Für das Jahr 2024 rechnet Twaice unter anderem mit "tiefgreifenden Veränderungen in der Batterieproduktion und strategische Änderungen bei der Lieferkette", heißt es in der Prognose des 2018 gegründeten Münchener Spezialisten für Batterieanalytik.
Twaice Technologies, tiefgreifende Veränderungen in der Batterieproduktion, aber auch strategische Verschiebungen bei den Lieferketten. Hinzu sollen vielversprechende Fortschritte bei den Feststofftechnologie und Batterie-Energiespeichersystemen (BESS).
Auch das Thema Sicherheit werde in allen Segmenten deutlich an Bedeutung gewinnen, sagte Matthias Simolka, Produktmanager bei Twaice. Insgesamt hat er sechs zentrale Trends für die Entwicklung der Batterieindustrie ausgemacht.
Nachhaltigkeit in der Batterieproduktion
Die Marktanalysten erwarten im kommenden Jahr mit einem Anstieg der Batterieproduktion in Europa. Dies sei nicht nur eine Reaktion auf die Marktnachfrage, sondern ein strategischer Schachzug mit doppelter Zielsetzung, so Simolka. Zum einen wäre das die Reduktion der Abhängigkeit von externen Lieferanten. Zum anderen die Ausrichtung der europäischen Strategie auf die Nachhaltigkeitsziele.
"Die europäischen Batteriehersteller sind bereit, Nachhaltigkeit zu einem Eckpfeiler ihrer Unternehmensidentität zu machen, denn rein preislich werden sie mit chinesischen Herstellern nicht konkurrieren können", so Simolka. Die zunehmende Konzentration auf die Produktion von Lithium-Eisen-Phosphat (LFP)-Zellen in Europa sei dabei ein bemerkenswerter Aspekt dieses Trends.
Resiliente Lieferkettenstrategien notwendig
Die geopolitischen Faktoren, insbesondere Graphit-Exportbeschränkungen aus China, würden die Lieferkettendynamik 2024 stark beeinflussen. Das Schreckgespenst der "nationalen Sicherheit“ habe zu einer "grundlegenden Neubewertung der Batterielieferkette geführt", sagte Simolka. Sichere Lieferketten und die Lokalisierung kritischer Produktionsprozesse wären ein strategisches Manöver in Richtung Widerstandsfähigkeit und verringerte Anfälligkeit für externe Störungen.
Feststoffbatterietechnologie: Weitere Erprobungen
Für 2024 erwartet Twaice erhebliche Fortschritte bei der Feststoffbatterietechnologie, um die Batterien dieser Art 2023 in Autos einzusetzen. Hier seien allerdings Beschränkungen in der Lieferkette, insbesondere bei Graphitmaterialien und Raffineriekapazitäten zu beachten.
Den Schwerpunkt bei der Entwicklung der Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) sieht Simolka bei der Verlängerung der Lebensdauer von Großbatterien. Die Branche habe eine bemerkenswerte Verschiebung von 1-Stunden- zu 2-Stunden-Systemen erlebt, und dieser Trend werde sich voraussichtlich fortsetzen, wobei einige Systeme bis zu 4 Stunden erreichen können. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht das Streben nach zusätzlichen Möglichkeiten der Ertragssteigerung, wodurch die Systeme rentabler werden, wenn auch auf Kosten einer höheren Betriebskomplexität.
Lithium-Ionen-Batterien würden nach wie vor den Markt dominieren, aber 2024 könnte es mehr Projekte geben, die alternative Technologien einsetzen, wie beispielsweise Eisen-Redox-Flow-Batterien. Diese Alternativen könnten die wachsende Nachfrage nach Anwendungen mit langer Betriebsdauer und geringerer Leistungsdichte befriedigen und die BESS-Landschaft vielfältiger machen.
Sicherheit muss mit Branchenwachstum skalieren
Aufgrund der Erkenntnisse aus 2023 würden die Sicherheitserwägungen auch 2024 an erster Stelle stellen, sagte Simolka weiter. "Diese unterstrichen die kritische Notwendigkeit einer weiteren Verbesserung der Sicherheitsfunktionen, die sich mit dem Wachstum der Branche parallel weiterentwickeln müssen". 2024 werde ein Jahr intensiver Tests, Iterationen und Innovationen sein, um die Sicherheitsstandards zu stärken, so die Prognose von Simolka. (am)
