Paneldiskussion zum Thema Quartierslösungen beim Ostdeutschen Energieforum. Auf dem Podium diskutierten (von links): Robert Brandt, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien; Mark Piehler, Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke; Moderatorin Sarah Schweitzer, Rechtsanwältin und Partnerin bei SCHWEITZER LEGAL; Christophe Hug, Geschäftsührer der Tilia GmbH und Clemens Felsmann, Professor für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung an der Technischen Universität Dresden.

Paneldiskussion zum Thema Quartierslösungen beim Ostdeutschen Energieforum. Auf dem Podium diskutierten (von links): Robert Brandt, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien; Mark Piehler, Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke; Moderatorin Sarah Schweitzer, Rechtsanwältin und Partnerin bei SCHWEITZER LEGAL; Christophe Hug, Geschäftsührer der Tilia GmbH und Clemens Felsmann, Professor für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung an der Technischen Universität Dresden.

Bild: © Unternehmerverband Sachsen

Schlaflose Nächte bereiten Mark Piehler die Themen Eigenversorgung oder Energieautarkie von Quartieren nicht. Natürlich gehe das Thema Quartierslösung zum Teil Hand in Hand mit Eigenversorgung. „Sowohl im Sinne der Bezahlbarkeit als auch im Sinne der Versorgungssicherheit ist eine Entkopplung von Quartieren aber in den seltensten Fällen sinnhaft oder auch erstrebenswert“, erklärte der Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Ostdeutschen Energieforums in Leipzig. Moderiert wurde das Panel mit dem Titel "Quartierslösungen als Energiewende von unten – Welche Rolle können Stadtwerke spielen?" von Sarah Schweitzer, Rechtsanwältin und Partnerin bei Schweitzer Legal. 

Die Leipziger Stadtwerke setzen bei der Wärmewende in Leipzig auf eine Kombination aus Lösungen in Quartieren mit Elementen wie PV, Solarthermie und Wärmepumpen sowie auf große, dezentrale Anlagen, die über das Fernwärmenetz die Stadt von außerhalb mit der notwendigen Wärme versorgen.  „Wir haben da echt viel vor“, bekräftigte Piehler.

AEE: "Neun von zehn Bürgern stehen hinter der Energiewende"

Größere Probleme für die Akzeptanz von Erneuerbaren-Anlagen in städtischen Quartieren kann Robert Brandt, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien,  dabei per se nicht orten. „9 von 10 Bürgern stehen hinter der Energiewende. Die Akzeptanz ist natürlich bei denjenigen größer, die bereits Erfahrungen mit einer Erneuerbaren-Anlage vor Ort haben“, bekräftigte er.

Für den Erfolg eines Projekts sei es zentral, dessen Notwendigkeit zu verstehen und sich im Sinne der Selbstwirksamkeit selbst einbringen zu können. Weitere Voraussetzungen seien ein positiver Nutzen-/Kostenvergleich und eine Identifikation (Identität). „Identität ist sehr wichtig. Hier haben Stadtwerke viel getan und können viel einbringen“, so Brandt.

„Beim Neubau kriegen wir gute Lösungen hin, aber die Bestandsimmobilien bleiben die Herausforderung“, erklärte Christophe Hug, Geschäftsführer der Tilia GmbH. Für ihn sind Quartierslösungen vor allem ein Ansatz, der es systematisch und Stück für Stück ermöglichen soll, „eine Energiewende unter Beteiligung aller Akteure hinzubekommen“.

Tilia-Chef: Erst mal das kostenneutral Mögliche umsetzen

Dabei sollte man erst einmal die Projekte realisieren, die heute auch kostenneutral möglich seien. „Das ist wichtiger als die Frage nach dem nächsten großen Coup.“

Ähnlich fiel der Tenor von Professor Clemens Felsmann, Inhaber der Professur für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung an der Technischen Universität Dresden, aus. „Zum Teil wird da eine Wirtschaftlichkeit bei Quartiersprojekten angesetzt, die für ein innovatives Projekt nicht umsetzbar ist.“

Generell gelte es, reines renditeorientiertes Bilanzdenken zu hinterfragen und sich nicht auf einer nur momentan tragfähigen Lösung auszuruhen. „Hier müssen neue Denkprozesse angestoßen werden“, betonte Felsmann. Gerade in kleineren Stadtwerken bestehe aber das Problem, dass man die Herausforderungen zwar kenne, aber nicht die Ressourcen habe, sich solcher Zukunftsthemen anzunehmen.

Felsmann: "Umsetzung von Wärmenetz 4.0 tendiert gegen null"

Vorstöße wie in Baden-Württemberg, wo die größten Städte bis 2023 eine kommunale Wärmeplanung umsetzen müssen, hält der Gebäudeenergietechnik-Experte für notwendig, um die Ziele bei der Wärmewende zu erreichen. „Ohne politischen Druck funktioniert es nicht.“ Das zeige sich aktuell etwa beim Thema Wärmenetz 4.0 „Die Konzepterstellung geht schnell, aber die Umsetzung tendiert gegen null.“ (hoe)

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