Mehr Transparenz und eine Datengrundlage, die eine schnelle und fundierte Entscheidungsgrundlage ermöglicht für Geschäftsführer und Aufsichtsräte kleinerer und mittlerer Stadtwerke – das verspricht ein neues Kalkulations-Tool zur Ermittlung und Analyse von Strom- und Gastarifen. Dieses wurde von der Consultinggesellschaft MOcons GmbH & Co. KG aus Mülheim/Ruhr entwickelt. Das Beratungsunternehmen vereint die Expertise verschiedener Wissenschaftler der Hochschule Ruhr West. Entwicklungspartner waren der mehrheitliche kommunale Mülheimer Energieversorger Medl sowie die Stadtwerke Ratingen.
"Standardisierte Komplettlösungen sind häufig in ihrer Flexibilität beschränkt. Mit eigen gestrickten Lösungen wie Excel-Tabellen fehlt die Möglichkeit, effizient zu kalkulieren und vor allem für Dritte nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen zu erstellen", erklärt Berater Sascha Stumpe. Er hat das neue Tool ganz wesentlich mitkonzipiert und dabei viel praxisnahes Know-how aus seiner Zeit als Mitarbeiter im Vertriebscontrolling der Stadtwerke EVB Huntetal einfließen lassen.
"Goldene Mitte treffen"
"Wir wollten mit unseren Tarifkalkulations-Tools die goldene Mitte treffen und den Stadtwerken ein praxistaugliches und bedarfsgerechtes Produkt anbieten, das der Geschäftsführung eine schnelle Entscheidung über Tarifvarianten sowohl der eigentlichen Strom- und Gas- als auch von Nachtspeicher- und Wärmepumpentarifen bei jeweils unterschiedlichen Zählerausstattungen ermöglicht", erklärt Mark Oelmann, geschäftsführender Gesellschafter bei MOcons und gleichzeitig Professor für Energie- und Wasserökonomik an der Hochschule Ruhr West. Dies sei in der Praxis oftmals noch sehr herausfordernd.
Neben den vielfach selbstgestrickten Lösungen hänge das auch damit zusammen, dass bei kleinen und mittleren Stadtwerken ein Vertriebsmitarbeiter die Kalkulation verantworte, der zeitgleich sehr vielfältige weitere Aufgaben habe – und das oft in verschiedenen Unternehmensbereichen.
"Immer wieder müssen sich die Mitarbeiter bei Tarifanpassungen –und –neukalkulationen neu eindenken, geraten dabei schnell unter Zeitdruck und unter hohem Zeitdruck unterlaufen bekanntlich Fehler. Der Geschäftsführer will oft schnell reagieren, braucht noch Charts für den Aufsichtsrat und möchte das am liebsten alles in einem Termin mit dem Vertriebsmitarbeiter abhandeln. In der Praxis ist das ein äußerst anspruchsvolles Unterfangen“, betont Oelmann.
Weniger manuelle Anpassungen
Hier setze das neue Kalkulations-Werkzeug an. Es ermögliche schnellere Entscheidungen, weil der Mitarbeiter auf die Wünsche seines Abteilungsleiters oder Geschäftsführers in einem Termin unmittelbar eingehen und die Tarife gemäß dessen Wünschen modellieren kann. "Ferner werden übersichtlich im Analysetool alle Tarife gleichzeitig miteinander nach bestimmten Kriterien verglichen.
Der Mitarbeiter wird entlastet, weil das Tool auf verschiedene Seiten unmittelbar zugreift und er deshalb weniger manuell anpassen muss", so Oelmann weiter. Je nach Wahl der konkreten Version erhalte das Unternehmen halbjährlich einen Update seiner kompletten Inputs (Netzentgelte, Umlagen und Abgaben, eigene Tarife).
"Viele Stadtwerke teilen Problembetrachtung"
In der Branche stößt das neue Werkzeug laut Oelmann auf großes Interesse. "Wir haben den Eindruck, dass die Problembetrachtung von vielen Stadtwerken geteilt wird. Den Unternehmen gefällt insbesondere, dass die Lösung aus der Praxis stammt und sich genau der Kernprobleme bei der Kalkulation annimmt." Rund ein halbes Dutzend Kommunalversorger, mehrheitlich aus Nordrhein-Westfalen, hätten sich bereits für die Premiumversion entschieden. (hoe)



