Auf die Stadtwerke Osnabrück (SWO) werden einige Stadtwerke mit Neid blicken: Nicht nur musste das kommunale Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit keine Gewinne an die Stadt auszahlen, jetzt stärkt der kommunale Eigentümer auch das Eigenkapital. Der Osnabrücker Stadtrat hat diese Woche beschlossen, den Stadtwerken bis 2029 insgesamt bis zu 75 Millionen Euro zuzuführen. 15 Millionen Euro pro Jahr sollen es sein.
Finanziell blicken die Stadtwerke auf gemischte Zahlen, mit einer Eigenkapitalquote von 23 Prozent und einem dynamischen Verschuldungsgrad von 6,5 in 2025. Ein Grund für die angespannte Lage: Während der Energiekrise 2021 und 2022 machte man Millionenverluste. Seit 2023 schreiben die Stadtwerke Osnabrück wieder schwarze Zahlen – wenn man ÖPNV und Bäderbetriebe ausschließt, die Stadt trägt hier die Verluste.
"Die Finanzierungszusage ist ein starkes und langfristiges Bekenntnis der Stadt zu ihren Stadtwerken", hieß es von den SWO. "Sie schafft die Grundlage dafür, dass wir unsere zentrale Rolle als Treiber der Energie- und Wärmewende in Osnabrück verlässlich wahrnehmen können – mit den notwendigen Investitionen in Infrastruktur, Versorgungssicherheit und Klimaschutz."
Bereits 2024 fasste der Rat den Grundsatzbeschluss zur Stärkung der Stadtwerke Osnabrück, der Kapitalerhöhungen und Ausgleiche von Verlusten vorsieht. Der jetzt gefasste Beschluss für 2026 konkretisiert diese bereits vereinbarte Linie für das laufende Jahr: Für 2026 ist die Kapitalzuführung in Höhe von 15 Millionen Euro vorgesehen.
Kurz erklärt
Der dynamische Verschuldungsgrad gibt an, wie viele Jahre ein Unternehmen rechnerisch benötigen würde, um seine Nettoschulden aus dem laufenden Cashflow vollständig zurückzuzahlen.
Die Eigenkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den prozentualen Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital (der Bilanzsumme) eines Unternehmens angibt.
Die Planung der Stadtwerke zeigt laut dem Beschluss, dass das operative Ergebnis ohne die Eigenkapital-Zuführung und die Verlustübernahmen der Stadt für den Bäderbereich und den ÖPNV für den Planungszeitraum durchgängig negativ bleibt. Zusammen fallen dort von 2025 bis 2028 rund 128 Millionen Euro Verluste an. Auch die Zunahme der Verschuldung und Anstieg der Zinsen führe zudem zu einer kontinuierlichen Verschlechterung des Finanzergebnisses im Planungszeitraum.
Zudem stehen bei den SWO große Investitionen an. Im Bereich der Netze plant das Unternehmen das Projekt "ProWasser". Für den Zeitraum der Mittelfristplanung, die vom Rat genehmigt wurde, sind in Summe von den Stadtwerken Investitionsmittel von mehr als 500 Millionen Euro vorgesehen, welche gleichzeitig den Finanzierungsaufwand entsprechend erhöhen.
Bedingt durch die Gewinnthesaurierung sowie durch die Eigenkapitalzuführung der Stadt, soll 2026 eine bilanzielle Eigenkapitalquote von 25 Prozent erreicht werden. Ohne eine Kapitalzuführung läge diese bei 22,4 Prozent.
Verschuldung soll abgebaut werden
Trotz einer Reduzierung des dynamischen Verschuldungsgrades durch das deutlich positive Ergebnis 2025 werde die Zielgröße von 4 absehbar aufgrund weiter steigender Verschuldung der Stadtwerke nicht erreicht werden. Im Jahr 2025 liegt der dynamische Verschuldungsgrad bei 6,5. Im Plan 2026 wird ein dynamischer Verschuldungsgrad von 7,7 ausgewiesen. Ohne eine Kapitalzuführung läge dieser Wert bei 8,1. Das ist sehr kritisch und auch für die Branche vergleichsweise hoch.
Laut einer Kearney-Analyse ist der durchschnittliche Verschuldungsgrad der Stadtwerke von durchschnittlich 2,4 (2018) auf 4 (2023) gestiegen – viele befinden sich damit bereits am oberen Limit dessen, was Banken noch finanzieren.



