Der staatliche Gasimporteur Sefe macht einen wichtigen Schritt hin zu einer nachhaltigen Rückkehr an die internationalen Kapitalmärkte als Privatunternehmen. Sefe (Securing Energy for Europe) hat dafür eine revolvierende Kreditlinie (Revolving Credit Facility, RCF) mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Volumen von zwei Milliarden Euro abgeschlossen, teilte das Unternehmen mit. Die Kreditlinie haben insgesamt 27 internationalen Banken bereitgestellt. Dabei wurde die RCF laut Sefe um mehr als das Zweifache überzeichnet.
Gleichzeitig habe Sefe das verbleibende Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von 2,5 Milliarden Euro vollständig refinanziert und abgelöst. Diese Tranche markiert das Ende der staatlich abgesicherten Unterstützung für das Unternehmen: Im Jahr 2022 erhielt Sefe in einer Krisensituation Liquiditätsunterstützung von der KfW in Form einer Kreditlinie von bis zu 13,8 Milliarden Euro, um die Unternehmensliquidität zu sichern.
Nach der Genehmigung der Rekapitalisierung und Verstaatlichung durch die EU-Kommission hat Sefe eine Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital in Höhe von 6,3 Milliarden Euro umgesetzt. Die KfW-Kreditlinie verringerte sich dadurch auf 7,5 Milliarden Euro, das stärkte die Kapitalstruktur von Sefe.
Ende der Staatshilfen
Seit April 2023 hat Sefe die Kreditlinie nicht mehr in Anspruch genommen, was der Gasimporteur als Nachweis für die stabile Liquiditätslage und das solide Finanzmanagement wertet. Im Laufe des Jahres 2025 sowie im ersten Quartal 2026 setzte Sefe eine schrittweise Reduzierung der KfW-Kreditlinie in drei Tranchen von jeweils 2,5 Milliarden Euro um. Die erste Reduzierung erfolgte im Januar 2025. Im September 2025 folgte eine weitere Reduzierung auf 2,5 Milliarden Euro.
Am 2. April 2026 schloss Sefe schließlich den Ausstieg aus der staatlich abgesicherten Liquiditätsunterstützung ab: Die Kündigung der letzten Tranche über 2,5 Milliarden Euro ist durch die Refinanzierung über die neue RCF möglich gewesen.
In der Krise entstanden
Sefe ist aus dem ehemaligen deutschen Gasgeschäft des russischen Staatskonzerns Gazprom hervorgegangen. Konkret entstand Sefe aus der früheren Gazprom Germania, die im April 2022 unter Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur gestellt wurde. Hintergrund war die Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine und die Sicherung der Gasversorgung in Deutschland und Europa. Im September 2022 wurde das Unternehmen schließlich verstaatlicht und gehört seither vollständig der Bundesrepublik Deutschland.
Wir agieren nun auf rein marktwirtschaftlicher Basis.
Christian Ohlms, CFO bei SEFE
Privatisierung als Ziel
Durch diese Transaktionen vollzieht Sefe schrittweise den Wechsel zu einer rein marktbasierten Finanzierung. "Wir agieren nun auf rein marktwirtschaftlicher Basis und verfügen über eine solide finanzielle Grundlage, die unsere langfristige Strategie untermauert", sagte Sefe-Finanzvorstand Christian Ohlms. Zugleich sei dieser Schritt Teil des Privatisierungsprozesses, in dessen Rahmen die Bundesrepublik Deutschland ihren Anteil an Sefe bis Ende 2028 reduzieren wird.
Dies war auch die Auflage der EU-Kommission 2022 bei der Gewährung der Staatshilfen. Ziel ist es, das Unternehmen schrittweise zurück in private Hände zu überführen und Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Wie die Privatisierung zeitlich konkret erfolgen wird, hängt von den Marktbedingungen, der Unternehmensentwicklung und dem Investoreninteresse ab.



