Bild: @ AdobeStock/M.Schuppich

Der Energiekonzern RWE hat seine Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf 55 Prozent erhöht und ist damit Mehrheitseigentümer. Für insgesamt 3,6 Milliarden Euro hat das Essener Unternehmen die Anteile den bisherigen Anteilseignern der M31 abgekauft. Die Freigabe der zuständigen Kartellbehörden erwarten die Essener im dritten Quartal dieses Jahres.

Kapitalbeschaffung "über Nacht"

Die Akquisition und auch den zusätzlichen Kapitalbedarf habe das Unternehmen mithilfe einer Eigenkapitalmaßnahme gedeckt, die "wir über Nacht umgesetzt haben", erläuterte RWE-CEO Markus Krebber in einer kurzzeitig einberufenen Telefonkonferenz.

Die Kapitalerhöhung sei auf hohe Resonanz gestoßen, führte Krebber aus. Sie sei mehrfach überzeichnet gewesen. RWE konnte dabei die Aktien zu einem Preis von 54 Euro je Aktie platzieren. "Wir haben etwas mehr als 4 Milliarden Euro an Eigenkapital eingesammelt". Zusammen mit etwas Fremdkapital reiche das, um den Kaufpreis und die anstehenden Kapitalbedarfe von Amprion bis 2031 zu finanzieren.

Der Investitionsbedarf ist bei Amprion hoch, die Aufstockung der Anteile durch einen finanzstarken Partner kommt dem Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber gelegen. Amprion-Chef Christoph Müller bewertete die Transaktion deshalb als einen wichtigen Schritt für die kommenden Investitionen: Sie sei ein Zeichen des Vertrauens in die Strategie und Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Markus Krebber bleibt weitere fünf Jahre Finanzvorstand der RWE AG.Bild: © RWE

Das regulierte Netzgeschäft wird unser dritter Investitionsschwerpunkt.

Markus Krebber

CEO, RWE AG

"Growing Green" erweitert

In seiner langfristigen Strategie "Growing Green" hatte sich der Essener Energiekonzern RWE vorrangig auf zwei Bereiche fokussiert: den Ausbau des grünen Erzeugungsportfolios sowie die Investments in Flexibilitäten und flexible Erzeugung. Nun erweitert das Unternehmen die Strategie um ein weiteres Standbein: "Das regulierte Netzgeschäft wird unser dritter Investitionsschwerpunkt", hat Krebber angekündigt. Dies sei eine konsequente Weiterentwicklung unserer Strategie.

Das Zeitfenster für die Aufstockung der Anteile hält Krebber aufgrund mehrerer Faktoren besonders günstig. Zum einen wollten mehrere Anteilseigner in der M31-Struktur die Anteile verkaufen, weil sie den zusätzlichen Kapitalbedarf für den Netzausbau in diesem Umfang nicht mittragen konnten oder wollten.

Zum anderen sei das regulierte Netzgeschäft mit robusten, regulierten Erträgen eine "perfekte Portfolioergänzung". Und zuletzt sieht RWE nach eigenen Angaben derzeit zusätzliches Wachstumspotenzial durch den Einstieg in den Übertragungsnetzmarkt. Das honoriere auch der Markt: "Mit dieser Transaktion konnten wir unsere Guidance für das Ergebnis je Aktie – trotz Kapitalerhöhung und mehr Aktien – anheben."

Hohe Rendite in fünf Jahren

An den Investitionen in die bisherigen zwei Bereiche ändere sich durch die Transaktion nichts: Das Ziel von 35 Milliarden Euro für Erneuerbare, flexible Erzeugung und Speicher bleibe unverändert. Für das regulierte Netzgeschäft plant RWE bis 2031 hingegen weitere Investitionen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro. Der Konzern erwartet dabei für 2031 einen Ergebnisbeitrag von rund 930 Millionen Euro.

Trotz der Mehrheitsbeteiligung bleibe Amprion ein eigenständiger Übertragungsnetzbetreiber, hieß es vonseiten der RWE AG weiter. Das Unternehmen werde weiterhin unter eigener Marke und mit seinem bestehenden Management arbeiten. Die gesetzlich vorgeschriebene Entflechtung im Netzgeschäft bleibe bestehen.

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