunter. "Der Betreiber braucht Netzsignale – und wir müssen mehr Verantwortung von den Netzbetreibern auf Dritte übertragen", so der Speicherspezialist. "Ich hätte lieber Anreize, die dafür sorgen, dass sich netzdienliches Verhalten auch finanziell lohnt und der Netzbetreiber sich darauf verlassen kann."
Wo Chancen für Stadtwerke liegen
Für kommunale Versorger öffnet sich damit ein neues Geschäftsfeld: Batteriespeicher als Dienstleistung für Gewerbe- und Industriekunden anzubieten – kombiniert mit Photovoltaik, dynamischen Stromtarifen und Energiemanagementsystemen; ein Modell, das Anbieter wie Bestoraged bereits umsetzen.
Pielke sieht Stadtwerke durchaus als mögliche Partner. Während große und mittlere kommunale Unternehmen teilweise bereits in den Vertrieb eingestiegen sind, tun sich gerade kleinere Versorger schwer mit dem neuen Geschäftsfeld. "Ich könnte mir vorstellen, dass nicht jedes Stadtwerk die Voraussetzungen mitbringt, um Batteriespeicher als Dienstleistung für Geschäftskunden anzubieten", sagt Pielke weiter. "Aber es gibt Möglichkeiten über White-Label-Lösungen."
Dass der derzeit starke Ausbau von Batteriespeichern nur ein Strohfeuer ist, glaubt der Bestoraged-Chef nicht. "Wir bauen aktuell mehr volatile Erzeuger in den Markt als Flexibilität. Deshalb glaube ich nicht an einen Hype. Der Bedarf an Speichern wird weiter zunehmen."

