Die Stadtwerke Konstanz haben im vergangenen Geschäftsjahr einen deutlichen Ergebnisrückgang zu verzeichnen. Das Ergebnis vor Steuern war mit 5000 Euro deutlich niedriger als im Jahr zuvor (rund 4,7 Mio. Euro). Ursache hierfür sind Sondereffekte im Jahr 2018. Dazu gehört unter anderem der komplette Austausch des irreparablen Motors einer der Fähren, wodurch diese in der Saison komplett ausfiel. Hinzukommen die Investitionen in den Glasfaserausbau sowie die sinkenden Erträge durch die Netzregulierung im Jahr 2019.
Aber Norbert Reuter, Geschäftsführer der Stadtwerke, ergänzte bei der Vorstellung der Jahresbilanz: "Die Zahlen vom Geschäftsjahr 2019 sind nicht mit denen aus 2018 unmittelbar vergleichbar." Hinein spiele die Auflösung von Rückstellungen in Höhe von rund 9 Mio. Euro aus einem Verfahren mit der TransNet BW, die sich positiv auf das Ergebnis von 2018 auswirkten.
Gewachsener Umsatz – solide Absätze
Der Umsatz wuchs vor allem dank der Energieversorgung, des Busbetriebs und der Telekommunikation auf die Rekordsumme von rund 191 Mio. Euro, ein Plus um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit über 26 Mio. Euro investierten die Stadtwerke und ihre Tochterunternehmen 30,2 Prozent mehr als im Jahr 2018, unter anderem in die beiden Großprojekte Schwaketenbad und das neue Fährschiff.
Die Absätze in den Sparten Strom und Erdgas sind weiterhin solide. Der Stromabsatz stieg von 193 Mio. kWh auf 210 Mio. kWh an. Der Gasabsatz legte um 5,5 Prozent auf 1.084 Mio. KWh zu. Euro. "Perspektivisch wollen wir eine zweite Gaseinspeisung aus der Schweiz zur nachhaltigen Versorgungssicherung verwirklichen. Denn Konstanz ist eine stetig weiter wachsende Stadt", erörterte Reuter.
TK-Bereich und erneuerbare Energien wachsen stark an
Auch der Bereich erneuerbare Energien wuchs erneut: Die Stadtwerke verkauften 4,1 Prozent mehr Wärme und erzeugten 15,1 Prozent mehr elektrische Energie. Die Steigerung der Stromerzeugung aus Blockheizkraftwerken (BHKW) und Photovoltaikanlagen war 2019 mit über 15,8 Mio. Kilowattstunden (kWh) im Vergleich zu 13,8 Millionen kWh im Vorjahr deutlich. 2019 wurden vier neue BHKW gebaut und sechs neue Photovoltaikanlagen.
Aber besonders hervorsticht der Telekommunikation(TK)-Bereich. So stiegen die abgeschlossenen Verträge um 23,3 Prozent und der Umsatz um 30 Prozent. "Aber wir haben trotzdem 4,2 Mio. Euro Verlust. Wir bauen beim Glasfasernetz massiv dazu. Ich denke, wir werden den Break-even-Point 2023 haben", freut sich der Geschäftsführer über die Nachfrage. So flossen knapp 1,8 Mio. Euro in den Ausbau.
Regionale Besonderheit – die Konstanzer Fähre
Eine Besonderheit der Stadtwerke Konstanz ist der Betrieb von Fährschiffen. Ein neues Fährschiff wird 2021 seinen Dienst antreten, welches auch mehr Kapazitäten besitzt und effizienter ist. "Dadurch werden Ressourcen gespart, weil ein Schiff weniger eingesetzt werden muss. Darüber hinaus wird es mit LNG angetrieben", so Reuter. Außerdem müsse das Personal nicht extra aufgestockt werden.
Sukzessive könnte der Antriebsstoff auch Bio-LNG sein, wodurch die Fähre klimaneutral sich fortbewegen würde. Aber dies hänge von den finanziellen Mitteln ab, weil Bio-LNG rund 1,6 Mio. Euro mehr pro Jahr kosten würde.
Corona-Auswirkungen: Erlöseinbruch von 28 Mio. Euro
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machen sich auch stark bei den Stadtwerken bemerkbar. Die aktuelle Krise wirkt sich vor allem auf fünf große Bereiche aus: Umsatzrückgänge werden im Energiebereich (Vertrieb und Netz) erwartet (rund 3,5 Mio. Euro), bei der Fähre Konstanz-Meersburg (7,9 Mio. Euro), beim Stadtbus (3,9 Mio. Euro), bei den BSB (10,5 Mio. Euro) und im Bäderbetrieb (2,2 Mio. Euro).
Im Jahresausblick ergeben sich rund 28,5 Mio. Euro Erlösrückgange. Aber der Konzern hat bereits gegengesteuert. Nun rechnet er nach Einsparmaßnahmen mit einen Umsatzrückgang von minus 19,5 Mio. Euro.
Gegenmaßnahmen: Kurzarbeit und Investitionsaufschübe
"Wir können es aber um weitere 8 Mio. Euro verbessern, wenn sich die Infektionszahlen stabil halten und unsere Umsätze sich auf dem Niveau entwickeln, wie sie gerade sind", sagte Reuter. Dann läge das Umsatzminus bei 11,5 Mio. Euro. Einsparungspotenziale wurden bereits vollzogen und sind in der Rechnung enthalten.
Dazu gehört unter anderem Kurzarbeit. Wobei in den ersten acht Wochen auf 100 Prozent aufgefüllt worden sei, wie Reuter betont. Nach der achten Woche seien es dann 95 Prozent und bei jenen Mitarbeitern ab Tarifstufe Zehn 90 Prozent gewesen. Durch die Auflösung der Rückstellungen 2018 seien bereits vergangenes Jahr Investitionen vorgezogen worden. Für das jetzige Jahr würden die nicht zwingenden Investitionen aufgeschoben werden.
Nächstes Jahr wird ein ausgeglichenes Ergebnis angepeilt
Für das nächste Jahr kündigt Reuter an, dass ein ausgeglichenes Ergebnis angepeilt werde. Weshalb "massiv Kosten eingespart" würden. Beim Personal würden jene Mitarbeiter, die ausscheiden, nicht nachbesetzt werden. Ferner würden Fremddienstleistungen wie Hausmeisterdienste, nach Möglichkeiten reduziert. Interne Mitarbeiter sollen diese künftig umsetzen. Ferner setzten die Stadtwerke auch auf die im Konjunkturprogramm vorgesehenen Hilfen für den ÖPNV. (gun)
