Die für den globalen Energiehandel so wichtige Handelsroute, Straße von Hormus (Symbolbild), ist weiterhin blockiert. Ob eine mögliche, hohe Maut für Schiffspassagen, die Lage entspannt, scheint fraglich.

Die für den globalen Energiehandel so wichtige Handelsroute, Straße von Hormus (Symbolbild), ist weiterhin blockiert. Ob eine mögliche, hohe Maut für Schiffspassagen, die Lage entspannt, scheint fraglich.

Bild: © Sunday Stock/Adobestock

Um über 17 Prozent ist der Gaspreis (Day-Ahead) am niederländischen Handelspunkt innerhalb von etwas mehr als einer Woche gefallen – auf 52,72 Euro pro Megawattstunde (MWh). Die US-Regierung hatte Anfang der Woche erneut eine baldige Einigung mit dem Iran in Aussicht gestellt. Mittlerweile sollen sich der Iran und Oman auf eine Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus geeinigt haben. Allerdings soll der Iran eine hohe Maut für die Durchfahrt von Frachtschiffen, und damit auch von LNG-Tankern, anstreben. Trotz des deutlichen Preisrückgangs in den vergangenen Tagen sind das keine Anzeichen für eine wirkliche und nachhaltige Entspannung.

"Die jüngsten Preisbewegungen zeigen, wie sensibel die Gasmärkte derzeit auf geopolitische Nachrichten reagieren. Bereits die Aussicht auf eine mögliche Entspannung kann kurzfristig preisdämpfend wirken", sagt Thomas Rupp, Geschäftsführer von EWE Trading, auf ZFK-Anfrage. Gleichzeitig bleibe die Lage volatil: Solange wesentliche geopolitische Unsicherheiten bestünden, könnten sich Marktstimmungen und damit auch die Preise sehr schnell wieder ändern. "Aus heutiger Sicht wäre es daher verfrüht, aus einzelnen politischen Signalen bereits einen nachhaltigen Trend für den Gasmarkt abzuleiten", betont der Handelsexperte.

Thomas Rupp ist einer von zwei Geschäftsführern bei EWE Trading und für dort für den Bereich Marktunterstützung zuständig.Bild: © EWE

Grundsätzlich hat sich in volatilen Märkten eine gestaffelte Beschaffung bewährt.

Thomas Rupp

Geschäftsführer EWE Trading

Die aktuelle Marktphase am Gasmarkt sei "außergewöhnlich nachrichtengetrieben". Geopolitische Entwicklungen und politische Aussagen könnten jederzeit deutliche Preisbewegungen auslösen. Zwar sei die europäische Gasversorgung heute breiter aufgestellt als im Jahr 2022. "Im Jahr 2022 wurden von der Politik Maßnahmen auch zu sehr hohen Kosten ergriffen; dies ist nun anders", sagt Rupp.

Gleichzeitig scheue sich die Politik in Deutschland angesichts vergleichsweise niedriger Speicherstände und der Unsicherheit im Nahen Osten davor, Maßnahmen zu definieren, die vermutlich zu starken finanziellen Belastungen führen würden. In einigen europäischen Ländern hat der Staat deshalb bereits interveniert, was zu teils deutlich höheren Füllständen geführt hat als in Deutschland.

Rupp rät Stadtwerken deshalb zu einer vorausschauenden und risikobewussten Beschaffung. "Grundsätzlich hat sich in volatilen Märkten eine gestaffelte Beschaffung bewährt, weil sie das Risiko ungünstiger Einstiegszeitpunkte reduziert", sagt er. Der Spotmarkt bleibe für kurzfristige Optimierungen sinnvoll. "Er sollte aber nicht die Grundlage der gesamten Beschaffungsstrategie sein." Wichtig sei außerdem, dass die Beschaffungsstrategie auf die Preisfindung für das eigene Kundenportfolio abgestimmt sei und keine existenziellen Risiken bei anhaltenden starken Preisbewegungen berge.

Liquidität und Risikomanagement

Steigende Preise und eine höhere Volatilität führten grundsätzlich zu einem höheren Bedarf an Sicherheiten im Energiehandel. Damit könne auch die Liquiditätsbeanspruchung von Stadtwerken zunehmen. Rupp hält die derzeitige Lage allerdings nicht mit der Energiekrise des Jahres 2022 für vergleichbar. Viele Marktteilnehmer hätten ihr Risikomanagement und ihre Liquiditätsplanung seitdem deutlich weiterentwickelt. Zudem hätten sie ihre Lieferantenportfolios ausgeweitet. Auch seien die Preise noch weit von den damaligen Höchstwerten entfernt.

"Trotzdem bleibt eine solide Liquiditätssteuerung gerade in volatilen Marktphasen ein wichtiger Erfolgsfaktor", sagt Rupp. Für Stadtwerke bedeutet das, neben der Beschaffung auch die notwendigen Sicherheiten im Blick zu behalten. Seit 2021/22 hätten viele Energieversorger aber eine Lernkurve beim Risikomanagement und bei der Liquiditätsplanung durchlaufen. Eine höhere Volatilität könne den Bedarf an Sicherheiten dennoch erneut erhöhen.

Preisrisiken bleiben weiter bestehen

Für das dritte und vierte Quartal bleibt das Aufwärtsrisiko am Gasmarkt nach Einschätzung von Rupp bestehen. Entscheidend seien der weitere Verlauf des Iran-Konflikts, die Entwicklung der LNG-Lieferungen, die Geschwindigkeit der Speicherbefüllung und die Witterung zum Start der Heizperiode. EWE Trading betrachte deshalb verschiedene Szenarien – von einer Entspannung mit sinkenden Risikoprämien bis hin zu einer Eskalation mit deutlich höheren Preisen.

Ob die aktuellen Preisrisiken im Terminmarkt bereits ausreichend eingepreist seien, hänge nach Rupps Worten davon ab, wie sich die geopolitische Lage und die physische Versorgung entwickelten. "Grundsätzlich berücksichtigt der Terminmarkt die derzeit bekannten Risiken“, sagt er. Ob die aktuelle Risikoprämie ausreiche, sei jedoch offen. Sollten sich die Risiken verschärfen, sei weiteres Aufwärtspotenzial bei den Preisen durchaus möglich. Ein andauernder Rückgriff auf die Ölreserven, weiter unterdurchschnittliche Speicherfüllstände und ausbleibende LNG-Lieferungen aus Katar könnten zudem die Wettbewerbssituation zwischen Europa und Asien verstärken.

Versorgung entscheidet über Preisreaktion

Für die Preisentwicklung ist nach Rupp nicht allein die Dauer des Iran-Konflikts ausschlaggebend. Entscheidend seien seine Auswirkungen auf die Energieversorgung. "Solange LNG-Produktion und Transport weitgehend unbeeinträchtigt bleiben, muss ein längerer Konflikt nicht automatisch zu steigenden Preisen führen", sagt er. Komme es dagegen zu Störungen wichtiger Transportwege oder Lieferketten, würde der Markt sehr schnell mit höheren Preisen reagieren.

Auch Finanzmarktteilnehmer, wie Hedgefonds, beeinflussten die kurzfristige Entwicklung. Sie könnten durch Spekulationen Preisbewegungen verstärken, seien aber in der Regel nicht deren Ursache. Bei einer weiteren Eskalation dürfte die Marktvolatilität zunehmen – und damit auch die Handelsaktivität.

Auswirkungen auf den Strompreis

Der Einfluss des Gasmarkts auf den Strommarkt erfolgt laut Rupp vor allem über den Gaspreis, das Wetter und den europäischen Energiemix. Solange Gaskraftwerke den Strompreis in vielen Stunden bestimmten, wirkten sich steigende Gaspreise auch auf den Strommarkt aus. Sollte der Konflikt anhalten und die Gasversorgung beeinträchtigen, wären höhere und volatilere Strompreise wahrscheinlich. Bleibe die physische Versorgung dagegen stabil, könnten sich die Märkte trotz anhaltender politischer Unsicherheit wieder beruhigen.

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