Die Kurstadt Bad Orb im Spessart plant derzeit den Bau eines Zentrums für Waldtherapie und Waldbaden.

Die Kurstadt Bad Orb im Spessart plant derzeit den Bau eines Zentrums für Waldtherapie und Waldbaden.

Bild: © Travelpeter/AdobeStock

Von Elwine Happ-Frank

In einem offenen Brief und einer zweiseitigen Anzeigenkampagne in deutschen Tageszeitungen haben sich am Wochenende Vertreter der hessischen Gemeinde Bad Orb und dortiger Wellness- und Kurunterunternehmen an das dänische Energieunternehmen Ørsted gewandt. Ziel ist es, die von der Regionalplanung am benachbarten Horstberg vorgesehene Windenergienutzung zu verhindern, um dort neue Kur- und Wellnessanlagen zu errichten.

Die Anzeigen in "Bild am Sonntag", "Süddeutsche Zeitung", "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" sowie in den dänischen Zeitungen "Berlingske" und "Politiken" enthalten auch einen offenen Brief der Gemeinde Bad Orb. In dem Schreiben an den "lieben Energiekonzern Ørsted" führen die Unterzeichner an, dass die Windkraftanlagen den Kurstandort gefährden. Nach derzeitiger Planung sind laut Orsted bis zu acht Windkraftanlagen geplant – mit einem Abstand zur Stadt Bad Orb von drei Kilometern.

Die Gemeinde ihrerseits will auf dem "Orber Hausberg" einen Kur- und Heilwald zur waldtherapeutischen Nutzung schaffen. Das habe die Stadtverordnetenversammlung Anfang Juni 2024 einstimmig beschlossen, heißt es in der Anzeige. Außerdem sieht die Kommune in den Aktivitäten von Orsted eine Missachtung des demokratischen Grundverständnisses.

Statement zur Anzeigenkampagne

In einem am Sonntag auf der Webseite von Ørsted veröffentlichten Statement weist der Konzern die in der Medienveröffentlichung von Bad Orb enthaltenen Anschuldigungen zurück. Das Unternehmen widerspricht auch der in dem offenen Brief geäußerten Forderung, das Windprojekt bis Ende des ersten Quartals 2025 aufzugeben.

"Dem will und kann Ørsted nicht entsprechen, weil das im Gegensatz zu den regionalplanerischen Zielen des Landes Hessen und den Vorgaben des Landesbetriebs HessenForst stehen würde", sagte Stefan Bachmaier, Geschäftsführer von Ørsted Onshore Deutschland.

Der geplante Windpark Bad Orb/Jossgrund befindet sich innerhalb eines durch Bundes- und Landesgesetze ausgewiesenen Windvorranggebiets in Hessen, führt Ørsted in seiner Stellungnahme aus. Die Festlegung dieser Flächen erfolgte nicht, wie von Bad Orb behauptet, "über die Köpfe der Menschen hinweg", sondern im Rahmen eines rechtsstaatlichen Verfahrens nach demokratischen Prinzipien. In diesem habe die zuständige Regionalversammlung den Regionalplan unter Beteiligung der Bevölkerung und auch der Gemeindegremien in eigener Verantwortung aufgestellt.

Finanzielle Beteiligung der Bürger

Die Fläche, um die es geht, gehört dem Landesbetrieb HessenForst, der ausdrücklich eine Nutzung der Windenergie vorsehe. In einem wettbewerblichen Auswahlverfahren wurde Ørsted Onshore Deutschland von HessenForst mit der weiteren Umsetzung des Vorhabens betraut.

Zudem hat sich Ørsted gegenüber HessenForst dazu verpflichtet, für den Windpark Jossgrund eine Teilhabe der Bürger:innen zu ermöglichen. Dafür bietet das Unternehmen verschiedene Beteiligungsmodelle an, die auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmt werden. Darüber hinaus können die Standortgemeinden laut EEG mit festen Einnahmen von insgesamt bis zu sechs Millionen Euro aus dem Windprojekt rechnen. 

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