Die Cottbuser Stadtwerke tätigen seit 2017 eine der größten Investitionen der vergangenen Jahrzehnte. Für gut 75 Mio. Euro entsteht ein neues Gas-Heizkraftwerk – direkt neben der alten Anlage, die mit Braunkohle betrieben wird. Fünf Gasmotoren mit einer Leistung von jeweils 10 MW sollen Platz finden, parallel dazu wird ein neuer Druckwärmespeicher errichtet. Wie die Stadtwerke der Lausitzer Rundschau mitteilten, werden künftig 15 rund 30 Meter hohe Speicherbehälter eine extrem flexible Fahrweise des Kraftwerks ermöglichen.
Die Cottbuser Stadtwerke haben das Geschäftsjahr 2018 mit einem Verlust von 2,2 Mio. Euro abgeschlossen. Der Chef Vlatko Knezevic ist angesichts der enormen Investition, die der Kraftwerksbau bedeutet, trotzdem zufrieden. Der Lausitzer Rundschau sagte er mit einer gewissen Selbstverständlichkeit: „Baujahre sind immer schwierig.“ Und es hätte, das ist seinen Worten zu entnehmen, noch schlimmer kommen können: „Die ersten zwei sind besser gelaufen als geplant.“
Wettlauf mit der Zeit: Es geht um Fördergelder
Das neue Heizkraftwerk soll schon im Frühjahr 2021 seinen Betrieb aufnehmen. Das ist ein ehrgeiziger Zeitplan, doch der hat einen Grund: Spätestens am 31. Dezember 2022 muss das neue Kraftwerk im Dauerbetrieb laufen, damit die Stadtwerke von der Bundesförderung aus dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz profitieren können. Danach läuft diese Fördermaßnahme aus. „Wir wollen die Investition für das neue Kraftwerk in 15 Jahren wieder reinhaben.“ Das sei überlebenswichtig, erklärt Knezevic der Lausitzer Rundschau, denn die Laufzeiten von Kraftwerken verkürzen sich – allerorten.
Aus Sicht des Stadtwerke-Chefs ist der Kraftwerksbau nur ein Teil der Großinvestition. Damit verbunden sei die Modernisierung des mit Heißwasser betriebenen Fernwärmenetzes. Dies bedeute einen mindestens genauso großen Kraftakt, denn dort muss die Durchschnittstemperatur sinken, wenn das neue Kraftwerk optimal arbeiten soll. Das derzeitige Temperaturniveau zwischen Vor- und Rücklauf von 135 Grad zu 70 Grad Celsius muss demnach auf 125 Grad zu 60 Grad Celsius gesenkt werden. Genau das peilen die Stadtwerke an und arbeiten darauf hin. (sig)



