Von Artjom Maksimenko
Im abgelaufenen Jahr haben die Stadtwerke ein Ergebnis nach Steuern in Höhe von 244,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Einen wesentlichen Anteil an dem besten Ergebnis des Unternehmens, das in diesem Jahr seinen 170. feiert, hatten die Erlöse aus dem Verkauf der Essener Steag. Der Umsatz der Stadtwerke-Bochum-Gruppe belief sich auf über eine Milliarde Euro.
Auch um den "Steag-Effekt" bereinigt haben die Stadtwerke mit rund 100 Millionen Euro ein "ordentliches Ergebnis" abgeliefert, sagte Frank Thiel, Sprecher der Geschäftsführung, auf ZfK-Nachfrage. Auch die Stadt darf sich über eine üppige Gewinnabführung in Höhe von 75 Millionen Euro freuen. Mit der Konzessionsangabe (21,6 Millionen Euro) erhält die Stadt Bochum im Jahr 2024 einen Betrag von über 96 Millionen. Für das laufende Jahr ist allerdings die Rückkehr zur Normalität angesagt. Die Stadtwerke brauchen nämlich selbst viel Geld, um ihre Transformation voranzutreiben. Insgesamt ist dafür bis 2030 etwa eine Milliarde Euro an Investitionen vorgesehen.
Steag-Geld für bessere Ausgangslage
Mit den zusätzlichen Mitteln wollen sich die Stadtwerke in eine bessere Ausgangssituation bringen, wenn es um die Beschaffung von zusätzlichem Kapital geht, erläuterte Thiel. Zugleich betonte er, dass die Herausforderungen der Energiewende auch Einsparungen oder Effizienzmaßnahmen erfordern. "Wir müssen den Gürtel enger schnallen", betonte er. Dabei nannte Thiel keine konkreten Geschäftsfelder, die das unmittelbar betreffen soll. Das Programm "Transformation 2030" sei auf ein nachhaltiges Wachstum ausgelegt. "Wir denken in Generationen – nicht bloß in Quartalen."
Deutlich früher ist Klarheit über die künftige Wärmeversorgung der Stadt Bochum zu erwarten. "Wir gehen davon aus, dass die kommunale Wärmeplanung spätestens im Juni 2026 abgeschlossen sein wird", sagte Elke Temme, Geschäftsführerin der Stadtwerke-Bochum Holding. In die Dekarbonisierung der Wärme sowie in den Ausbau der Fernwärme wollen die Stadtwerke etwa 300 Millionen Euro investieren.
Verdichtung des Fernwärmenetzes schreitet voran
Aktuell arbeiten die Stadtwerke an der Verdichtung der Fernwärme-Einzugsgebiete. "In unserem Bestandsgebiet haben wir 1000 Gebäude ausgemacht, die nicht weiter als 25 Meter von der nächsten Fernwärme-Trasse entfernt liegen und so relativ unkompliziert angeschlossen werden könnten", sagte Temme weiter. Ziel sei es daher, die Fernwärme dort auszubauen, wo sie die besten Realisierungschancen hat, sagte sie der ZfK. Erschwert werde der Ausbau zu einem gewissen Teil durch viele Baustellen und Abstimmungsprobleme unter den Unternehmen und Gewerken.
"Wir haben eine entsprechende Konkurrenz unter der Straße", sagte die Geschäftsführerin. Für eine bessere Koordination der Baustellen wurde nun ein Infrastrukturprojekt mit fünf Arbeitsgemeinschaften ins Leben gerufen, um einzelne Bauprojekte besser abzustimmen. "Wir reden dabei über großdimensionierte Projekte. Die Fernwärme-Infrastruktur soll nämlich bis 2045 verdoppelt werden."
Ein weiteres Problem aus Sicht von Temme bleibt das Thema Akzeptanz. Durch die negative Berichterstattung über die überhöhten Fernwärmepreise sei das Vertrauen der Bürger gefährdet. Dabei liegen diese nach Angaben der Stadtwerke im bundesweiteten Preisvergleich im unteren Drittel der Rangliste. 2024 seien 50 neue Fernwärmekunden dazugekommen, in diesem Jahr rechnet Temme mit weiteren 100 Kunden.
Aktuell liegt der Anteil der grünen Wärme im Fernwärmenetz bei etwa zehn Prozent. Bis 2030 muss dieser bei mindestens 30 Prozent liegen. Um dieses Ziel zu erreichen, planen die Stadtwerke unter anderem den Bau einer Großwärmepumpe an der Kläranlage Oelbachtal. Gemeinsam mit dem Ruhrverband wollen die Stadtwerke dabei Abwasser als Wärmequelle nutzen. "Diese grundlastfähige Lösung sei ganzjährig verfügbar und wir freuen uns, dass wir diese Woche den Förderbescheid erhalten haben", sagte Temme.
Stromnetze als Investitionsschwerpunkt
Ein weiterer Investitionsschwerpunkt bleiben bei den Stadtwerken die Stromnetze. Sie "stellen das Rückgrat der gesamten Energie-, Wärme- und Mobilitätswende dar, da sowohl die Mobilität elektrisch wird als auch der Anstieg an Wärmepumpen zu einem steigenden Strombedarf führen", so Temme weiter. Die Stadtwerke Bochum investieren daher bis 2030 rund 165 Millionen Euro in den Netzausbau und die Digitalisierung des Bochumer Verteilnetzes.
In den kommenden fünf Jahren soll das Bochumer Nieder- und Mittelspannungsnetz um weitere 200 Kilometer auf rund 4500 km wachsen. Insbesondere der Digitalisierung kommt im ersten Schritt eine besondere Bedeutung zu: Bis 2030 sollen rund 150 neue digitale Ortsnetzstationen zusätzlich zu der Digitalisierung bestehender Ortsnetzstationen Energieströme exakt erfassen und die tatsächliche Auslastung des Netzes transparent darstellen.
