Eon hält an der Jahresprognose für 2026 fest.

Eon hält an der Jahresprognose für 2026 fest.

Bild: @ AdobeStock/barbara buderath

Der Essener Energiekonzern Eon will von 2026 bis 2030 insgesamt 48 Milliarden Euro investieren, rund 40 Milliarden davon sollen in das Netzgeschäft fließen. Vorstandsvorsitzender Leonhard Birnbaum stellte das Tempo und die Höhe der Investitionen in Deutschland jedoch ausdrücklich unter den Vorbehalt einer wirtschaftlich tragfähigen Regulierung. Ohne privates Kapital sei die Energiewende nicht darstellbar, sagte er bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen des Energiekonzerns. Dafür müsse Eon an den Kapitalmärkten wettbewerbsfähige Renditen zeigen können.

"Wenn wir immer mehr investieren müssen, um am Ende nie mehr zu bekommen, dann stellt sich die Frage, warum sollten wir diese Investitionen tun?", sagte Birnbaum. Eon-Finanzvorständin Nadia Jakobi kritisierte zudem die aktuellen Vorschläge zur Regulierung. "Die aktuellen Vorschläge sind teilweise eine Verschlechterung dessen, was wir aktuell in der Regulierungsperiode vier sehen", sagte sie mit Blick auf die Netzregulierungs-Reform der Bundesnetzagentur. Die Festlegung des Eigenkapitalzinssatzes für die kommende Regulierungsperiode steht noch aus.

Die aktuellen Vorschläge sind teilweise eine Verschlechterung dessen, was wir in der Regulierungsperiode vier sehen.

Birnbaum fordert ein wirksames Lokalisierungssignal

Für Birnbaum muss sich der Blick auf die Energiewende verändern. "Der Fokus der Energiewende darf heute nicht mehr nur auf Zieldebatten und im reinen Erneuerbaren-Ausbau liegen. Wir brauchen eine Systemwende", sagte der Eon-Chef. Angesichts des wachsenden Anschlussbedarfs von Speichern, Rechenzentren und elektrischen Anwendungen gehe es darum, Erzeugung, Netze, Speicher und Flexibilität zusammenzuführen.

Eon hat nach eigenen Angaben inzwischen Netzanschlüsse für zusätzliche Batteriespeicher mit einer Leistung von 26 Gigawatt und für Rechenzentren mit mehr als 13 Gigawatt zugesagt.

Wir brauchen eine Systemwende.

Konkret kritisiert Birnbaum den im Netzpaket vorgesehenen Redispatchvorbehalt, der im Zuge der Verhandlungen zwischen Bundeswirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium abgeschwächt wurde. Das Netzpaket befindet sich nun im parlamentarischen Verfahren.

Eon brauche ein "Lokalisierungssignal", damit der Zubau an den Stellen erfolge, "wo es nicht nur die Systemkosten nach oben treibt, sondern auch wirklich Nutzen für die Kunden verursacht". Birnbaum forderte, der Vorbehalt dürfe "nicht weiter so lange verwässert werden, bis es am Ende doch kein wirksames Signal ist".

Er fordert eine niedrigere Aufgriffsschwelle sowie weniger Ausnahmen und Zusatzregelungen. Zugleich müsse die Regelung in der Praxis administrierbar bleiben. Die Abkehr vom Windhundprinzip bei Netzanschlüssen sei richtig: Nicht derjenige, der zuerst einen Antrag stelle, solle automatisch Vorrang erhalten, sondern derjenige, "der wirklich etwas machen möchte und wirklich etwas anschließen möchte".

Jakobi verwies auf Unterschiede zwischen Investitionen aus den Jahren 2025 und 2026 und solchen, die 2027 getätigt werden. Für Neuinvestitionen aus den Jahren 2025 und 2026 gelte aktuell der marktgerechte Fremdkapitalkostensatz, erklärte sie. Bei künftigen Investitionen werde dagegen nur noch die Fremdfinanzierung der vergangenen sieben Jahre berücksichtigt. Damit würden auch die Niedrigzinsphasen zu Beginn des Jahrzehnts in die Berechnung einbezogen.

Neben dem Kapitalkostensatz seien auch der Effizienzbenchmark und der Opex-Anpassungsfaktor relevant. Eine konkrete Investitionssumme, die unter dem Vorbehalt der Regulierung stehe, wollte Birnbaum nicht nennen.

Westnetz arbeitet IT-Probleme ab

Probleme gibt es unterdessen bei der Eon-Tochter Westnetz. Nach einer IT-Umstellung kam es zu erheblichen Schwierigkeiten im Kundenservice. Birnbaum erklärte, die bisherigen Abrechnungssysteme hätten die wachsende Zahl dezentraler Anlagen und Messwerte nicht mehr bewältigen können.

Die Zahl der von Eon zu verarbeitenden Messwerte sei von fünf Milliarden im Jahr 2020 auf 27 Milliarden im Jahr 2025 gestiegen. Der Smart-Meter-Rollout habe dabei erst begonnen. Deshalb habe Eon seine Abrechnungssysteme in Deutschland auf einen neuen technischen Stand bringen müssen. Westnetz sei dabei als Pilotgesellschaft vorangegangen.

Bei der Migration seien offene Vorgänge von Bestandsanlagen, die sich bereits in der Bearbeitung befanden, nicht vollständig übernommen worden. "Diese offenen Vorgänge sind bei der Migration durch die Ritzen gefallen und müssen dann händisch nachgepflegt werden", sagte Birnbaum.

Nach seinen Angaben liefen 99 Prozent der Vorgänge durch. Das verbleibende eine Prozent verursache jedoch Zehntausende manuell zu bearbeitende Fälle. Eon arbeite diese mit Taskforces und zusätzlichem Personal ab. Für Kundinnen und Kunden seien unter anderem Abschlagszahlungen ermöglicht worden.

Das sei nicht unser Anspruch, betonte Birnbaum. Kunden sollten von der Arbeit des Netzbetreibers möglichst nichts Negatives bemerken.

Schutz vor Drohnen bleibt staatliche Aufgabe

Angesichts wiederholter Drohnenüberflüge kritischer Infrastruktur forderte Birnbaum zudem mehr Unterstützung durch den Staat. Einen vollständigen Schutz der vielen verteilten Netzanlagen könne Eon nicht gewährleisten.

Luftraumschutz ist eine staatliche Aufgabe.
Leonhard Birnbaum, Eon-Vorstandsvorsitzender

Der Konzern verbessere zwar die physische Absicherung seiner Anlagen und bereite sich darauf vor, nach einem möglichen Angriff die Versorgung schnell wiederherzustellen. Ein vollständiger Schutz gegen bösartige Drohnenattacken sei derzeit jedoch nicht möglich. Dafür brauche es ineinandergreifende Zuständigkeiten und funktionierende staatliche Strukturen.

Halbjahresüberschuss steigt auf 1,9 Milliarden Euro

Der bereinigte Konzernüberschuss von Eon stieg im ersten Halbjahr um fünf Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Eon-Finanzvorständin Nadia Jakobi bestätigte angesichts der positiven Entwicklung die Prognose eines bereinigten Konzern-EBITDA im Korridor von 9,4 bis 9,6 Milliarden Euro sowie eines bereinigten Konzernüberschusses von 2,7 bis 2,9 Milliarden Euro. Bis Jahresende will Eon rund 8,7 Milliarden Euro investieren.

Der größte Ergebnisbeitrag kam erneut aus dem Geschäftsfeld Energy Networks. Das bereinigte EBITDA lag mit mehr als 3,8 Milliarden Euro leicht über dem Vorjahresniveau. Positive Impulse kamen aus Deutschland und anderen europäischen Märkten. Auch der Ausbau des Smart-Meter-Geschäfts wirkte sich in Deutschland positiv aus.

Energy Infrastructure Solutions steigerte das bereinigte EBITDA um 19 Prozent auf rund 390 Millionen Euro. Im Energievertrieb lag es mit 1,2 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahreswert.

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