Herber Rückschlag für den ostwestfälischen Unternehmensverbund Beste Stadtwerke (Beste): Die Defizite in den Jahren 2014 bis 2016 fallen höher aus als bisher angenommen. Die Verluste in diesem Zeitraum summieren sich mittlerweile auf 4,25 Mio. Euro, bisher war immer ein Betrag von über drei Mio. Euro kommuniziert worden. Entstanden ist das Minus vor allem im Netzbereich. Geschäftsführer Stefan Wagner-Schlee bestätigte die Zahlen gegenüber der ZfK. Die Ursachenforschung läuft offenbar noch.
Aufgrund der Fehlbeträge ist das Stammkapital der Beste Stadtwerke seitdem aufgebraucht und das Unternehmen bilanziell überschuldet. Die Überschuldung sollte in den nächsten Jahren vor allem mit Gewinnen aus dem Vertriebsgeschäft abgebaut und entsprechendes Stammkapital wieder aufgebaut werden. Mit einer erfolgreichen Restrukturierung und dem Verkauf des Netzgeschäfts hat das Unternehmen hierfür die entsprechende Basis geschaffen. Die Beste Stadtwerke sind ein Verbund der Kommunalversorger der Städte Steinheim, Beverungen, Bad Driburg, Borgentreich und Warburg.
Schwarze Zahlen für 2019 erwartet
Nachdem das Unternehmen 2017 mit einem Gewinn von etwas mehr als einer halben Mio. Euro den Turnaround geschafft hat, steht die Veröffentlichung der Bilanz für 2018 noch aus. "Für den Jahresabschluss des Geschäftsjahres 2018 konnte ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk bzw. ein sogenanntes positives Testat des Wirtschaftsprüfers der Beste erreicht werden", versichert Geschäftsführer Wagner-Schlee. Gegenüber der "Neuen Westfälischen" kündigte er an, "bald etwas zu veröffentlichen". Für das Geschäftsjahr 2019 gehe er derzeit davon aus, ein positives Ergebnis ausweisen zu können.
"Derzeit arbeitet die Beste sowohl am Jahresabschluss 2019 als auch an der Jahresendabrechnung für die Kunden für das Jahr 2019. Guthaben von Kunden aus der Jahresendabrechnung 2019 werden in der ersten Februarwoche und somit grundsätzlich pünktlich ausgezahlt", versichert Wagner-Schlee.
Spekulationen um Windpark-Anteile der Städte
Er bestätigte, dass die Planungsrechnungen bei den Beste Stadtwerken in der Vergangenheit unzureichend gewesen seien. In seiner Amtszeit sei das korrigiert und das Unternehmen in Abstimmung mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und den Gesellschaftern stabilisiert worden. Das Vertriebsgeschäft mit seinen über 50.000 Strom- und Gaskunden laufe nach wie vor gut. Laut Lokalmedien sollen derweil vier der zur Beste gehörenden Stadtwerke über einen Verkauf ihrer Anteile an dem Windpark Bastenberg in der Gemeinde Beverungen im Landkreis Höxter nachdenken. An den fünf Windkraftanlagen zwischen Amelunxen und Drenke hält die Stadtwerkekooperation Trianel 49 Prozent der Anteile. Die Zeitung spekuliert bereits über einen Verkauf der Anteile der Städte an Trianel, die Kooperation wollte sich gegenüber der Zeitung nicht zudem Thema äußern. Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm kündigte zu dem Thema in Kürze eine Pressemitteilung an.
Der Bau des Windparks kostete insgesamt rund 22 Mio. Euro. Ob diese kolportierten Verkaufsabsichten auch mit der finanziellen Situation der Beste zusammenhängen könnten, lässt sich seriös nicht beurteilen. "Die Beste ist nicht Anteilseignerin oder gar Geschäftsführerin des angesprochenen Windparks. Sie hat den Park auch nicht finanziert", stellt Geschäftsführer Stefan Wagner-Schlee klar. (hoe)
