Der CO2-Preis im europäischen Zertifikatehandel ist seit Monaten bearish gestimmt. Am vergangenen Wochenende sank der EUA-2024er-Kontrakt auf 61,59 Euro/Tonne und lag damit nur 61 Cent über dem Wert vom 5. April 2024.
Als einen Grund für den anhaltenden Preisrückgang nennen die Experten die allgemein schwache Nachfrage nach Zertifikaten aus der Industrie. Die Angebotsmenge hat sich hingegen erhöht: Nach dem 30. September können Unternehmen nämlich überschüssige Zertifikate verkaufen. Hinzu kommt der Aspekt, dass viele spekulative Positionen geschlossen würden, sagte Sebastian Ligewie, Analyst bei Montel Analytics, auf ZfK-Anfrage.
Vorteil für Fossile
Allein seit Mai 2024 ist der CO2-Preis je Tonne um über 15 Euro zurückgegangen. Das stärkt zunächst vor allem die fossilen Energieträger. Im ersten Moment werden die fossilen durch den Preisverfall entlastet, und zwar je nach Emissionsintensität: Braunkohle stärker als Steinkohle. Steinkohle stärker als Erdgas.
Für die Erneuerbaren hingegen bedeute ein fallender CO2-Preis keine guten Nachrichten, so Ligewie weiter. Denn dadurch würden sich ihre Vermarktungserlöse schmälern. In Residualzeiten, also wenn die Erneuerbaren noch nicht die volle Netzlast tragen, profitieren diese von hohen Preisen auf dem Großmarkt. Geringere CO2-Preise bedeuten in den Residualzeiten, in denen die Fossilen preissetzend sind, geringe Großhandelspreise und damit weniger Vermarktungserlöse.
Langfristige Belastung für Endkunden
Sollten die CO2-Preise weiterhin niedrig bleiben, würde sich auch bei den Endkundenpreisen für Strom eine "preisdämpfende Wirkung" entwickeln, sagt der Analyst. Langfristig drückt der niedrige CO2-Preis deutlich die Rentabilität von Erneuerbarenanlagen und damit die Ausbauziele. Unter dem Strich bedeutet ein niedriger CO2-Preis kurzfristig eine Entlastung im Endkundensegment, jedoch eine höhere Belastung auf lange Sicht, sagte Ligewie der ZfK. (am)
