Die Stadt Hamburg erhält für 2025 eine Gewinnabführung von über 130 Millionen Euro.

Die Stadt Hamburg erhält für 2025 eine Gewinnabführung von über 130 Millionen Euro.

Bild: © Kara/AdobeStock

Der Hamburger Verteilnetzbetreiber Hamburger Energienetze hat 2025 ein Ergebnis nach Steuern von 131,6 Millionen Euro erzielt. An die Stadt floss eine Gewinnabführung von 130,4 Millionen Euro. Das entspricht nach Angaben des Unternehmens einem Plus von 21,5 Prozent gegenüber 2024. Gleichzeitig steigen die Investitionen – und mit ihnen der Druck auf das Netz: Für sehr große Stromanschlüsse führt das Unternehmen deshalb das "Fairgrid"-Verfahren ein.

Ergebnis 2025

2025 war für die Hamburger Energienetze nach eigenen Angaben erneut ein erfolgreiches Jahr. Das Ergebnis nach Steuern lag bei 131,6 Millionen Euro. Die Gewinnabführung an die Stadt belief sich auf 130,4 Millionen Euro.

Treiber der Entwicklung waren unter anderem höhere Netznutzungserlöse, eine höhere genehmigte Erlösobergrenze sowie gestiegene Durchleitungsmengen. Gleichzeitig stiegen die Aufwendungen – etwa für Material, Kosten aus dem vorgelagerten Netz, Personal, Konzessionsabgabe und Abschreibungen.

Höhere Gewinnabführung als 2024

Die Hamburger Energienetze beziffern die Gewinnabführung 2025 auf 130,4 Millionen Euro und sprechen von einer Steigerung um 21,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rechnerisch läge die Abführung 2024 damit bei rund 107,3 Millionen Euro (Abweichungen sind je nach Abgrenzung und Rundung möglich).

Kein "Windhundprinzip" mehr

Mit dem "Fairgrid"-Projekt stellen die Hamburger Energienetze ihr Anschlussmanagement für sehr große Stromverbraucher um. Hintergrund sind stark gestiegene Leistungsanfragen, die bei knappen Kapazitäten nicht mehr nach Antragsreihenfolge vergeben werden sollen.

Das Kernproblem aus Sicht der Hamburger Energienetze: Der aktuelle Leistungsbedarf in der Hansestadt liegt nach Angaben des Vorstands bei rund 1800 Megawatt – das ist die "Basis" zur Versorgung der Bestandskunden. Gleichzeitig seien Anschlussanfragen für neue oder zusätzliche Leistungen inzwischen "bei über 2700 Megawatt" angekommen; noch "vor ein paar Monaten" habe der Wert bei 2000 Megawatt gelegen.

"Seit letztem Sommer 2025" steige die Zahl der Anfragen deutlich. Treiber seien "wesentlich Batteriespeicher, Rechenzentren", aber auch die industrielle Nachfrage. Die Situation sei nicht nur ein Hamburger Phänomen: In Berlin, Frankfurt, Duisburg oder Bremen seien ähnliche Engpässe teils früher aufgetreten. Dort hätten Netzbetreiber bereits Vergabeverfahren eingeführt.

In Hamburg habe sich die Lage zuletzt verschärft, weil die Kapazitätsverstärkung aus dem vorgelagerten Netz unsicherer geworden sei. Der Vorstand sprach von "Klarheit zu Unklarheit" mit Blick darauf, wann Transformatoren zur Verstärkung tatsächlich kommen.

Repartierung statt "First come, first serve"

Bislang wurden knappe Kapazitäten in der Praxis nach Antragsreihenfolge vergeben: "Windhundverfahren, First come, first serve". Unter Engpassbedingungen sei das problematisch, weil frühe Anträge knappe Ressourcen aufbrauchen würden und spätere Antragsteller leer ausgingen.

Als Leitplanke verwies der Vorstand auf den Grundsatz: "Im Falle eines Kapazitätsmangels besteht grundsätzlich eine Verpflichtung zur Aufteilung der physischen Gesamtkapazitäten".

Deshalb stellt das Unternehmen auf ein Repartierungsverfahren um. Betroffen sind nur Anschlüsse über 1,5 MVA – also große Hochspannungskunden und größere Mittelspannungskunden. Für niedrigere Leistungen soll es beim bisherigen Verfahren bleiben. Nach Darstellung der Hamburger Energienetze sind "über 99 Prozent" der Anschlussanfragen nicht betroffen.

Start im Sommer, dann Jahreszyklus

Das Repartierungsverfahren soll zyklisch aufgesetzt werden – beginnend mit der Kapazitätsermittlung, dann Angebotsphase und Annahme durch Kunden. Starten wolle man "im Laufe dieses Sommers". Zugleich räumte der Vorstand ein: "Der Teufel steckt im Detail" – an der Feinjustierung arbeite das Unternehmen noch.

Schutzmechanismus für Daseinsvorsorge

Im Gespräch mit Journalisten ordnete die Geschäftsführung Fairgrid als Schutzmechanismus ein: Das Verfahren solle sicherstellen, dass Kapazität "gerade für die Daseinsvorsorge" in der Niederspannungsebene verfügbar bleibt – etwa für Wärmepumpen und Elektromobilität. Einzelfälle in Wohngebieten, in denen lokale Strukturen verstärkt werden müssen, seien eher technische Altbestände als ein generelles Kapazitätsverbot.

Investitionen bei 582 Millionen Euro

Auf Rekordniveau bewegen sich auch die Investitionen des Verteilnetzbetreibers. 2025 investierte das Unternehmen 582 Millionen Euro und übertraf den Vorjahreswert damit um 77 Millionen Euro. Den Schwerpunkt bildete das Stromnetz: Über 400 Millionen Euro flossen nach Angaben der Geschäftsführung allein in diesen Bereich.

Die Investitionskurve soll weiter nach oben zeigen. Zur Finanzierung verwies das Unternehmen unter anderem auf einen Rahmenvertrag mit der Europäischen Investitionsbank (EIB). Rund 28 Prozent der geplanten Gesamtfinanzierung bis 2029 stamme aus diesem Rahmenvertrag. 2025 seien 229 Millionen Euro der Investitionen über diese Finanzierung gelaufen – etwa für Kabelerneuerungen sowie den Neubau und die Erneuerung von Umspannwerken.

Netzentgelte: Investitionen treiben Kosten

Höhere Investitionen in das Stromnetz bedeuten nach Darstellung des Unternehmens "erst einmal perspektivisch höhere Netznutzungsentgelte". Ein großer Teil der Netzentgelte basiere zudem auf vorgelagerten Übertragungsnetzentgelten; "über ein Drittel" entfalle allein darauf.

Dämpfend habe 2025 ein Zuschuss in Höhe von 6,5 Milliarden Euro an die Übertragungsnetzbetreiber gewirkt. Wenn dieser Zuschuss künftig wegfalle, bedeute das "schon alleine höhere Netzentgelte".

Zugleich verweist das Unternehmen auf den langfristigen Effekt steigender Lasten und Mengen: Mehr Durchleitung könne Kosten künftig breiter verteilen. Das sei aber "ein Blick in die Glaskugel" – ein Rückgang der Netzentgelte sei kurzfristig nicht zu erwarten.

Ausblick 2026: Engpässe nicht nur im Netz

Für 2026 und die Folgejahre erwartet das Unternehmen Engpässe nicht nur bei Netzkapazitäten, sondern auch bei Ressourcen. Asset-Manager Michael Dammann nannte Personal, Finanzbedarf und vor allem Flächen beziehungsweise Standorte als kritische Faktoren. Neue Infrastruktur müsse in der Stadt untergebracht werden: Er sprach von rund "15 Umspannwerken" in den nächsten Jahren.

Beim Leitungsbau werde bereits heute in Ersatzinvestitionen Kapazität mitgedacht. 2025 seien fast 30 Kilometer Hochspannungskabel verlegt worden, künftig wolle man auf 40 bis 45 Kilometer kommen. Zusätzlich arbeiten die Hamburger Energienetze an Digitalisierung und Netzintelligenz – unter anderem mit Sensorik und einer Datenplattform – um Netze besser zu überwachen und perspektivisch flexibler zu nutzen.

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