Die Biomethananlage in Brandis bei Leipzig

Die Biomethananlage in Brandis bei Leipzig

Bild: © Baywa.r.e

Die Nachricht zum Schutzschirmverfahren, in das sich bmp greengas begeben hat, hat viele Stadtwerke überraschend getroffen. Positiv dabei: Das Unternehmen will die Sanierung in Eigenverwaltung bewerkstelligen.

Weniger gut: Der altehrwürdige Rechtsgrundsatz, dass Verträge eingehalten werden (müssen), soll dafür ausgesetzt werden. Viele Stadtwerke fühlen sich aufgrund mangelnder Alternativen und kurzer Frist nun unter Druck gesetzt.
 

Grundsätzlich haben Marktteilnehmer zuletzt steigende Mengen abgerufen, die zwar vertraglich zugesichert, aber nicht vorhanden waren. Es ist zu wenig Biomethan im Markt, das den Anforderungen entspricht. Insbesondere die Nachfrage des Verkehrssektors wuchs hier deutlich.

Das Dilemma der Stadtwerke

Vor allem zwei Faktoren wirken sich für Stadtwerke limitierend aus: Im Falle einer EEG-Vergütung bei der Verstromung/Wärmeerzeugung in BHKW müssen Stadtwerke bis zum 28. Februar des Folgejahres nachweisen, dass inländisches Biomethan zur Stromerzeugung genutzt wurde.

Sollten vertragliche Lieferverpflichtungen Kunden gegenüber eingegangen worden sein, beispielsweise Wärme mit einem definierten Primärenergiefaktor (PEF) zu liefern, steigt der PEF bei ausfallendem Biomethan. Wärme wird damit weniger grün, die betroffenen Kundinnen und Kunden können dann ihre eigenen Anforderungen etwa an eine laufende KfW-Förderung nicht erfüllen. In beiden Fällen können ausfallende, aber bereits eingeplante Biomethanlieferungen nicht kurzfristig vollumfänglich ersetzt werden.

"Mangelnde Wirtschaftlichkeit neuer Biogasanlagen"

Ein wesentlicher Faktor, der sich in Deutschland limitierend auf die Biomethanverfügbarkeit auswirkt, ist die mangelnde Wirtschaftlichkeit neuer Biogasanlagen. Zwar hat die Nachfrage in den vergangenen Monaten deutlich angezogen. Dies hat aber nicht zu vermehrten Projektierungen von Biogasanlagen geführt. Während sich Importe von Biomethan in den letzten fünf Jahren mehr als verhundertfacht haben, blieb doch die Einspeisemenge demgegenüber konstant.

Auch die bisher durchgeführten Ausschreibungen für Biogasanlagen spiegeln das wider: Sie waren stets deutlich unterzeichnet. Parallel kommt die Struktur der Biogasnutzung in Deutschland der Nachfrage derzeit zudem eher nicht entgegen: Nur etwa 250 von insgesamt 10.000 Biogasanlagen bereiten überhaupt Biomethan für die Einspeisung in das Gasnetz auf. Damit decken sie bloß ein Prozent des deutschen Gasbedarfs.

Die deutschen Nachbarn gehen hier anders vor: Polen will über seinen Gas- und Ölprimus PNiG in den beiden folgenden Dekaden 20 Milliarden Euro in Biogasanlagen investieren, die letztlich 20 Prozent des polnischen Gasbedarfs decken könnten. Auch Dänemark geht mit großen Schritten voran, bis 2034 sollen 100 Prozent des dänischen Gasbedarfs aus Biogas kommen.

Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (Asew) erreichten in den vergangenen Tagen und Wochen zahlreiche direkte Anfragen zu dem Thema. Aufgrund des großen Informationsbedarfs wird für Mitgliedsstadwerke am Dienstag, 4. Juli, ein Webinar zum Erfahrungaustausch angeboten.

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