Die hohen Strompreise setzen vielen Energieversorgern zu – und treiben offenbar so manches Unternehmen zunehmend in die Insolvenz.

Die hohen Strompreise setzen vielen Energieversorgern zu – und treiben offenbar so manches Unternehmen zunehmend in die Insolvenz.

Bild: © Dhahi Alsaeedi/Unsplash

Mit Berla Energie scheint der nächste Stromanbieter innerhalb kurzer Zeit aufgegeben zu haben. Die Website des in Wuppertal ansässigen Unternehmens, das auf Facebook noch immer mit Ökostrom und dem Motto "günstig und ehrlich" wirbt, ist verwaist. Auf der Startseite steht nur noch: "Unser [sic!] hat den Vertrieb bis zum 31.10.2021 eingestellt."

Wie die ZfK über das Portal "www.Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de" erfuhr, hat Übertragungsnetzbetreiber Amprion Berla zudem zum 11. November, 24 Uhr, den Bilanzkreisvertrag gekündigt. Amprion bestätigte dies auf ZfK-Nachfrage.

Noch Bilanzkreisvertrag mit 50Hertz?

Beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz dagegen wurde Berla am Freitagabend laut öffentlich zugänglicher Excel-Datei noch mit einem gültigen Bilanzkreisvertrag geführt. Auf ZfK-Anfrage erklärte ein Sprecher, dass am Montag eine eventuelle Schließung des Bilanzkreises geprüft werde.

Auch von den weiteren Übertragungsnetzbetreibern Transnet BW und Tennet lagen am Freitagabend keine neuen Informationen vor.

Ersatzversorger springen ein

Übertragungsnetzbetreiber sind nach Vorgaben der Bundesnetzagentur verpflichtet, Bilanzkreisverantwortlichen den Vertrag zu kündigen, wenn diese die notwendige finanzielle Sicherheit nicht mehr nachhaltig bereitstellen. Nicht selten gehen betroffene Unternehmen dann insolvent.

In jedem Fall können sie in der Folge ihre Kunden nicht mehr mit Strom versorgen. Diese fallen in die Ersatzversorgung der örtlichen Grundversorger.

Berla: Gesellschaft schon mal aufgelöst

Wie es mit Berla weitergeht, konnte die ZfK nicht unmittelbar in Erfahrung bringen. Eine kurzfristige ZfK-Anfrage an das Unternehmen am Freitagabend blieb vorerst unbeantwortet. Etwaige Antworten würden an dieser Stelle nachgereicht werden.

Im Bundesanzeiger waren Stand Freitagabend keine neuen Informationen zu Berla zu finden. Allerdings scheint ein gleichnamiges Unternehmen schon Anfang der 2010er-Jahre große finanzielle Probleme gehabt zu haben. Zumindest heißt es in einem Dokument vom 11. Januar 2011, dass die Gesellschaft aufgelöst sei.

Energiekrise trifft Branche hart

Für die folgenden Jahre dagegen sind unter gleichem Firmennamen wieder Geschäftsberichte gelistet. Auch Jens Herberts, der in den Dokumenten als Geschäftsführer genannt wird, gibt auf dem sozialen Netzwerk Xing an, seit März 2010 durchgängig diese Position innezuhaben.

Die Energiekrise mit Rekordpreisen für Strom und Gas im Großhandel hat etliche Versorger hart getroffen. Die meisten reagierten mit regulären Preisanpassungen, manch andere, vor allem Billiganbieter, mit rechtlich umstrittenen kurzfristigen Preisaufschlägen, Abschlagserhöhungen bis hin zu ordentlichen beziehungsweise außerordentlichen Kündigungen.

Drei Insolvenzen bislang bekannt

Nach jetzigem Stand meldeten mit Otima Energie, Smiling Green Energy und Lition zudem seit September drei kleine Energieversorger Insolvenz an. (aba)

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