Die Corona-Krise trifft Kommunen hart. Steuereinnahmen brechen weg und Ausgaben steigen. Umso größer könnte die Versuchung sein, auf die Gewinne der Stadtwerke zurückzugreifen, um Haushaltslücken zu stopfen.
Die auf Energie- und Wasserthemen spezialisierte Unternehmensberatung BET warnt: "Stadtwerke können kommunale Haushalte nicht retten." Vielmehr sollte die Ausschüttung der Unternehmen nicht unüberlegt erhöht werden, da notwendige Investitionen in Digitalisierung, erneuerbare Energien und Netzinfrastruktur auf dem Spiel stünden.
Ausschüttungsquote im Schnitt höher als bei DAX-Konzernen
Die Beratung hat die Ausschüttungsquoten von mehr als 60 Stadtwerken untersucht. Demnach schütten Stadtwerke im Schnitt 77 Prozent des Gewinns an ihre Gesellschafter aus. Teilweise führten sie ihre Gewinne vollständig ab. Manche griffen sogar auf Rücklagen zurück und führten dadurch noch mehr als den pro Jahr erwirtschafteten Gewinn ab.
"Dieser Wert variiert jedoch stark", sagt BET-Berater Johannes Hüllenkremer. "Größere Unternehmen schütten tendenziell sowohl absolut als auch relativ mehr aus." Gleiches gelte für Stadtwerke, an denen neben der Kommune private Gesellschafter beteiligt seien.
Überwiegend liege die Ausschüttungsquote der Stadtwerke deutlich über derjenigen der DAX- oder MDAX-Unternehmen, analysiert die Beratungsfirma. Dort würden im Schnitt 41 Prozent des Gewinns an die Aktionäre weitergegeben.
Stadtwerke vor großen Herausforderungen
In der Finanzkrise 2008 und 2009 hätten die großen deutschen börsennotierten Unternehmen ihre Ausschüttungen relativ zum Gewinn zurückgefahren, um Eigenkapital und Liquidität zu schonen, führt die BET aus. Corona sei nun die nächste große Krise für Unternehmen. Das gelte auch für die Stadtwerke.
Gerade im Zuge des Shutdowns fuhren größere Industriekunden ihre Produktion zurück, war die Nachfrage nach Energie teils rückläufig. Noch schwerer litten von Stadtwerken betriebene Bäder und der öffentliche Nahverkehr.
Das Beratungsunternehmen mahnt: Der in den Stadtwerken verbleibende Gewinnanteil werde für eigene Investitionen gebraucht: für den Ausbau der erneuerbaren Energien, die Modernisierung der Verteilnetze oder die Installation von Wärmepumpen. Aber auch für die Digitalisierung der Stadtwerke.
Stadtwerke könnten auch Fremdkapital aufnehmen
Alternativ könnten Stadtwerke Fremdkapital aufnehmen, um genügend Geld für Investitionen zu haben. Dabei sinkt aber das Eigenkapital. Daher rät Tim Ronkartz, Leiter des Kompetenzteams Unternehmensentwicklung bei der BET: "Betroffene Stadtwerke sollten sich auf mögliche Diskussionen mit den Kommunen vorbereiten, um auch zukünftig über ausreichend Eigenkapital für anstehende Investitionen zu verfügen." (ab)



