Enercity arbeitet mit dem Technologieanbieter Kraken an einem virtuellen Kraftwerk. Der Energiekonzern aus Hannover und die Oktopus-Tochter gehen eine strategische Kooperation ein, um dezentrale Erzeugungsanlagen, Batteriespeicher und steuerbare Verbrauchseinrichtungen digital zu vernetzen, sie als ein einziges koordiniertes System ganzheitlich zu optimieren sowie die flexible und wirtschaftliche Teilnahme an den Energiemärkten zu ermöglichen.
Enercity bringt dafür ein breit aufgestelltes Portfolio aus Strom- und Wärmeerzeugung ein, Kraken die technologische Infrastruktur, Erfahrung in der Aggregation dezentraler Assets sowie den direkten Marktzugang in Europa.
"In einer dynamischen und multifunktionalen Energielandschaft bedarf es effizienter Steuerungsinstrumente", sagt Jean Baptiste Cornefert, Bereichsleiter Trading & Energy Markets bei Enercity. "Ohne digitale Prozesse, Echtzeitdaten, automatisierte Prognosen und intelligente Algorithmen wird man diese Komplexität nicht beherrschen." Wer den Energiemarkt erfolgreich gestalten will, müsse digitale Kompetenz mit energiewirtschaftlichem Know-how verbinden. Virtuelle Kraftwerke seien deshalb nicht nur ein technisches Instrument, sondern ein zentrales Element der Transformation hin zu einem resilienten und effizienten Energiesystem.
Im Zentrum der Lösung für die Energiewende steht für Enercity und Kraken deshalb ein ganzheitlicher Optimierungsansatz: "Da der Ausbau erneuerbarer Energien in ganz Europa an Geschwindigkeit gewinnt, besteht die Herausforderung, vor der wir heute stehen, nicht in der Kapazität, sondern in der Koordination", sagt Charlotte Johnson, General Manager of Flexibility bei Kraken.
Neue Geschäftsmodelle und klare Kundenvorteile
"Ein modernes virtuelles Kraftwerk integriere Strom und Wärme nahtlos", sagt Cornefert. Es entscheide sich in Echtzeit, ob Strom direkt vermarktet, in Batterien zwischengespeichert oder mittels Power-to-Heat in thermische Energie gewandelt wird. "Damit lösen wir die zentrale Herausforderung, vor die uns Volatilität stellt: Wir machen Energie dann nutzbar, wenn der Markt sie braucht – das virtuelle Kraftwerk ist somit das Herzstück der Sektorenkopplung", so Cornefert.
Das virtuelle Kraftwerk bildet künftig die gesamte Wertschöpfungskette ab: von der hochautomatisierten Anbindung von Anlagen über deren Optimierung in Echtzeit und einem begleitenden Monitoring über die Profitabilität einzelner Assets bis hin zum direkten Zugang zu Energiegroßhandelsmärkten. Es schaffe somit außerdem die Basis für eine Reihe skalierbarer Geschäftsmodelle. Dazu zählten die Direktvermarktung erneuerbarer Energien, die Optimierung und Flexibilitätsvermarktung von Batteriespeichern, die Teilnahme an Regelenergiemärkten sowie die intelligente Integration von Strom- und Wärmeerzeugung, etwa in der KWK-Optimierung für Fernwärme.
Die Kraken-Plattform werde konkret auf die Anforderungen von Enercity und des deutschen Energiemarkts weiterentwickelt – etwa einen hohen Automatisierungsgrad sowie die vollständige Abbildung der energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette von der Anlagenanbindung bis zur Vermarktung an den Großhandels- und Regelenergiemärkten. Diese Tiefe der Integration sei ein zentrales Merkmal der Partnerschaft, so Enercity.
Auf Nachfrage erklärte der Hannoveraner Energiekonzern zudem, man habe sich für Kraken entschieden, da das Unternehmen bereits heute eine der leistungsfähigsten digitalen Infrastrukturen für Flexibilität und virtuelle Kraftwerke weltweit betreibe und diese erfolgreich in unterschiedlichen Marktumfeldern skaliere. Gleichzeitig verbinde Kraken technologische Exzellenz mit energiewirtschaftlicher Umsetzungskompetenz – insbesondere in der automatisierten Vermarktung dezentraler Assets. Für Enercity sei dies entscheidend, um Flexibilität systematisch als neue Wertschöpfungsquelle zu erschließen und das virtuelle Kraftwerk als strategisches Element der eigenen Marktposition weiterzuentwickeln.



