Von Artjom Maksimenko
Der Chemiekonzern BASF geht gemeinsam mit dem Lithium-Produzenten Vulcan Energy auf die Suche nach regionalem Geothermiepotenzial. Beide Unternehmen sind dafür eine Partnerschaft eingegangen und haben eine Absichtserklärung unterzeichnet.
Ziel sei es, mit Erdwärme aus Tiefengeothermie das BASF-Stammwerk in Zukunft mit grundlastfähiger, erneuerbarer Energie versorgen zu können, hieß es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Um Synergieeffekte im Zuge des Projekts optimal zu nutzen, plant Vulcan darüber hinaus nach eigenen Angaben den Bau einer Lithiumextraktionsanlage zur Produktion von grünem Lithium.
4 Millionen Tonnen Dampf
Bei einer potenziellen Leistung von 300 Megawatt thermischer Energie könnten am BASF-Standort Ludwigshafen jährlich etwa bis zu vier Millionen Tonnen von CO2-freiem Dampf erzeugt werden. Das Thermalwasser bietet dabei die Möglichkeit zur ressourcenschonenden Gewinnung von Lithium.
In einem nächsten Schritt sind seismische Messungen zur Untersuchung der geothermischen Gegebenheiten in einer Teilregion des Oberrheingrabens vorgesehen. Vulcan wird hierbei der aktive Projektentwickler sein, der die Exploration durchführt und technisch maßgeblich steuert. Der Beginn erster Erkundungen ist derzeit für Anfang 2025 geplant.
Auch Fernwärmeversorgung soll profitieren
Von der grünen Erdwärme sollen auch die umliegenden Städte Frankenthal und Ludwigshafen profitieren und beteiligen sich in einem ersten Schritt an der erforderlichen seismischen Erkundung. Dafür prüfen regionale Versorger, die Technischen Werke Ludwigshafen und die Stadtwerke Frankenthal bereits den Einsatz von Erdwärme bei Fernwärmeerzeugung. Rund 800.000 Tonnen CO2-Emissionen würden in diesem Fall vermieden; ein wesentlicher Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen am Stammwerk der BASF.
Vulcan plant Lithiumproduktion
Das Thermalwasser des Oberrheingrabens weist neben hohem Geothermiepotenzial eine hohe Konzentration an Lithium auf, das vor allem zur Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus beispielsweise für Smartphones, Laptops oder Elektroautos verwendet wird. Vulcan plant deshalb, im Zuge des Vorhabens nachhaltiges Lithium für die deutsche und europäische Batterie- und Automobilindustrie zu produzieren. Hierfür setzt das Unternehmen auf das ressourcenschonende Verfahren der sogenannten direkten Lithiumextraktion durch Adsorption (A-DLE). Die Partner prüfen dazu derzeit die Möglichkeit zum späteren Bau einer Lithiumextraktionsanlage auf dem Werksgelände der BASF.
Neben der industriellen Nutzung bietet Tiefengeothermie darüber hinaus die Möglichkeit zur Erzeugung von Fernwärme und könnte damit einen wichtigen Schritt hin zu einer erfolgreichen kommunalen Wärmewende bedeuten. Vulcan und BASF evaluieren daher gemeinsam mit den regionalen Energieversorgern – den Technischen Werken Ludwigshafen und den Stadtwerken Frankenthal – den Einsatz der verfügbaren Erdwärme aus dem Projektvorhaben für eine emissionsarme Energieversorgung der Haushalte in den beiden Städten.
"Durch die Nutzung heimischer Energieressourcen können wir unabhängiger von Energieimporten und den sehr volatilen Energiepreisen auf dem Weltmarkt werden", sagte die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung beider Unternehmen. Ziel müsse ein international wettbewerbsfähiger Industriestandort in Deutschland und Rheinland-Pfalz sein, mit international wettbewerbsfähigen Energiepreisen.
