Die Beste Stadtwerke aus dem ostwestfälischen Landkreis Höxter haben das Geschäftsjahr 2018 mit einem Verlust von 2,95 Mio. Euro abgeschlossen. Die seit längerem überfällige Bilanz, deren Ausbleiben zu einigen Spekulationen vor allem in der Lokalpresse geführt hatte, wurde laut ZfK-Informationen mittlerweile an den Bundesanzeiger übermittelt und ist dort in den nächsten Tagen abrufbar.
Grund für die Millionenverluste ist offenbar die Reorganisation, sprich die Trennung vom dem bis dato defizitären Netzgeschäft und die Fokussierung auf den Vertrieb. Das Defizit habe vor allem an der „Endabwicklung im Bereich der Netze“ gelegen heißt es in der Lokalzeitung „Neue Westfälische“. Das Geschäftsjahr 2019 als erstes reines Vertriebsjahr hat der Stadtwerkeverbund aus Ostwestfalen hingegen mit einem Gewinn von 450.000 Euro abgeschlossen.
Corona: Geringe Absatzrückgänge
„Auch für 2020 erwarten wir weiterhin ein deutlich positives Ergebnis, immer in Abhängigkeit natürlich von der weiteren Entwicklung im Rest des Jahres“, erklärte Beste-Geschäftsführer Stefan Wagner-Schlee im Gespräch mit der ZfK. Coronabedingt seien die Energieverbräuche, gerade bei den RLM-Kunden, zwar etwas gesunken. Da sich unter den knapp 56.000 Kunden des Unternehmens aber ausschließlich Privatkunden befänden, seien die Absatzrückgänge vergleichsweise moderat.
Trotz einer handelsbilanziellen Überschuldung und vielen negativen Schlagzeilen um die finanzielle Situation des Unternehmens und die Entstehung dieser Schieflage in den vergangenen Jahren hat die Beste die Kundenzahl in den vergangenen Jahren sogar noch steigern können und ist in vier weiteren Städten in der Region zum Grundversorger aufgestiegen. „Wir haben sehr gute und treue Kunden, der Service und das Angebot der Beste hat immer noch einen guten Namen“, sagt Wagner-Schlee.
Keine betriebsbedingte Kündigungen
Vergangene Woche hatte die Kasseler EAM-Gruppe bekanntgegeben, dass sie die "Beste" kaufen und alle Mitarbeiter übernehmen wird. Wagner-Schlee wird die Marke „Beste“ voraussichtlich auch nach der Integration in die EAM-Gruppe führen. Er hatte die Leitung der Beste im Herbst 2018 übernommen und die Restrukturierung und deutliche Kostensenkungen umgesetzt. Dabei wurden auch Stellen abgebaut, betriebsbedingte Kündigungen habe es aber nicht gegeben. Zudem galt es, Vertrauen in die Zahlungs- und Leistungsfähigkeit des überschuldeten Unternehmens bei den Banken und Gläubigern (unter anderem die Stadtwerkekooperation Trianel als Vorlieferant) wiederherzustellen.
„Die Restrukturierung trägt Früchte, wir haben eine deutlich bessere Kostenstruktur. Das alles hat uns sehr attraktiv gemacht für potentielle Käufer“, versichert er. Nach einer bundesweiten Markterkundung hätten sich rund 40 Interessenten herauskristallisiert. Davon sei rund ein Dutzend ernsthaft interessiert gewesen, mit vier Unternehmen sei man letztlich in konkrete Verhandlungen eingetreten.
"Gesellschafter standen immer hinter der Beste"
„Das Schöne während der gesamten vergangenen zwei Jahre war, dass die Gesellschafter immer hinter dem Unternehmen gestanden sind, die Unterstützung war immer da“, resümiert Wagner-Schlee. Gesellschafter der Beste sind die Stadtwerke Bad Driburg, die Stadtwerke Beverungen, die Stadt Borgentreich – Eigenbetrieb Stadtwerke Borgentreich, die Stadtwerke Steinheim und die Stadtwerke Warburg.
Bei der Betriebsversammlung am vergangenen Donnerstag sei vor allem bei den rund 34 betroffenen Mitarbeitern die Erleichterung spürbar gewesen. „Ich habe da in einige Augen geschaut und gesehen, wie froh die Mitarbeiter sind, dass sie jetzt eine Perspektive haben“, erzählt der Geschäftsführer.
Landkreis Höxter ist an EAM beteiligt
Zwischen dem Landkreis Höxter und EAM bestehen vielfältige energiewirtschaftliche Geschäftsbeziehungen. Zum einen ist der Landkreis an EAM beteiligt, zum anderen kooperiert EAM mit mehreren Gemeinden in der Region beim Netzbetrieb. Das Kartellamt muss dem Verkauf der Beste noch zustimmen. (hoe)



