Mit der EU DSO Entity, kurz EUDE, sollen die Stellung und die Mitwirkungsmöglichkeit der Verteilnetzbetreiber (VNBs) auf europäischer Ebene gestärkt werden. Künftig sollen sie über eine Mitgliedschaft bei EUDE auch direkt an der Entwicklung von Netzkodizes und Leitlinien für VNBs mitwirken können.
Seit diesem Sommer können sich VNBs für die Mitgliedschaft in EUDE über ein Webportal registrieren. Insgesamt sei das Interesse erfreulich hoch, sagte Gert De Block, Generalsekretär von CEDEC (European Federation of Local Energy Companies), im Gespräch mit der ZfK.
Großes Interesse kleinerer Stadtwerke - doch Registrierungsprobleme
Es hätten sich schon über 500 VNBs als Mitglieder angemeldet, davon rund 400 kleine und mittelgroße Stadtwerke, die vor allem bei CEDEC als einem von vier europäischen Dachverbänden für Energieversorger organisiert sind.
Allerdings laufe der Registrierungsprozess, der eigentlich am 31. Dezember dieses Jahres enden sollte, schon seit mehreren Wochen nicht rund, berichtet De Block. "Alle Unternehmen die sich auf der Webseite anmeldeten, haben noch keine Anmeldebestätigung erhalten und viele konnten sich nicht anmelden, weil die Webseite nicht richtig funktionierte", so De Block.
Enorm wichtig, dass Stadtwerke bei EUDE mitmachen
Einen exakten Zahlenüberblick habe er allerdings nicht, räumt De Block ein, weil sich nicht alle betroffenen Unternehmen bei CEDEC meldeten. Bauchschmerzen macht ihm vor allem, dass Stadtwerke aufgrund Registrierungsprobleme gefrustet sind und dann lieber gleich auf eine erneute Anmeldung bzw. Mitgliedschaft bei EUDE verzichten.
"Dabei ist ja enorm wichtig, dass sich gerade auch Stadtwerke bei EUDE engagieren und auf EU-Ebene wichtige Rahmenbedingungen mitgestalten", betont De Block.
Versuchte Beeinflussung der Machtverteilung bei EUDE
Verärgert zeigt er sich allerdings darüber, dass EDSO (ein Verband der große, aber vergleichsweise wenige VNBs vertritt) die Probleme mit der Registrierung über Wochen auch im direkten Gespräch nicht kommunizierte und sich nicht aktiv um eine Lösung kümmerte. EDSO übernahm im Sommer die Domain von EUDE sowie das Management der Webseite, "mit unserem Vertrauen", so De Block.
Er sieht in dem holprigen Anmeldeprozess allerdings auch Absicht, um so die Machtverteilung in den Beschlussgremien von EUDE zu beeinflussen. Offensichtlich werde so versucht zu verhindern, dass zu viele kleinere und mittelgrosse Stadtwerke Stimmrecht und Entscheidungen in der neuen Organisation so maßgeblich beeinflussen könnten, so De Block.
Registrierungsprobleme sollen zügig gelöst werden - verlängerte Anmeldefrist
Insgesamt vertrete CEDEC rund 1.500 von insgesamt circa 2.500 VNBs in Europa. Gründungsmitglied ist unter anderem der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). CEDEC Präsident ist Florian Bieberbach, der Chef der Stadtwerke München (SWM). Weitere Verbände auf europäischer Ebene, in welchen auch VNBs organisiert sind GEODE sowie Eurelectric.
Doch blickt De Block nun nach vorne. Vergangene Woche habe ein Abstimmungstreffen mit den anderen Verbänden stattgefunden und man sei sich einig, dass die Registrierungsprobleme zügig angegangen und gelöst werden. Zudem habe man sich darauf verständigt, die Anmeldefrist für die Mitgliedschaft bei EUDE mindestens bis 31. Januar 2021 zu verlängern.
Neuer unabhängiger Interims-Geschäftsführer bei EUDE
Hoffnungsfroh stimmt De Block auch, dass ein unabhängiger Interims-Geschäftsführer von EUDE, der am 1. November sein Amt antrat, sich stark um eine Lösung bemühe. (hcn)