Die von der Bundesregierung zur Stützung der Konjunktur in der aktuellen Corona-Krise geplanten Maßnahmen sind aus Sicht von Aurora Energy Research und EnBW ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Das Energiemarkt-Analyseinstitut und das Energieunternehmen sehen zusätzlich die Chance, das beschlossene Konjunkturprogramm mit weiteren, langfristig orientierten Maßnahmen sinnvoll zu ergänzen, damit sich die deutsche Wirtschaft nachhaltig und auf breiter Front von der Corona-Krise erholen und die Rezession verkürzt werden kann. Ihre am Mittwoch veröffentlichte Studie verstehen Aurora und EnBW daher als Handlungsempfehlung für ein nachhaltiges Struktur- und Konjunkturprogramm, das weitere notwendige Maßnahmen zur Überwindung der Corona-Krise mit Weichenstellungen für ein zukunftsweisendes, nachhaltiges und wettbewerbsfähiges Wirtschaften in Deutschland verbindet.
Die Studie konzentriert sich auf Lösungen, die Wirtschaftswachstum ermöglichen, Arbeitsplätze schaffen, innovative Wirtschaftszweige und den Infrastrukturausbau voranbringen sowie CO2-Emissionen reduzieren. Insgesamt umfasst der Vorschlag 28 konkrete Maßnahmen in neun Themenfeldern – etwa für den Energiesektor, um den ins Stocken geratenen Ausbau der erneuerbaren Energien wirksam zu beschleunigen. Auch Transport und Verkehr, der Aufbau einer Wasserstoffindustrie, der Gebäudesektor oder die Dekarbonisierung der Industrie werden betrachtet.
Bedarf an Subventionen senken
Ein besonderes Augenmerk legen die Studienautoren neben Nachhaltigkeitsaspekten auf Möglichkeiten der Digitalisierung sowie auf Breitbandausbau und Cybersicherheit – diese Technologien seien für ein zukunftsweisendes und klimafreundliches Wirtschaften ebenso grundlegend wie die CO2-neutrale Energieerzeugung. Insgesamt sind die vorgeschlagenen Maßnahmen aus Sicht von Aurora und EnBW geeignet, die langfristige Wirksamkeit des Konjunkturpakets der Bundesregierung zu steigern und den Bedarf an staatlichen Subventionen zu senken.
Die Experten erkennen in der jetzigen Situation „die einmalige Gelegenheit, eine wichtige Weichenstellung in Richtung zukunftsweisender Technologien, Geschäftsfelder und Wirtschaftsmodelle anzustoßen“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. So hat die Corona-Krise akuter denn je die Relevanz eines flächendeckenden Breitbandausbaus aufgezeigt. Zudem ist die stärkere Nutzung digitaler Infrastruktur ohne entsprechende Cyber-Sicherheitskonzepte nicht denkbar.
EU-weites Gesamtkonzept
Die Basis für alle folgenden Vorschläge der Studie ist der weitere Ausbau erneuerbarer Energien – denn ohne CO2-freien Strom können weder E-Mobilität und Wasserstoffwirtschaft klimafreundlich sein, noch die Industrie und der Gebäudesektor dekarbonisiert werden. Allerdings sei der Zubau an Windenergie- und Solaranlagen in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. Berechnungen von Aurora zeigen, dass das Ziel der Bundesregierung von 65 Prozent erneuerbaren Energien bis 2030 um rund 14 Prozentpunkte verfehlt würde, wenn nicht rasch gegengesteuert wird.
Die Studienautoren schlagen daher für den Energiesektor Maßnahmen vor, die in erster Linie die Flächenverfügbarkeit sicherstellen und Genehmigungsverfahren vereinfachen und beschleunigen sollen. Hinzu kommt, dass die Politik klare Vorgaben in Bezug auf die Zubau-Volumina machen und diese auch langfristig festlegen müsse, um Planungssicherheit für die Branche zu schaffen. Im Sinne der Ganzheitlichkeit sollte das Vorgehen zudem in ein EU-weites Gesamtkonzept eingebunden werden.
Mehr Intelligenz im Energiesystem
Neben dem Stromsektor betrachtet die Studie auch Themenfelder wie Transport und Verkehr, den Aufbau einer Wasserstoffindustrie, die Dekarbonisierung der Industrie oder den Gebäudesektor – immer mit Blick auf die engen Wechselwirkungen zwischen den vorgeschlagenen Maßnahmen: So sei es für die Umstellung auf E-Mobilität nicht nur nötig, die Ladeinfrastruktur aufzubauen, wie es das Eckpunktepapier der Bundesregierung vorsieht. Vielmehr brauche es auch Anreize für eine intelligente Netzinfrastruktur, die es erlaubt, die Ladevorgänge in ein erneuerbares Stromsystem netzdienlich einzubinden.
Auch im Gebäudesektor müssten smarte Lösungen her, etwa um Stromspitzen zu vermeiden, wenn zukünftig vermehrt elektrische Wärmepumpen zum Einsatz kommen. "Wir brauchen insgesamt mehr Intelligenz in der Energieversorgung, um Verbrauch und Erzeugung möglichst optimal aufeinander abzustimmen", sagt Studienautor Peter Baum von Aurora Energy Research.
Bedeutung von smarten Lösungen
Da neben der Energiesteuerung auch weitere Punkte des Maßnahmenpakets auf smarte Lösungen angewiesen sind, legen die Autoren der Studie einen weiteren Schwerpunkt auf Digitalisierung, Breitbandausbau und Cybersicherheit. "Digitale Technologien sind für ein zukunftsweisendes, klimafreundliches und wettbewerbsfähiges Wirtschaften ähnlich grundlegend wie die CO2-neutrale Energieerzeugung", so Baum.
"Dazu gehören schnelle und transparente Online-Genehmigungsverfahren, intelligente Technologien zum netzdienlichen Laden von E-Autos, die Telemedizin oder auch digitale Lern- und Arbeitsformen, die gerade durch Corona massiv an Bedeutung gewonnen haben", so der Aurora-Experte. "Gleichzeitig werden auch die Datensicherheit und der Schutz vor Cyberattacken immer wichtiger, denn ohne sie gibt es kein Vertrauen in die Technik." (hp)
