Von Artjom Maksimenko
Die Stadtwerke Bielefeld haben im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Ergebnis in Höhe von27,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Jahr davor, 2023, war das Ergebnis mit minus 9,1 Millionen negativ. Ursache dafür war unter anderem die neue Finanzierungsvereinbarung mit der Stadt, die Verluste in den Bereichen Verkehr und Bäder nun stärker abfedert.
Das schaffe neue Spielräume für Investitionen in Infrastrukturprojekte, sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Martin Uekmann im Gespräch mit der ZfK. In Bielefeld verantwortet er unter anderem die Bereiche Finanzen, Controlling, Personal und Netze. Damit kann der 2024 ins Leben gerufene Aktionsplan für Klimaneutralität weiter an Fahrt aufnehmen.
Finanzierungsvereinbarung hilft
Die Finanzierungsvereinbarung mit der Stadt gilt seit dem vergangenen Jahr und hat den Stadtwerken deutlich unter die Arme gegriffen. "Wenn Sie das jetzt zusammenrechnen – vereinfacht gesagt – dann kommt man auf rund 45 Millionen Euro Ergebnis aus der Versorgung", führte Uekmann aus. Davon würden 18 Millionen direkt über den Verkehrsbereich verrechnet. Es gebe also eine Ergebnisabführung zwischen den Stadtwerken und der Verkehrstochter "moBiel", und die Stadt leistet darüber hinaus einen Betriebskostenzuschuss im sogenannten "Delta-Bereich". Im vergangenen Jahr betrug der Zuschuss lediglich 5,25 Millionen Euro bei einem vergleichbaren Defizit.
Neben den Zuschüssen der Stadt, die als alleinige Eigentümerin der Stadtwerke Bielefeld GmbH agiert, profitierten die Stadtwerke von einem weiteren Sondereffekt, dessen Höhe aber nicht kommuniziert wird: dem Anteilsverkauf an den Stadtwerken Aalen. Für das laufende Jahr steht zudem der Verkauf der Anteile an den Stadtwerken Gütersloh an. Wichtig für die künftige Aufstellung der Stadtwerke sei, dass sie nun eine klare Finanzierungsvereinbarung haben. "Wir sind froh, dass es jetzt eine Regelung gibt, sodass wir nicht jedes Jahr neu diskutieren müssen", so Uekmann.
Umsatz- und Absatzrückgang
Im operativen Bereich mussten die Stadtwerke einen Umsatzrückgang hinnehmen. Sie fielen von 933,2 Millionen im Vorjahr um mehr als 200 Millionen auf 735,1 Millionen im Jahr 2024. Auch beim Energieabsatz gab es Einbußen. Der Stromabsatz gab von 1,51 Milliarden auf 1,45 Milliarden Kilowattstunden nach. Der Erdgasabsatz sank von 2,93 auf 2,47 Milliarden Kilowattstunden. Die Energienachfrage sei insbesondere bei Sondervertragskunden und Kleingewerbetreibenden aufgrund der gedämpften Konjunktur niedriger ausgefallen. Der Wasserabsatz lag im vergangenen Jahr bei 17,8 Millionen Kubikmetern. Damit wurden gut 2,3 Prozent weniger Wasser verbraucht als im Vorjahr.
Steigende Investitionen
Deutlich zugelegt haben 2024 die Investitionen des ostwestfälischen Unternehmens. Nach 69 Millionen im Jahr 2023 stieg das Investitionsvolumen der Stadtwerke Bielefeld GmbH auf 104 Millionen Euro an. Auch im laufenden Jahr wolle der Versorger diese Kennzahl dreistellig halten.
Ein Investitionsschwerpunkt für die nächsten Jahre wird die Wärmeinfrastruktur und ihre Dekarbonisierung bleiben. Die Ausgangslage ist in Bielefeld gut. Ein Grund dafür ist eine Müllverbrennungsanlage, die nach Unternehmensangaben zu den modernsten und saubersten Europas gehört. Ihre massive Rauchgasreinigungsanlage nimmt in etwa 60 Prozent der Fläche des gesamten Systems ein. Am gleichen Standort in Bielefeld-Herford soll 2027 eine Monoverbrennungsanlage entstehen, die speziell für die thermische Verwertung von Klärschlamm ausgelegt ist. Durch sie können zukünftig bis zu 4400 Durchschnittshaushalte im Jahr mehr mit Fernwärme versorgt werden. Beim Strom sind es etwa 8500 Haushalte. Das würde zudem die CO2-Bilanz im Wärmeerzeugungsmix der Stadtwerke weiter verbessern.
Viele Wärmepumpen nötig
"Für Bielefeld sehen wir – grob geschätzt – heute einen Fernwärmeanteil von rund 20 Prozent, perspektivisch trauen wir uns 30 Prozent zu", sagte Uekmann Das sei schon ein erheblicher Zubau, wenn man bedenkt, wie groß Bielefeld ist. Aber es hänge immer von der Wirtschaftlichkeit der Netze ab. Die Suche nach weiteren Erzeugungsquellen und Wärmesenken gehöre also Pflichtprogramm. "Wir schauen uns auch Nahwärmeprojekte an, aber offen gesagt: Der Großteil – 60 bis 70 Prozent – wird wohl auf Wärmepumpen entfallen müssen", sagte er der ZfK.
