
Start-ups in Deutschland haben im vergangenen Jahr so viel Geld eingeworben wie nie zuvor. Junge Firmen erhielten laut einer neuen Studie die Rekordsumme von fast 17,4 Milliarden Euro Risikokapital von Investoren - mehr als dreimal so viel wie im Corona-Krisenjahr 2020 (5,3 Mrd). Im Energiebereich tätige Start-ups verzeichneten dabei mit 1,3 Mrd. Euro einen sehr hohen Zustrom an Risikokapital, 2020 hatte die Summe noch bei nur 57 Mio. Euro gelegen, wie die Beratungsgesellschaft EY mitteilte.
Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg bundesweit über alle Branchen hinweg kräftig um 56 Prozent auf 1160. Im Energiebereich erhöhte sich die Zahl der Kapitalerhöhungen in Folge von Wagniskapitalfinanzierungen von 17 auf 37.
Fünf große Deals sorgen für großen Schub im Energiesektor
Vor allem große Transaktionen trugen zu dem enormen Zuwachs an Finanzierungen junger, technologiebasierter Unternehmen im Energiebereich bei. Allein auf das Ladeinfrastruktur-Joint-Venture Ionity entfielen 700 Mio. Euro, weitere 130 Mio. auf Enpal und 109 Mio. Euro auf Sunfire. Allein die fünf größten Deals im Energiebereich ergeben zusammen eine Summe von 1,1 Mrd. Euro.
"Geschäftsmodelle rund um E-Mobilität, Nachhaltigkeit, CO2-Reduzierung haben eine immer größere Relevanz und werden von einem wachsenden gesellschaftlichen Konsens getragen. Das beflügelt insbesondere diejenigen Start-ups, die hier entsprechende Innovationen entwickelt haben", erklärte EY-Partner Thomas Prüver auf ZfK-Anfrage.
Generell sammelten Gründer in Berlin das mit Abstand meiste Geld ein, gefolgt von Bayern. Sie lagen auch bei den großen Deals vorne. Das meiste Risikokapital floss in junge Firmen aus den Branchen Finanzen, Online-Handel und Software.
Start-ups profitieren von Digitalisierungsschub in Pandemie
Start-ups mit ihren meist technologiebasierten Geschäftsmodellen profitieren davon, dass die Digitalisierung in der Pandemie einen Schub bekommen hat. Ob Homeoffice, Online-Shopping, Streaming, Essenslieferungen oder Finanzgeschäfte - Corona verstärkt Trends.
«Die Pandemie erweist sich immer mehr als Katalysator für einen Start-up-Finanzierungsboom», so Prüver. Immer mehr Start-ups kämen an frisches Geld und die Summen stiegen rasant. So habe sich die Zahl großer Deals mit mehr als 100 Millionen Euro Volumen 2021 vervierfacht. Dazu komme ein großer Anlagedruck bei Investoren. «Es ist viel Geld im Markt.»
Bis vor wenigen Jahren seien Start-ups in einem relativ frühen Stadium verkauft worden, weil die benötigten Wachstumsfinanzierungen unsicher gewesen seien, so der EY-Partner weiter. "Mittlerweile werden die benötigten Finanzierungen immer öfter bereitgestellt. Das ist eine super Entwicklung, weil sich in Deutschland dadurch relativ große neue Unternehmen entwickeln können in zukunftsgerichteten, digitalen Geschäftsfeldern. Diese Unternehmen können auch international bestehen."
Berlin und Bayern weit vorne
Jedoch konzentrierten sich die Finanzspritzen für Gründer auf wenige Standorte. Nach Berlin flossen 10,5 Milliarden Euro Risikokapital, damit kam die Gründerhochburg allein auf 60 Prozent Marktanteil. Nach Bayern gingen 4,4 Milliarden Euro (26 Prozent Marktanteil). Andere Bundesländer verbuchten zwar auch große Zuwächse, folgten aber mit viel Abstand - etwa Baden-Württemberg (599 Millionen Euro), Nordrhein-Westfalen (566 Mio) und Hamburg (459 Mio).
Bayern habe sich neben Berlin als Gründerstandort etabliert, sagte Prüver. «Für die anderen Start-up-Standorte ist es hingegen schwer, da mitzuhalten.»
Start-ups gelten als Innovationstreiber
Start-ups sind auf Investoren angewiesen, da sie anfangs keine Gewinne schreiben. Fonds und große Firmen stecken Kapital in junge Firmen in der Hoffnung, dass sich deren Geschäftsideen durchsetzen. Start-ups gelten als Innovationstreiber für die Wirtschaft. Jedoch sinkt seit Jahren die Zahl der Selbstständigen in Deutschland. Und bei der Finanzierung und Börsengängen von Start-ups liegt Deutschland weit hinter Ländern wie den USA und Großbritannien zurück.
Im vergangenen Jahr hatte die Corona-Pandemie den Aufschwung vieler Start-ups gebremst: Geldgeber hielten sich zurück, Finanzierungen platzten, die Geschäfte junger Firmen wurden mühsamer. Das große befürchtete Gründersterben blieb jedoch aus. (hoe/dpa)
