Geteiltes Geld, geteilte Mitbestimmung: Einige Stadtwerke sehen noch Herausforderungen bei Kooperationen.

Geteiltes Geld, geteilte Mitbestimmung: Einige Stadtwerke sehen noch Herausforderungen bei Kooperationen.

Bild: © master1305

Dieser Sommer wird nicht nur regulatorisch spannend, auch für die Stadtwerke-Finanzierung steht großes an. "Wir sind in der Crunchtime", erklärt Steffen Meyer, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium auf dem BDEW-Kongress in Berlin. Die Bundesregierung habe es sich zum Ziel gemacht, die Rahmenbedingungen für öffentliche Investitionen zu verbessern. Ein zentrales Instrument: Die KfW will im Rahmen des Deutschlandfonds mit 30 Milliarden Euro Garantien des Bundes 130 Milliarden Euro Investitionen hebeln. Der Förderkredit Geothermie sei gut angelaufen berichtet Eva Witt, Bereichsleiterin Individualfinanzierung und öffentliche Kunden bei der KfW. Die Münchener Rück habe viele Anträge erhalten und ein Projekt bereits als versicherungsfähig klassifiziert.

Weitere Vorhaben, die es Stadtwerken erleichtern sollen, Fremdkapital aufzunehmen, würden in den nächsten Wochen fertiggestellt, so die KfW-Expertin. Für die Aufnahme von Mezzanine-Kapital solle dem Energieministerium bis Ende April ein Konzept vorgelegt werden.

Projektgesellschaften und privates Kapital

"Ein wichtiges Stichwort sind Projektgesellschaften", erklärt der Staatssekretär, "wo sich die Frage stellt, inwiefern wir es schaffen, bestimmte Stadtwerke zu bündeln." Es brauche dort ein Management, welches die Voraussetzungen schafft, dass auch institutionelle Investoren und Fonds dort hereingehen.

"Privates Kapital ist grundsätzlich vorhanden", betont Dirk Schmitz, Vorstandsvorsitzender Black Rock in der DACH-Region. Eine zentrale Frage laute jedoch: Will man es überhaupt einsetzen? Es gäbe Bereiche der kritischen Infrastruktur, in denen man sich bewusst dagegen entscheidet.

Hinzu komme ein weiterer Aspekt: "Privates Kapital ist für uns immer teurer als öffentliches Kapital", sagt Schmitz. "Gegenüber unseren Kunden können wir keine Finanzierung zu EZB-Konditionen darstellen. Wer privates Kapital aufnimmt, muss außerdem bereit sein, einen Teil der Kontrolle abzugeben. Unsere Investoren erwarten klare Governance-Regeln und Transparenz."

Gleichzeitig müsse er seinen Kunden erklären können, dass die Verzinsung ihrer Investition letztlich von den regulatorischen Vorgaben der Bundesnetzagentur beeinflusst wird. "Diese Regulierung muss sich wiederum im internationalen Kapitalmarkt behaupten", mahnt Schmitz. "Es geht also nicht nur um die Verfügbarkeit von Kapital, sondern auch um die Frage, zu welchen Bedingungen es bereitgestellt wird und wie wettbewerbsfähig diese Bedingungen im internationalen Vergleich sind."

Bilanz im Blick

"Es ist wichtig eine langfristige Transformationsplanung zu haben und zu wissen, wie sich diese auf die Bilanz auswirkt", erklärt Anne Rethmann, Vorständin der Thüga. Unternehmen müssten verstehen, welche Auswirkungen die anstehenden Investitionen auf ihre Bilanz haben und welche Finanzierungsinstrumente jeweils zur eigenen Situation passen. Dabei sollte man grundsätzlich offen für unterschiedliche Modelle sein – allerdings nur für solche, die sich den Eigentümern der Infrastruktur, also häufig auch den kommunalen Gesellschaftern, nachvollziehbar erklären lassen.

"Ich möchte den Blick dabei nicht nur auf die Passivseite richten", so Rehtmann. Genauso wichtig sei die Aktivseite: "Es braucht strategische Klarheit darüber, welche Geschäftsfelder ein Unternehmen künftig selbst entwickeln will, welche Bereiche gemeinsam mit Partnern vorangetrieben werden sollen und wo man bewusst entscheidet, bestimmte Aktivitäten nicht oder nicht mehr fortzuführen." Am Ende seien eine klare Strategie und eine passende Finanzierungsstruktur zwei Seiten derselben Medaille.

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