Die Stadtwerke Bad Belzig (SWBB) befinden sich derzeit in einem Insolvenzverfahren. Darin wird die Zukunft des kommunalen Versorgers geklärt. (Symbolbild)

Die Stadtwerke Bad Belzig (SWBB) befinden sich derzeit in einem Insolvenzverfahren. Darin wird die Zukunft des kommunalen Versorgers geklärt. (Symbolbild)

Bild: © Coloures-Pic/AdobeStock

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im laufenden Jahr auf den höchsten Wert seit 2015 gestiegen. Die Zahl der angemeldeten Konkurse stieg um knapp ein Viertel gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 22.400 Fälle. Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen hat weiter zugenommen, insgesamt wurden im Jahr 2024 über 120.000 Verfahren registriert.

„Die Verbraucherinsolvenzen haben gegenüber dem Jahr 2015 weiter zugenommen. Das allein ist schon bemerkenswert“, erklärte Patrik-Ludwig Hantzsch, Pressesprecher und Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform auf ZfK-Anfrage. Besonders betroffen seien vor allem Menschen, die einen Großteil ihres verfügbaren Einkommens für die Miete, Energie und andere Güter des täglichen Bedarfs aufwenden müssten.

Da auch die Arbeitslosigkeit weiter zunehme, werde dies Auswirkungen auf das Forderungsmanagement vieler Energieversorger haben. "Wir erwarten, dass dies auch für mehr Forderungsausfälle in der Energiebranche sorgen wird", prognostiziert Hantzsch. Er empfiehlt der Energiebranche das Forderungsportfolio engmaschig zu monitoren und genau zu analysieren.

Deutlicher Anstieg größerer Unternehmensinsolvenzen

Das gilt auch für die Unternehmensinsolvenzen. Aufgrund des wirtschaftspolitischen Stillstands und der rückläufige Innovationskraft könnten man sich hier die Höchstwerte der Jahre 2009 und 2010 in Sichtweite kommen, als über 32.000 Unternehmen in die Insolvenz gingen.

Die Mehrheit der Unternehmensinsolvenzen betrifft Kleinstunternehmen mit höchstens zehn Beschäftigten, die 81,4 Prozent aller Fälle ausmachen. Auffällig ist jedoch der überdurchschnittliche Anstieg der Insolvenzen bei größeren Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Hier kletterten die Fallzahlen um 44,4 Prozent.

Besonders besorgniserregend sei die Zunahme sogenannter "Ketteninsolvenzen". Die anhaltenden Krisen der vergangenen Jahre – von Corona bis hin zur Inflation – hätten zahlreiche Unternehmen ausgezehrt und förderten nun diese Dynamik.

Industrie leidet besonders stark

Die Insolvenzzahlen sind in allen Wirtschaftsbereichen gestiegen und übertreffen das Vor-Corona-Niveau. Besonders betroffen war das Dienstleistungsgewerbe mit einem Anstieg von 27,1 Prozent, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe (plus 23,9 Prozent). Die höchste Insolvenzquote – gemessen an den Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen – entfiel auf das Baugewerbe (97).

Seit dem Tiefpunkt 2021 sind die Insolvenzen im verarbeitenden Gewerbe um mehr als 80 Prozent gestiegen – ein deutlich stärkerer Anstieg als in der Gesamtwirtschaft. Besonders erhöhten sich die Fallzahlen in Industriezweigen wie Metallerzeugung und -bearbeitung sowie PapierwarenproduktionAuch die Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren sowie die Getränkeproduktion verzeichneten überdurchschnittlich hohe Zuwächse.

"Die aktuelle Insolvenzwelle legt auch die Schwächen der deutschen Wirtschaft offen", fasst Hantzsch die Entwicklung zusammen. Die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen, wie etwa eine Senkung der Stromkosten zur Entlastung der Industrie, würden angesichts der aktuellen politischen Lage jedoch voraussichtlich kaum ausreichend sein, die Krise aufzuhalten. (hoe)

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