Die Zahlen stimmen: Die Thüga AG hat im abgelaufenen Jahr ihr Beteiligungsergebnis von 369 Millionen Euro im Vorjahr auf über 422 Millionen Euro gesteigert. Die Thüga-Gruppe habe sich dabei in einem Marktumfeld, das von geopolitischen Umbrüchen, regulatorischem Druck und hohem Investitionsbedarf geprägt sei, behauptet, teilte das über 100 Kommunalversorger umfassende Konsortium mit.
Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (adjusted Ebit) des Thüga Holding-Konzerns lag 2025 bei 440,6 Millionen Euro und damit unter dem Vorjahreswert von 598,8 Millionen Euro. "Der Rückgang resultiert im Wesentlichen aus der im Vergleich zum Vorjahr niedrigeren Wertfortschreibung der nach der Equity-Methode bilanzierten Partnerunternehmen – und ist nicht Ausdruck operativer Schwäche", ordnete Anne Rethmann, Finanzvorständin der Thüga, den Wert ein.
Beteiligungsgesellschaften mit guter Performance
Als wesentliche Treiber für die positive Entwicklung hatte die Thüga unter anderem höhere Ausschüttungen und Ergebnisabführungen einzelner Beteiligungsgesellschaften identifiziert. 2025 hat die Thüga mit dem Zukunftsprogramm "Horizonte+2030" den Thüga-Verbund strategisch weiterentwickelt. "Unsere Aufgabe ist nicht nur, Beteiligungen zu halten, sondern die Leistungsfähigkeit im Verbund zu verbessern", sagte Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Thüga, bei der Vorstellung des Geschäftsergebnisses.
2025 investierten die Unternehmen der Thüga-Gruppe 3,9 Milliarden Euro in die kommunale Energieversorgung. "Im Verbund können auch kleinere Stadtwerke Vorhaben realisieren, die sie allein nicht darstellen könnten", so Alsheimer. Um regionale Kooperationsprojekte gezielt voranzutreiben, habe Thüga vier Leiter der Regionen eingesetzt. Sie sollen den Austausch vor Ort stärken und die Beteiligungsunternehmen dabei unterstützen, gemeinsame Vorhaben schneller umzusetzen.
Die teure Transformation
Bei der Transformation und Dekarbonisierung der Energieversorgung kommt vor allem auf die kommunal verankerten Energieunternehmen eine tragende Rolle zu, teilte die Thüga weiter mit. Der Kapitalbedarf sei erheblich. Sie verweist auf eine Studie von PwC Deutschland im Auftrag der KfW, die bei Strom- und Gasverteilnetzen sowie der netzgebundenen Wärmeversorgung bis 2045 einen Investitionsbedarf von insgesamt 535 Milliarden Euro sieht.
Die kommunalen Unternehmen stehen damit "vor einer historisch einmaligen Investitionswelle – und gleichzeitig vor einem Transformationsdruck, der die Kapitalbindung massiv erhöht", heißt es dazu im Geschäftsbericht. "Perspektivisch verlassen wir zunehmend die herkömmliche rein lokale Bankenfinanzierung", sagte Finanzvorständin Rethmann.

Das Know-how für die Transformation haben die kommunalen Unternehmen – es darf nicht am Kapital scheitern.
Anne Rethmann
Finanzvorständin der Thüga Gruppe
Die Thüga habe deshalb konkrete Unterstützungsangebote entwickelt, um die Finanzierungsfähigkeit ihrer Partnerunternehmen gezielt zu stärken. Denn "das Know-how für die Transformation haben die kommunalen Unternehmen – es darf nicht am Kapital scheitern", sagt Rethmann.
Die Aufgabe ihres Unternehmens sieht die Finanzvorständin darin, sowohl die Innenfinanzierung als auch die Fremdfinanzierungsfähigkeit der Stadtwerke zu stärken. Wichtig dabei: "Wer die Transformation finanzieren will, muss Finanzierung neu denken", so Rethmann weiter. Wenn sich "die Investitionsvolumina pro Jahr verdreifachen, stoßen klassische Finanzierungswege an ihre Grenzen", ergänzt im Geschäftsbericht Johannes Anschott, Vorstandsmitglied der BayernLB.
Neben den "klassischen" Finanzierungsbausteinen bringe die Thüga deshalb auch neue ins Gespräch. Dazu zählen neben Working-Capital-Lösungen auch Bürgerbeteiligungsmodelle sowie Off-Balance-Finanzierungen, über die gezielt private Investoren eingebunden werden können. Zugleich rückt laut Thüga die Kombination von Instrumenten wie Kernbank, Kapitalmarkt, Schuldschein und Projektfinanzierung in den Fokus.
Aktuell entwickelt Thüga eine Plattform, um solche Vorhaben zu unterstützen. Als Beispiel nennt die Thüga eigenständige Infrastrukturvorhaben wie eine Energieerzeugungsanlage oder Umspannwerke. Beim Aufbau der Plattform habe das Thüga‑Treasury "insbesondere die Sektoren Elektrizität und Wärme im Blick". Das Paket enthalte "standardisierte Vertragswerke, transparente Governance-Strukturen und eine sorgfältige Abstimmung von Laufzeiten und Renditeerwartungen", heißt es dazu ergänzend im Geschäftsbericht.



