Der EWE-Aufsichtsrat reagiert zurückhaltend auf die neue Entwicklung nach drei Jahren Ermittlungen.

Der EWE-Aufsichtsrat reagiert zurückhaltend auf die neue Entwicklung nach drei Jahren Ermittlungen.

Bild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die Staatsanwalt Oldenburg hat einen früheren und einen aktiven Vorstand des Energieversorgers EWE angeklagt wegen einer Spende an die Stiftung von Ex-Box-Profi Wladimir Klitschko. Der Vorwurf laute auf Untreue, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Die Manager hätten im Oktober 2016 bei der Spende von 253.000 Euro an die Klitschko-Foundation in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gegen EWE-interne Regeln verstoßen. Über die Eröffnung des Verfahrens müsse nun die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Oldenburg entschieden, hieß es in der Mitteilung.

Der Streit über diese Spende hatte den großen nordwestdeutschen Energieversorger EWE monatelang beschäftigt und im Februar 2017 zur Abberufung des damaligen Vorstandsvorsitzenden geführt. Ihm wurde vorgeworfen, er hätte den Finanz- und Prüfungsausschuss des EWE-Aufsichtsrates über die hohe Spende informieren müssen.

Klitschko-Foundation zahlte Teil der Spende zurück

Der Manager argumentierte, die Spendenregeln bei EWE seien erst später und mit seiner Mitwirkung verschärft worden. Er ließ diese Auffassung auch in einem eigenen Rechtsgutachten untermauern. Der zweite Beschuldigte, das jetzt noch aktive EWE-Vorstandsmitglied, soll den Zuwendungsbescheid damals mitunterzeichnet haben.

Im Juni 2017 zahlte die Klitschko-Foundation aus der Spende 124.900 Euro zurück. Die wohltätige Stiftung, gegründet von dem jüngeren Klitschko-Bruder, hilft Kindern in seiner Heimat Ukraine.

EWE-Aufsichtsrat reagiert zurückhaltend

Der EWE-Aufsichtsrat reagierte zurückhaltend auf die neue Entwicklung nach drei Jahren Ermittlungen. "Wir haben die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Oldenburg zur Kenntnis genommen und sehen nun den Entscheidungen des Landgerichts entgegen", sagte der Vorsitzende des Gremiums, der ehemalige Leerer Landrat Bernhard Bramlage. "Die EWE AG hat den Sachverhalt um die Spende umfassend durch einen externen Prüfer untersuchen lassen, die Feststellungen bewertet und in die Entscheidungen über notwendige Konsequenzen einbezogen."

In der Anklage legt die Staatsanwaltschaft dem Ex-Vorstand auch private Untreue zur Last. Er soll in zwei Fällen private Gäste auf Firmenkosten bewirtet haben. 2016 sei EWE ein Schaden von knapp 12.000 Euro entstanden, weil er zwölf befreundete Mitglieder eines Vereins für drei Tage nach Oldenburg einlud. 2017 nahm der Vorstand der Klageschrift zufolge private Gäste mit zum Opernball in Oldenburg, ohne die Kosten von 6300 Euro selbst zu tragen.

Menschen der Region fühlen sich als "Miteigentümer der EWE"

Zwischen EWE und dem Manager läuft auch noch ein Zivilverfahren, in dem er auf Unwirksamkeit seiner Kündigung klagt. EWE versorgt im Nordwesten Deutschlands und in Brandenburg etwa zwei Millionen Kunden mit Strom, Gas und Telekommunikation.

Die nicht börsennotierte AG gehört überwiegend den Städten und Landkreisen im Nordwesten. Die Menschen der Region fühlten sich als "Miteigentümer der EWE", kommentierte die "Nordwest-Zeitung" in Oldenburg damals die Affäre. "Glamour, Autokratie, ein lässiger Umgang mit Geld - so etwas passt nicht zur EWE." (dpa/hil)

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